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Rotschwanz, Rotkehlchen, Amsel, Zaunkönig, Meise: Michael Rademann vom Höltigbaum erklärt, wer wann singt

Von Klaus Schlichtmann
Rahlstedt. Morgens gegen 4 Uhr ist es in dieser Jahreszeit mit der Ruhe in der Natur vorbei. Ganz zaghaft zunächst, dann immer häufiger und vielstimmiger melden sie sich zu Wort und begrüßen den Tag, und die meisten Menschen freuen sich daran - abgesehen von denen, die aus der Nachtschicht oder am Wochenende aus der Bar kommen und im Schlaf nicht gestört werden wollen. Gemeint ist unsere gefiederte Vogelschar in den Gärten, Parks und Grünanlagen, die sich im Morgengrauen mächtig in‘s Zeug legt, um mit ihrem Gesang ihr Revier zu markieren und dem Weibchen zu imponieren.
Der farbenprächtige Gartenrotschwanz ist der erste, der 75 Minuten vor Sonnenaufgang erwacht und sein Lied anstimmt. „Er ist in diesem Jahr später als sonst aus West- und Zentralafrika zum Brüten zu uns zurück gekommen“, erklärt Michael Rademann (52), Bioingenieur und Mitarbeiter in der „Schutzgemeinschaft deutscher Wald“. Und der Gartenrotschwanz ist ein eher seltener Vogel geworden, der ab Mai bis Mitte Juni drei bis neun grünlich-blaue Eier ausbrütet. „Seit den 50er Jahren gehen die Bestände kontinuierlich zurück“, erklärt Rademann, „zum Teil durch die Veränderungen in unserem Lebensraum,vor allem aber durch lange Trockenperioden in Afrika.“ Der Gartenrotschwanz war 2011 „Vogel des Jahres“.
Rotkehlchen bleiben hier
Der Hausrotschwanz aus der Gruppe der Erdsänger gehört ebenfalls zu den Frühaufstehern und meldet sich ein paar Minuten nach seinem Vetter, dem Gartenrotschwanz, zu Wort. Dann geht es eigentlich Schlag auf Schlag und es wird zunehmend lauter auf den Bäumen und im Gebüsch. Das Rotkehlchen (großes Foto) wird munter (ca. 4.20 Uhr), etwas später auch die Singdrossel und die Amsel. Michael Rademann: „Das Rotkehlchen ist das ganze Jahr über bei uns, er ist ein ausgesprochener Einzelgänger mit festen Revieren auch im Winter, aus denen Artgenossen verjagt werden.“ Das Nest wird meist im dichten Bodenbewuchs oder Baumwurzeln versteckt vom Weibchen gebaut, in dem es dann zwei mal jeweils drei bis sechs Eier innerhalb von 12 bis 15 Tagen ausbrütet. Auch bei der Singdrossel ist es „die Frau“, die für den Nestbau aus Gras und Laub sorgt und alleine brütet. Der „Mann“ hilft immerhin bei der Nahrungssuche und beim Füttern - wenn er nicht gerade hoch oben auf dem Dachfirst oder der Antenne seine Strophen flötet oder zwitschert. Das kann er gut, und dabei imitiert er auch andere Singvögel, gerne auch mal den Specht oder den Waldkauz. Auch die Amsel bleibt im Winter bei uns und ist der häufigste heimische Brutvogel - ca. 70.000 Paare leben allein in Hamburg. Die Amsel ist eine Drosselart, ihr Gesang ist kräftig und klar mit lauten Flötentönen und klingt vielen Menschen als stimmungsvollste Vogel-Melodie. Sie brütet bis zu vier mal im Jahr.
Ein paar Minuten nach der Amsel - inzwischen ist es ca. 4.30 Uhr - stimmt auch der Zaunkönig, einer der kleinsten europäischen Vögel, in das Gartenkonzert seiner gefiederten Genossen mit ein. Klein, aber oho, denn er hat einen schmetternden Gesang mit Trillern und abschließenden Roller. Besonderheit: Das Männchen baut gleich mehrere halbfertige Nester, von denen sich das Weibchen dann eines für die Brut aussucht und den Rohbau fertigstellt.
Zweithäufigster Brutvogel
Auch die Blaumeise und die Kohlmeise (kleines Foto) haben wenig später ausgeschlafen. Die Kohlmeise ist der zweithäufigste Brutvogel in Hamburg, ihr Stimm-Repertoire ist sehr umfangreich und variabel. Bei der Nistplatzsuche sind sie nicht wählerisch - wenn nötig, muss selbst der Briefkasten dazu herhalten. Der Buchfink rappelt sich allmählich auch (ca. 40 Minuten vor Sonnenaufgang), gefolgt vom (relativ selten gewordenen) Haussperling/Spatz. Der Star macht dann erst mit Sonnenaufgang mit seinem Gesang auf sich aufmerksam. Mönchs- und Gartengrasmücke sowie die Goldammer „stehen noch später auf“ - sie werden erst munter, wenn es nach Sonnenaufgang etwas wärmer wird.
u Michael Rademann bietet am 23. Mai eine vogelkundliche Führung im Naturschutzgebiet Höltigbaum an. Treffpunkt ist morgens um 6 Uhr am „Haus der Wilden Weiden“, Eichberg 63 . Die Führung dauert ca. zwei Stunden, Fernglas wird empfohlen, Anmeldung nicht erforderlich. 5 Euro pro Person (SDW-Stammtisch-Mitglieder 3 Euro)
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