Magdalene Baranowski war eine Institution

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Claus Bohlen (v.l.), Emma Lentz, Karin Wahle-Baranowski mit Erpel Freedy, Helga Gerdes und Jürgen Pieper Foto: wb
 
Magdalene Baranowski war eine Institution in Tonndorf Foto: privat

Zum Gedenken an „Bara“ lädt die Familie im Gemeindehaus der Kirche Tonndorf zum Brunch ein

Tonndorf In der Sitzecke im Garten am Tongrubenweg, wo Magdalene Elisabeth Baranowksi gerne und viele Stunden verbrachte, können wir an diesem Nachmittag nicht sitzen. Es regnet mal wieder. Freedy kann das nicht beeindrucken. Der betagte Erpel hat es sich in dem mit Stroh ausgelegten Feuerkorb gemütlich gemacht. Die übrige Gesellschaft zieht ins Wohnzimmer. Claus Bohlen, Helga Gerdes, Jürgen Pieper und Emma Lentz wollen über Magdalene Baranowski sprechen. „Bara“, wie die gebürtige Ostpreußin liebe- und respektvoll in Tonndorf genannt wurde, ist vor einem Jahr im Alter von 91 Jahren gestorben. Zu ihrem Gedächtnis lädt ihre Nichte und Adoptivtochter Karin Wahle-Baranowski am kommenden Sonntag, 28. August, nach dem Gottesdienst zum Brunch im Gemeindehaus der Kirche Tonndorf ein. „Eine Seele von Mensch“, „ein Alphatier, das organisieren und loben konnte“, „authentisch, spontan, unkonventionell, humorvoll“. Es sind Worte wie diese, die in dem mit Erinnerungen an ein 91 Jahre währendes Leben dekorierten Wohnzimmer fallen und ein Bild von einer Frau zeichnen, die von allen geschätzt und von ihren Schülern verehrt wurde und die in Tonndorf „bekannt war wie ein bunter Hund“. Vier Jahrzehnte, von 1949 bis 1989, war Magdalene Baranowski Lehrerin an der Tonndorfer Grundschule, von 1979 bis 1989 leitet sie die Schule. „Die anfängliche Skepsis des ersten Schulleiters der noch sehr jungen Lehrerin gegenüber, ob sie der Aufgabe auch gewachsen sei, wich schnell“, erinnert sich Helga Gerdes, die Schulsekretärin, die wie „Bara“ eine gebürtige Königsbergerin ist und zu einer Freundin wurde. „Die Schwachen hatten bei ihr ein Stein im Brett“, sagt Emma Lentz, Jahrgang 1950, gebürtige Ukrainerin. Sie hatte das Glück, damals in Baranowskis Klasse zu landen. „Sie wusste über jedes Kind Bescheid, hat jeden von uns individuell gefördert.“

Netzwerkerin


Sie war eine Netzwerkerin, sagt Karin Wahle-Baranowski. Sie warb bei Geschäftsleuten um Spenden, für das Schuljubiläum und um Schülern eine Reise zu ermöglichen, ebenso aber für die Kirche. Sie pflegte Kontakte zum Studio Hamburg, besorgte Kulissen für Schulaufführungen, vermittelte Schüler als Statisten. „Jeder in der Schule kannte sie und hätte sie gerne als Lehrerin gehabt“, sagt auch der Weggefährte Claus Bohlen. Mit Bohlen und Jürgen Pieper verband Magdalene Baranowski die Arbeit in der Kirche. 20 Jahre lang hat sie im Kirchenvorstand Verantwortung übenommen. „... auch hier weise, bodenständig und gleichzeitig offen für Neues und mit einem großen Herz für die Menschen unserer Gemeinde...“ schrieb Pastorin Anja Bethke in ihrem Nachruf. Pieper traf sie beim Bibelkreis, wurde dann häufig von ihr mit „na mien Jung“ begrüßt. Dabei sei der Altersunterschied kein sehr großer gewesen, schmunzelt Pieper.

Sie liebte Musik und Tiere


Magdalene Baranowksi war eine Menschenfreundin durch und durch, liebte Musik, sang im Kirchenchor, tanzte gerne Square Dance, konnte Menschen begeistern. Als Flüchtling nach dem Zweiten Weltkrieg in Tonndorf gestrandet, wurde die Gemeinde für sie zur zweiten Heimat. „Sie liebte Spaziergänge mit ihren Hunden an der Wandse“, sagt Karin Wahle-Baranowski. Ihr großes Herz hatte sie auch an Tiere verschenkt. An Erpel Freedy hing es besonders. Freedy war vom fünften Stock eines Wohnhauses in Berlin auf den Balkon ihrer Nichte geflattert, wurde im Hause Baranowski aufgezogen und dankte es mit viel Treue und Anhänglichkeit. Freedy – als Abkürzung von Freedom – folgte Magdalene Baranowki auf Schritt und Tritt und wurde wie sie zum Tatort-Fan. Karin Wahle-Baranowski: „Wenn Sonntagabends die Tatort-Titelmelodie erklingt, sitzt Freedy jetzt neben mir.“
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