„Mehr als satt und sauber“

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Rund 60 Kinder werden in der „Villa Kunterbunt“ in der Buchwaldstraße betreut Foto: Glitz

„Villa Kunterbunt“ mit Personalnot. Allgemeines Problem in der Betreuung

Von Rainer Glitz
Rahlstedt
Die alte Stadtvilla liegt mitten in einem attraktiven
Wohngebiet mit meist wohlhabenden Eltern. Die Alt-Rahlstedter Kinder spielen auf dem großzügigen Außengelände, auch bei Schmuddelwetter. Die „VillaKunterbunt“ wurde im hinteren Teil unlängst erweitert, hier sind die 13 Krippenkinder untergebracht. Doch es ist nicht alles Idylle: Wie in anderen Kindergärten in Hamburg auch gibt es hier massive Personalprobleme. „Wir sind wirklich überlastet, der Krankenstand war noch nie so hoch wie in den vergangenen beiden Jahren“, sagt Marlies Krassau, pädagogische Leiterin des Kindergartens. Sieben Erzieherinnen kümmern sich um die insgesamt 60 Kinder. „Wenn jemand fehlt, bricht das System hier zusammen“, sagt Krassau.

M

ehr Erziehungsarbeit


Vor allem für die Vor- und Nachbereitung fehle meist die Zeit, erklärt die Pädagogin. Teambesprechungen am Nachmittag, die Dokumentation von Stärken und Interessen der Kinder, dazu Vorschularbeit, Englisch, Schwimmen und Musik als feste Angebote und natürlich das gemeinsame Essen: All das lasse wenig Luft, etwa für Ausflüge ins Theater oder zur Feuerwehr. „Ich wünsche mir ein Jahr, in dem wir einfach nur mit den Kindern arbeiten und Spaß haben können“, sagt Marlies Krassau, die seit 28 Jahren in der Villa Kunterbunt dabei ist. Damals hätten nur wenige Mütter gearbeitet, heute seien es fast alle. Im Kindergarten müsse jetzt mehr Erziehungsarbeit geleistet werden als früher, aber auch die Beratung der Eltern habe zugenommen. Die Kinder merkten den Stress und die Anspannung der Erzieherinnen, erklärt Krassau. „Wir wollen aber gute Arbeit leisten, mehr als satt und sauber“.

Mehr Personal


Genau dieser Idealismus brachte die ehemalige Bauzeichnerin dazu, in die Arbeit mit Kindern zu wechseln. An den öffentlichen Protesten der Kita-Mitarbeiterinnen war Marlies Krassau von Beginn an beteiligt: Am Brandbrief an Bürgermeister Olaf Scholz, an der Übergabe von 19.000 Unterschriften und an der großen Demonstration im Oktober. Ein bisschen Bewegung sei in die Sache gekommen, sagt sie. Es bleibe aber bei der Kernforderung, mehr Personal für die Kinderbetreuung zur Verfügung zu stellen, um die Qualität zu verbessern. „Ich mache im Moment täglich Überstunden“, sagt Krassau. Trotzdem: „Ich würde den Beruf immer wieder wählen.“ Das Lächeln der Kinder am Morgen mache alles mehr als wett.
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 27.01.2015 | 15:43  
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