Neue "Arbeitsagentur" für Flüchtlinge in Hamburg

Anzeige
Das Logo für die neue "Flüchtlings-Arbeitsagentur" erinnert entfernt an die Weltkugel für die Vereinten Nationen (Foto: BASFI)

"W.I.R.": Stadt und Partner starten Integrationsprogramm nach Idee der Jugendberufsagentur. CDU kritisiert geringe finanzielle Ausstattung

W.I.R – der Name soll den positiven Charakter eines neuen Angebotes in Hamburg unterstreichen. Die Abkürzung steht für "work and integration for refugees", Arbeit und Integration für Flüchtlinge. Dahinter steht ein neues Integrationsprojekt der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, der Sozialbehörde und weiteren Partner, mit dem Zuwanderer und Asylsuchende schneller gezielt in Beschäftigung gebracht werden sollen. Das Programm, für das 1,5 Millionen Euro bereitstehen, startet am 15. September, am Freitag wurde es vorgestellt.

Vorbild ist die Jugendberufsagentur, durch die junge Menschen gezielter in den Arbeitsmarkt (zurück)gebracht werden. Das Projekt gilt als Erfolg und wird inzwischen bundesweit nachgeahmt.

Wie funktioniert "W.I.R"? Zunächst soll die Lebenslage und die berufliche Kompetenz erfasst werden. Anschließend können im Rahmen einer gemeinsamen Fallbesprechung institutionenübergreifend Lösungen für die jeweils individuelle Situation angeboten werden. So werden die Voraussetzungen für eine Arbeitsvermittlung durch die Agentur für Arbeit und das Jobcenter geschaffen.

Lösungen können zum Beispiel die Sprachförderung, die Anerkennung von im Ausland erworbener Berufsabschlüsse oder Angebote zur Nachqualifizierung. Auch die gesundheitliche Situation ist hierbei von Bedeutung.

Das Ziel ist ehrgeizig: Bis Ende 2016 soll sichergestellt werden, dass "alle Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive im erwerbsfähigen Alter", die gesundheitlich dazu in der Lage sind, im IT-System der Bundesagentur für Arbeit (VerBIS) registriert und deren berufliche Kompetenzen systematisch entwickelt werden.

Ergänzt wird dieses Verfahren durch einen Unternehmensservice, der als Schnittstelle zum gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Ansprechpartner für Betriebe sein wird, Angebote entgegennimmt und Fragen zur Beschäftigung von Flüchtlingen beantwortet. Es sitzt am Millerntorplatz 1, am Beginn der Reeperbahn. Außerdem soll es mobile Teams geben.

Senator Detlef Scheele: „Viele der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge besitzen Qualifikationen und Potentiale, die wir derzeit nicht systematisch erfassen. Mit dem Programm W.I.R wird das anders." Und weiter: "Von dieser Zusammenarbeit sollen geflüchtete Menschen ebenso profitieren wie auch der Hamburger Arbeitsmarkt.“

Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamburg: „Wir brauchen dieses freiwillige Angebot, um zwei wesentliche Dinge festzustellen: Wie ist die jetzige Lebenslage und die Herkunft der geflüchteten Menschen sowie welche beruflichen Kompetenzen bringen sie mit. Erst mit diesem Wissen können wir gemeinsam Aktivitäten vereinbaren, um die Flüchtlinge in Ausbildung und Arbeit zu integrieren. Die gemeinsame Anlaufstelle arbeitet wie ein vorgezogenes Kundenbüro aller beteiligten Akteure, um Doppelstrukturen zu vermeiden und den Zugang zu allen Dienstleistern zu erleichtern.“

Friedhelm Siepe, Geschäftsführer von Jobcenter team.arbeit.hamburg: „Eine frühzeitige Arbeitsmarktintegration ist ein wesentlicher Baustein zur gesellschaftlichen Integration. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass Flüchtlinge und Asylbewerber möglichst schnell eigenständig und ohne staatliche Transferleistungen ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Familien bestreiten können. Hierfür ist eine enge Zusammenarbeit aller beteiligten Institutionen erforderlich, die wir in der gemeinsamen Anlaufstelle optimieren werden.“
Neben den Arbeitsmarktpartnern sind in das W.I.R – Projekt eingebunden: Flüchtlingszentrum, FluchtORT Hamburg mit seinem Partner PlusPunkt, Mission Zukunft, Zentrale Anlaufstelle Anerkennung, Make it in Hamburg!

Karin Prien, flüchtlingspolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, begrüßte das Angebot wies, kritisierte jedoch die aus ihrer Sicht geringe Summe für W.I.R: „Der Senat greift unseren Vorschlag auf und das ist gut so. Allerdings kann das Konzept mit seiner mageren finanziellen und personellen Ausstattung nur einen ersten Schritt darstellen. Wir halten statt eines mobilen Teams, ein Vor-Ort-Team in jeder Erstaufnahmeeinrichtung für notwendig, so wie es in Rheinland-Pfalz bereits praktiziert wird." (wb)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige