Mitmachtag im Mahlhaus

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Sophia Altun (v. l.) , Ramona Stuwe, Sebastian Glaser und Mats Cortnumme schneiden Obst für den Nachtisch Foto: Möller
 
Selbsterfahrungsaktion mit Simulationsbrille und Blindenstock Foto: Christa Möller

Verwaltungsschüler testen Barrierefreiheit im Stadtteil und das Essen im Treffpunkt

Von Christa Möller
Farmsen
„Eine tolle Erfahrung – ich gehe jetzt mit anderen Augen durch die Welt.“ „Das Training mit dem Blindenstock war schon krass, ich bin jetzt sensibilisiert für die Barrieren.“ „Es ist interessant zu erleben, wie die Umwelt auf Rollstuhlfahrer reagiert.“ „Das Mittagessen war super lecker. Mir war nicht klar, wie viel Arbeit dahinter steckt. Das bunte Leben im Treffpunkt gefällt mir.“ Für einen Tag hatten acht junge Hamburger ihren Schreibtisch in der Hamburger Verwaltung, etwa in der Schulbehörde oder im Rathaus, mit einem ganz anderen Umfeld getauscht. Der „Social Day“ an der Berufsschule für den allgemeinen Verwaltungsdienst der Freien und Hansestadt Hamburg ermöglichte den 18- bis 31-jährigen Schülern Einblick in die Arbeit des Treffpunktes Mahlhaus in Farmsen.
Vier der Schüler testeten die Barrierefreiheit im Stadtteil im Eigenversuch – ausgerüstet mit Rollstuhl oder Simulationsbrille und Blindenstock. Ein Rollstuhlfahrer berichtet aus erster Hand über Probleme – so steht der Eingang zum Mahlhaus auch Menschen mit Handicap offen, aber längst nicht alle Türen im Stadtteil öffnen sich automatisch. „Für uns ist das ein Perspektiv-Wechsel. Wir nehmen das sehr ernst“, erläutert Berufsschullehrer Jan-Phillip Steinfeld mit Blick auf Kundenorientierung, soziale Kompetenz und Empathiefähigkeit. Der Mitmachtag bietet außerdem die Chance, einen anderen Blick auf ehrenamtliches Engagement zu bekommen und motiviert vielleicht einige Schüler, zukünftig selbst anderen zu helfen.

Mittags im Mahlhaus


Das tun am „Social Day“ vier weitere Berufsschüler, sie helfen bei den Vorbereitungen fürs Mittagessen im Mahlhaus. Sie schnippeln Äpfel, Kiwis, Birnen, Bananen, Orangen und Weintrauben klein, und mit etwas Zitronensaft und Zucker wird daraus ein leckerer Obstsalat. Die Nudeln fürs Hauptgericht, einen Auflauf, kocht Marianne Albers. Sie lernte das Mahlhaus im Rahmen eines Bildungsprojektes kennen. „Ich wollte etwas Sinnvolles tun“, erläutert die Poppenbüttlerin, die nun schon seit acht Jahren einmal wöchentlich für sechs Stunden in der Küche des Mahlhauses tätig ist und sich über die gute Resonanz auf den Mittagstisch freut: „Anfangs kamen fünf Leute, jetzt sind es etwa viermal so viele.“

Soziale Kontakte


Zwei Euro kostet das Mittagessen, das nicht nur sättigt, sondern auch soziale Kontakte bietet. Denn das Farmsener Mahlhaus, einer von acht Treffpunkten des BHH Sozialkontor im Hamburger Stadtgebiet, ist nicht nur Anlaufstelle für Menschen mit psychischen Erkrankungen und / oder Handicap, sondern auch für Angehörige und alle anderen interessierten Bürger. „Die Besucher können im Treffpunkt ihren Tag strukturieren und ihre Freizeit gestalten. Begegnungsstätte mit vielfältigen Angeboten sowie Beratung, Information und Vermittlung: Wer Unterstützung im Alltag benötigt, kann sich im Treffpunkt beraten lassen und zusätzlich die Hilfen der Ambulanten Dienste nutzen. Die ambulanten Dienste unterstützen Menschen darin, ihr Leben in den eigenen vier Wänden selbstständig zu meistern“, erläutert Pressesprecherin Dorothea Olbertz.

Stundenweise engagiert


Projektbegleiterin Anne Nissen ist – überwiegend ehrenamtlich – für den Verein „tatkräftig – Hände für Hamburg“ aktiv, der Kurzzeitpraktika für soziale Einrichtungen in vielen Bereichen vermittelt. Gruppen ab drei Personen engagieren sich einen Tag lang im sozialen Bereich, helfen Flüchtlingen, behinderten Menschen oder Kindern und leisten praktischen Einsatz etwa bei der Neugestaltung des Spielplatzes für einer Kindertagesstätte, bei Sportangeboten oder Ausflügen. Die Kurzzeitpraktika werden von Firmen beispielsweise im Rahmen von Weihnachtsfeiern genutzt, aber auch private Anfragen sind nicht selten. Und manchmal findet ein Teilnehmer so sein Einsatzgebiet fürs künftige Ehrenamt. Beim BHH Sozialkontor koordiniert Christina Sittig den Einsatz ehrenamtlicher Helfer, die sich hier auch stundenweise engagieren können, indem sie etwa jemandem etwas vorlesen, mit ihm spazieren gehen oder ihn zu kulturellen Aktivitäten begleiten.

Weitere Infos unter www.bhh-sozialkontor.de und tatkraeftig.org
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