Mit Vereinsgeld Miete bezahlt

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Mit dem veruntreuten Geld wurden auch Haushaltgegenstände angeschafft Foto: thinkstock

Buchhalterin veruntreute 17.300 Euro. Bewährungsstrafe

Von Martin Jenssen
Hamburg. Das war für sie Besonders unangenehm. Vor den Augen ihrer 16jährigen Tochter und ihres dreizehnjährigen Sohnes wurde Nicole S. (39) von der Polizei verhaftet. Einen Tag blieb sie in Untersuchungshaft. Die Verhaftung erfolgte, weil sie aus Scham zum ersten Verhandlungstermin vor dem Amtsgericht in Barmbek im Juni dieses Jahres nicht erschienen war. Die Lohn-und Finanzbuchhalterin, die für den Verein für Kinder-, Jungend-, und Elternarbeit auf dem Dulsberg arbeitete, musste sich vor Gericht verantworten, weil sie viele ihrer privaten Rechnungen von dem Vereinskonto bezahlt hatte.
„Gewerbsmäßiger Betrug in 28 Fällen“ so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Um nicht erneut im Gefängnis zu landen, war Nicole S. zu ihrer zweiten Verhandlung pünktlich erschienen. In einer Einlassung, die von ihrer Verteidigerin vorgetragen wurde, gab sie die Betrugsfälle zu. In der Zeit zwischen März 2010 und Mai 2012 hatte sie mehrfach Gelder von dem Vereinskonto auf ihr eigenes Konto überwiesen. In zehn Fällen hatte sie sogar ihre private Miete für ein Haus in Norderstedt (monatlich 1070 Euro) über das Vereinskonto bezahlt. Außerdem hatte sie einen Fernseher und andere Elektroartikel nach Hause liefern lassen. Das Geld dafür wurde vom Vereinskonto abgebucht. Der Gesamtschaden für den Verein: 17.300 Euro.

Geständig

Der Betrug wurde ihr leicht gemacht. Der Verein hatte im Frühjahr 2010 den Zahlungsverkehr auf Online-Banking umgestellt. Nicole S. konnte deshalb lange Zeit unkontrolliert Überweisungen tätigen.
Zerknirscht beichtete sie dem Gericht ihre Straftaten. Die damaligen Lebensumstände hätten sie zu dem Betrug getrieben. Die Angeklagte: „Zusammen mit meinem Lebensgefährten habe ich 2010 das Haus in Norderstedt gemietet. Doch meinen Freund musste ich kurz danach vor die Tür setzen!“ Er hatte heimlich intime Videoaufnahmen von ihrer Tochter gemacht. So musste sie die Miete für das Haus alleine aufbringen. Nicole S.: „Ich konnte meinen Kindern nichts mehr bieten.“
Weil die Angeklagte ein umfangreiches Geständnis ablegte, eine neue Arbeit hat und in monatlichen Raten von 120 Euro den angerichteten Schaden abzahlt, fiel das Urteil milde aus. Dennoch wurde Nicole S. in der Urteilsbegründung scharf zurechtgewiesen. Die Vorsitzende Richterin: „Es gibt viele alleinstehende Frauen, die es schwer haben und die nicht straffällig werden. Die private Miete vom Konto des Arbeitgebers direkt an den Vermieter zu überweisen, das ist sehr dreist und eine äußerst seltene Straftat. Im Verein haben sie zudem ein Trümmerfeld hinterlassen.“
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