Modeladen in Farmsen schließt nach 62 Jahren

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Jürgen Rumler und Heike Möller geben das Geschäft, das sie von ihrem Stiefvater Rudolf Lehmann vor 40 Jahren übernahmen, aus Altersgründen auf Foto: Grell
 
Das Geschäft Textil & Mode Lehmann war eines der ersten am Bahnhof Farmsen Foto: Grell

Das inhabergeführte „Textil & Mode Lehmann“ am Bahnhof macht zu. Ein Trost: Nachfolger will auch Frauenmode verkaufen

Von Karen Grell
Farmsen
Jahrzehntelang kleidete sich die Farmsener Damenwelt bei Lehmann ein. Jetzt schließt das inhabergeführte Modegeschäft am Farmsener Bahnhof. Ein Trost: Der neue Geschäftsinhaber wird weiterhin Damenbekleidung anbieten. Am 1. April 1954 reihte sich die Familie Lehmann mit ihrem Geschäft für Mode und Kurzwaren in die überschaubare Ladenzeile am Farmsener Bahnhof ein. Es gab nur ein paar junge Unternehmen, die sich hier niedergelassen hatten, lange bevor das heutige Einkaufszentrum EKT in Planung war. „Wir hatten damals hier eine Sparkasse, ein Lampengeschäft, einen Kohlenverkäufer, das Tina Kino und einen Getränkeladen als Nachbarn“, erinnert sich Jürgen Rumler, der das Bekleidungsgeschäft zusammen mit seiner Schwester Heike Möller Mitte der 1970er-Jahre von dem Stiefvater Rudolf Lehmann übernahm.

Nahversorger für Familien

Für viele der Neuzugezogenen Farmsener, die in die Siedlung der Neuen Heimat, der jetzigen Mietergenossenschaft Farmsen zogen, waren diese kleinen Geschäfte die einzige unmittelbare Versorgungsquelle. „Die Kohlen wurden mit der Schubkarre abgeholt, neben uns kaufte man die Brötchen bei der Bäckerei Rohlfs“, weiß Heike Möller, die an der Seite ihres Bruders schon 1962 mit im Laden geholfen hat. „Meine Mutter gab bei Lehmann noch ihre Nylonstrumpfhosen zum repassieren“, erinnert sich der Farmsener Hans Heinrich an die alten Zeiten.

Mode, Wäsche und gute Gespräche

Bei Textil&Mode Lehmann, das sich jetzt nach über sechs Jahrzehnten aus dem Stadtteil verabschiedet, gab es nicht nur Damen-, Herren- und Kinderkleidung, Kurzwaren und Weißwäsche, sondern auch jede Menge guter Gespräche unter Nachbarn. Man kannte sich im Viertel, das damals eher einem kleinen Dorf glich und man kannte auch die Geschichte der Kunden noch sehr gut. „Hier kauften die jungen Mädchen zusammen mit ihren Müttern den ersten Büstenhalter und die Farmsener Hausfrauen besorgten die weißen Tischdecken für die nächste Familienfeier“, erinnert sich Heike Möller. „Als wir unsere Geschäftsaufgabe bekanntgeben mussten, war das für einige auch ein kleiner Schock“, bedauert Heike Möller, die für ein paar Stunden in der Woche auch in dem neuen Geschäft, das hier eröffnen wird, noch tätig sein möchte. „Ich habe ja Zeit und was soll ich da zuhause sitzen“, so die junggebliebene Anfang 70-jährige Fachverkäuferin. Ihr Bruder Jürgen werde sich allerdings mit bereits 73 Jahren jetzt ganz der Familie widmen.

Neueröffnung im Februar

Der neue Geschäftsinhaber, der am 23. Februar eröffnen will, wird der Linie der Damenbekleidung für die Frau mittleren Alters treu bleiben. Genau das war dem Geschäftsgründer wichtig. „Wir hatten viele Bewerber, die einen Imbiss oder einen anderen Laden hier eröffnen wollten“, sagt Jürgen Rumler, die habe man aber allesamt abgelehnt. Ganz klar. Nur einmal stand Heike Möller in ihrem Berufsleben beim Familienunternehmen vor einer großen Entscheidung: Sie hatte ein Angebot bekommen, um in Amerika zu bleiben, wo sie für einige Zeit Urlaub gemacht hatte. „Für mich kam das nicht in Frage. Man fühlte sich einfach verbunden mit dem Familienbetrieb und auch verantwortlich. Damals war das noch so und es war die absolut richtige Entscheidung.“ Mit Lehmann geht eben auch ein Geschäft zu Ende, das noch mit dem Herzen geführt wurde.
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