LKW im Wohngebiet

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Gerhard Kobe misst den LKW-Lärm auf seinem Balkon

Anwohner der Jüthornstraße protestieren gegen Schwerlastverkehr

Von Rainer Glitz
Marienthal. Innerhalb von fünf Minuten fahren ein Tanklaster, zwei Sattelschlepper mit Fertighausteilen und mehrere kleinere LKW durch die Jüthornstraße in Marienthal. Und damit mitten durch ein reines Wohngebiet, ärgert sich Anwohner Gerhard Kobe: „Der LKW-Lärm ist eine indirekte Enteignung von Wohnraum“. Auf seinem Schreibtisch poltert es bei der Vorbeifahrt der Lastwagen, den zur Jüthornstraße gelegenen Balkon hat er seit fünf Jahren nicht mehr genutzt. Der Anbau unter dem Balkon hat bereits kleine Risse, obwohl es 30 Meter bis zur Fahrbahn sind. Kobe schläft im hinteren Teil des Hauses, aber auch dort wird er regelmäßig aus dem Schlaf gerissen.

Lkw fahren auch am Wochenende

„Um halb vier Uhr morgens geht das schon los, dann wackelt die Marmorplatte auf meiner Heizung“, erklärt Gerhard Kobe. Er kann die Lärmbelästigung mit Zahlen belegen. Durchschnittlich 600 PKW und 50 große Lastwagen pro Stunde haben er und seine Nachbarn gezählt. Am meisten Schwerlastverkehr gibt es morgens zwischen 7 und 9 Uhr, eine echte Pause gibt es nur zwischen 22 und 3 Uhr, so das Ergebnis der privaten 24-Stunden-Verkehrszählung in Marienthal. Und: selbst am Wochenende sind die LKW unterwegs.
Die Lärmgrenze von 59 dB am Tag und 49 dB in der Nacht wird demnach ständig deutlich überschritten. „Dieser Lärm ist gesundheitsschädlich“, sagt Gerhard Kobe. Das liege auch daran, dass die Autofahrer sich in der Jüthornstraße nicht an Tempo 50 hielten. Der Rekord liegt bei den PKW bei 106, bei LKW bei 90 Kilometern pro Stunde. Kobe zog vor zehn Jahren nach Marienthal, damals war es dort noch ruhig. Heute rauschen 12.000 Fahrzeuge durch die Jüthornstraße. Schuld hat nach Meinung der Anwohner die Beschilderung in Richtung Autobahn, wie ein Trichter sauge die Straße den Verkehr vom Ring 2 auf. Und seit 2009 sei die Programmierung der besonders von ausländischen LKW-Fahrern benutzten Navigationsgeräte offenbar geändert worden – die Route führe nun durch das Wohngebiet. Die Anwohner wandten sich an die Polizei. „Dort hieß es nur, wir wohnten nun mal an einer Hauptstraße und müssten uns damit abfinden“, sagt Kobe. Er sammelte 160 Unterschriften von Nachbarn und wandte sich an die Bezirksversammlung Wandsbek, die auch Unterstützung zusicherte. Aber die Wirtschaftsbehörde lehnte eine neue Verkehrszählung ab und verwies auf eine aus dem Jahr 2002. Doch nicht einmal diese Zahlen bekamen die Bezirkspolitiker bis jetzt. Und so hoffen die Anwohner der Jüthornstraße weiter auf ein LKW-Durchfahrtsverbot oder wenigstens eine andere Beschilderung.
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