Menschen aus der Isolation holen

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Dringend Unterstützer gesucht: Mitgefühl ist die Brücke für Ehrenamtliche zu den Geflüchteten in Farmsen

Von Stefan Gierlich
Farmsen
„Wer, wenn nicht wir!“ sagten sich viele Farmsener. Inzwischen sind es über 40, die ehrenamtlich in verschiedenen Projekten direkt und engagiert den Flüchtlingen in der Wohnunterkunft Farmsen 1 an der August-Krogmannstraße Hilfe leisten. Jetzt trafen sich die Ehrenamtlichen zum Kennenlernen – und stellten fest: für die vielen Projekte werden noch jede Menge Helfer gebraucht. Denn jedes Projekt hat seine eigene Geschichte und Herkunft. So entstand unter einigen Frauen in der katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist die Idee der Nähstube. Jede Woche wird mit bis zu zehn Teilnehmerinnen genäht, entstehen Gardinen und Kissen oder werden Kleidungstücke aus der Kleiderkammer passend gemacht. Hier in der Kleiderkammer ist die größte Gruppe von HelferInnen dabei, die Spenden zu sortieren und zur Erstausstattung der hier in Farmsen besonders stark vertretenen Familien auszugeben. Die Nachfrage ist ungebrochen groß. Es wird daher weiter Kleidung in kleinen Größen gebraucht. Wo Menschen mit so unterschiedlicher Herkunft, Sprach- und Kulturgewohnheit aufeinandertreffen, gibt es auch Kommunikationsprobleme. Das Ringen um pünktliches Einhalten von Terminen gehört ebenso zum Helferalltag wie die kreative Suche nach Brücken der Verständigung. Gemeinsames Lachen ist oft für alle Beteiligte ein erster Integrationserfolg.

Mangel an Paten


Um bessere Verständigung bemühen sich die Deutschkurse in der Unterkunft. Eine Honorarkraft und fünf Ehrenamtliche unterrichten an vier Tagen. Dabei kommen gerade ältere Frauen und Männer, die nicht von den behördlichen Sprachangeboten erreicht werden, zum Zuge. Einige sind nun schon mehrere Jahre in Deutschland, ohne Buchstaben lesen und unsere Sprache sprechen zu können. Die tägliche Dankbarkeit der Teilnehmer und Teilnehmerinnen berührt und zeigt, wie einfach es sein kann, Menschen aus der unfreiwilligen Isolation zu holen. Auch bei den Deutschkursen sind weitere Helfer willkommen. Dazu braucht man keine Lehrerfahrung. Mitgefühl ist wichtiger als professionelle Vorbildung.
Besonderer Mangel besteht an sogenannten Paten. So eine Patenschaft zu einem einzelnen Flüchtling oder einer Familie kann Hilfe und Orientierung im Alltag geben. Die Paten unterstützen bei Schriftwechseln, Behörden- oder Arztbesuchen. Vorteil auf Seiten des Paten: Er oder sie kann die Zeit und den Umfang mit dem Partner frei verabreden. Eine noch unverbindliche Kontaktaufnahme gibt es im „Frauencafé“ – auch „World-Café“ genannt. Mitarbeiterinnen der Freien evangelischen Gemeinde verbringen einen Nachmittag in der Woche mit Müttern und Kindern aus den verschiedenen Ländern. Insbesondere die Kinder lieben den Treff und es wird gesungen, gebastelt und gebacken. „Kunst für Kids“ heißt es dann noch zusätzlich alle 14 Tage. Da wird gezeichnet, mit Farben experimentiert und großformatige Collagen enstehen, um den Kindern eine Möglichkeit zu geben, ihre Erlebnisse zu verarbeiten. Was tun die geflüchteten Männer? Sie können ihre Fertigkeiten in der Fahrradwerkstatt einsetzen. Für alle Projekte gilt: Weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und auch Materialspenden (etwa Stoff für die Nähstube) sind willkommen – auch schon vor dem nächsten Begegnungstreffen, das – nach diesem ersten Erfolg – noch für dieses Jahr verabredet ist.

Kontaktaufnahme: Werner Glißmann/Birgit Lürssen, Telefon 42 835-2814, Mail: werner.glissmann@foerdernundwohnen.de oder bei Stefan Gierlich per Mail: stefan.gierlich@alice.de
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