Letzte Rechnung im Café?

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Kämpft weiter für die Existenzsicherung des Cafés: Alraune-Geschäftsführerin Petra Lafferentz Foto: Haas
 
Koch Eric-Juma Stickel zaubert mit Auszubildenden leckere Gerichte aus frischen Zutaten Foto: Haas

Über die chronisch gefährdete Existenz einer Steilshooper Institution

Von Waltraut Haas
Steilshoop
Wegen eines Defizits von 80.000 Euro musste schon der Leiterin und einer Köchin des Cafés gekündigt werden. Den Betrieb des Stadtteil-Lokals gewährleistet aktuell ein Koch – aus einem anderen Alraune-Projekt „entliehen“: Eric-Juma Stickel sichert das Ausbildungsprojekt, in dem alleinerziehende Mütter ihre beruflichen Aussichten verbessern.
Zugleich zeichnet der Koch verantwortlich für das abwechslungsreiche gastronomische Angebot. „Zu 90 Prozent verarbeiten wir hier frische Produkte und Gemüse der Saison“, sagt der Koch. Gerade packt er Gemüse und Salate auf den Tisch, die Auszubildenden warten auf Arbeit. Dabei lernen sie auch für Zuhause wie sich schmackhafte Gerichte zubereiten lassen. Durchs Kochen wachse zudem das Selbstwertgefühl, weiß Stickel. Und die leckeren deutsch-internationalen Gerichte werden von den Gästen gerne verzehrt.
Unterdessen kämpft Geschäftsführerin Petra Lafferentz weiter um eine solide Basis des – inzwischen schon chronisch gefährdeten – Stadtteilcafés unter der Leitung des Trägers Alraune. Ob eine „Flexibilisierung“ des Ausbildungskonzepts für junge Mütter die Finanzierung sicherstellen kann? Das eruiert sie aktuell in Verhandlungen mit Vertretern der Sozialbehörde. Mit Provisorien lasse sich der Café-Betrieb angesichts roter Zahlen nicht mehr lange gewährleisten. „Nötig wäre eine Art Sockelfinanzierung“, sagt Lafferentz. Die Bezirksversammlung Wandsbek (BV) ist mit einer Unterstützung von 50.000 Euro dabei: Wegen seiner wichtigen sozial- und stadtteilpolitischen Funktionen müsse das Café am Schreyerring erhalten werden, hatte die BV schon Ende Januar beschlossen, erst kürzlich bekräftigt vom Hauptausschuss (das Wochenblatt berichtete). Allerdings setze dieser Zuschuss einen nachhaltigen Betrieb des Cafés voraus, teilt Bezirksamtssprecherin Lena Voß mit. Womit sie zugleich signalisiert, dass die Finanzierung der Ausbildung in die Zuständigkeit der Sozialbehörde falle.

Soziale Komponente


Mit großen Fragezeichen läuft der Alltag im Café ab. Laura Kreinhöfer arbeitet hier als Auszubildende zur Restaurantfachfrau. „Dabei ist das Café doppelt wichtig: Einmal hängen unsere Existenzen dran.“ Zusammen mit anderen jungen Müttern habe sie hier die Chance, ins Berufsleben zu starten. „Hier werden wir ernstgenommen, so wie wir sind. Jede von uns hat ihr Päckchen zu tragen.“ Laura schätzt zugleich ihr tolles Team und die familiäre Betriebsatmosphäre im Café. „Zudem sind die Gäste gerne hier, für sie ist das auch eine Art Schutzraum.“ Sie beobachtet oft, wie sich viele Stammgäste auf Gespräche mit ihren Nachbarn freuen. Zudem kämen ihnen die günstigen Preise gelegen. „So mancher Gast verbringt hier oft Stunden mit einer Tasse Kaffee.“
Stammgäste Ewald Graßfeld und Anni Maaß frühstücken regelmäßig am Schreyerring. Eine Schließung des Cafés wäre „schlimm für ganz viele Gäste“, sagen sie. Cornelia und Rald Gnewkow sowie Mevlut Özcelik stimmen zu. „Wir verstehen nicht, warum das Café jedes Jahr wieder gefährdet ist. Vor allem für die allein lebenden Älteren ist es doch unverzichtbar. Es müsste doch auch am Wochenende öffnen“, wünschen die Alteingesessenen. Darunter auch Aygün Cammurcuoglu: „Hier gibt es lauter freundliche Menschen. Jeder kennt jeden, und der schmale Geldbeutel wird auch geschont.“
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