Mit oder ohne Helm?

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Philip B. aus Eilbek: „An für sich ist es verkehrt, keinen Helm zu tragen. Ein Helm ist schon vernünftig, aber man ist ja zu eitel. Auch ich muss zugeben: Eitelkeit geht bei mir vor Vernunft.“ Foto:wb

Nach aufsehenerregendem Radfahr-Urteil sammelte das Wochenblatt Stimmen zum Thema

Bezirk Wandsbek Fahrradfahrer, die keinen Helm tragen, haben bei einem unverschuldeten Unfall keine Mitschuld an den erlittenen Verletzungen, urteilte vergangene Woche der Bundesgerichtshof (BGH). Ein Urteil, das polarisiert. Die einen sehen sich in ihrer Ablehnung einer Helmpflicht bestätigt, die anderen kritisieren die Entscheidung als Freibrief für mangelnden Schutz.Das Wochenblatt fragte Radfahrer (siehe Umfrage auf dieser Seite) und hörte sich bei Institutionen um.
Die Polizei Hamburg hat eine klare Position, was das Tragen von Fahrradhelmen anbelangt. „Fahrradhelme sind erste Wahl, um sich bei einem Unfall vor schweren Kopfverletzungen zu schützen. Leider gibt es immer wieder Beispiele, wo Menschen schwer verletzt oder gar getötet wurden, weil sie keinen Fahrradhelm trugen“, so Hendrik Holland, Leiter Verkehrserziehung und -prävention. „Gerade Kinder beherrschen den komplexen Großstadtverkehr noch nicht und sind besonders gefährdet. Der Fachhandel bietet mittlerweile ein breites Spektrum modischer Helme, die eher aussehen wie coole Caps oder Mützen“, so der Erste Polizeihauptkommissar weiter.
Die Polizei Hamburg befürchtet allerdings auch, dass eine generelle Helmpflicht dazu führen würde, dass weniger Menschen das Fahrrad benutzen. Auch die Einbindung zum Beispiel des Stadtrades in moderne Verkehrskonzepte wäre kaum möglich.
Für die Bestrebungen, den Anteil des Fahrradverkehrs zu erhöhen, wäre eine Helm-
pflicht eher kontraproduktiv. Problematisch wären zudem auch Überwachung und Ahndung von Verstößen. Genau so argumentiert Merja Spott vom ADFC Hamburg: „Jeder Radfahrer soll selber entscheiden, ob er einen Helm tragen will oder nicht.“
Die Polizei Hamburg appelliert daher in erster Linie an Verständnis und Verantwortung für sich selbst und andere.
In dieses Horn stößt auch die Deutsche Verkehrswacht (DVW). as Urteil versteht die DVW nicht als Aufruf zum Verzicht auf einen Fahrradhelm; es dreht sich ausdrücklich um die Frage der Mitschuld. DVW-Präsident Kurt Bodewig: „Jeder Radfahrer ist angehalten, alles für seine Sicherheit zu tun. Ein Fahrradhelm ist hier ein wichtiger Beitrag zum eigenen Schutz, der aber, wenn es darauf ankommt, Unfallfolgen mindern und sogar Leben retten kann.“ Die DVW plädiert für das freiwillige Tragen eines Helms. Bodewig: „Kein Verständnis habe ich für die Ablehnung des Helmtragens durch selbsternannte Fahrradaktivisten.“
Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) führt die DVW seit 2011 die Aktion „Ich trag‘ Helm“ durch, mit der sie für das Tragen von Fahrradhelmen wirbt. In allen Altersgruppen steige die Helmtragequote, so Bodewig. Nach Aussagen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) liegt sie insgesamt bei mittlerweile 15 Prozent.
(sdo/wb)
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