Neues Wohnprojekt für Kinder

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Die denkmalgeschützte Dankeskirche in Rahlstedt-Hohenhorst. Auf dem Gelände soll der Neubau entstehen Fotos: cm

1,3 Millionen Euro: Kirche baut Haus für Jugendhilfe und junge Mütter in Not

Von Christa Möller
Hohenhorst. Auf dem Gelände der Dankeskirche in Rahlstedt-Hohenhorst, nahe dem Kinderkrankenhaus Wilhelmstift, entsteht ein ganz besonderer Neubau. Für das Rauhe Haus errichtet die Kirchengemeinde eine Wohngruppe mit Einzelzimmern für Kinder ab sechs Jahren. Das Kernstück des Wohnprojekts wird gemäß Kinderbetreuungskonzept „Hilfe unter einem Dach“ (HueD) realisiert.
Mit Blick auf den geplanten Neubau sagt Ortrud Freitag, Regionalleiterin für Kinder- und Jugendhilfe des Rauhen Hauses in der Region Wandsbek: „Das wird ein schnuckeliges kleines Haus.“ Für die Betreuung soll ein Team aus Sozialpädagogen, Erziehern und Sozialpädagogischen rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Eine Hauswirtschaftskraft wird die Kinder versorgen und den Müttern in der Küche unter die Arme greifen. Gruppenangebote ergänzen das Wohnprojekt.
Bauherr ist der Kirchengemeindeverband Rahlstedt, die dazugehörigen vier Kirchengemeinden (Meiendorf-Oldenfelde, Alt Rahlstedt, Markus Kirchengemeinde, Farmsen-Berne) haben den Plänen im November zugestimmt.

Baustart Ende 2014?

Johannes Calliebe-Winter, Pastor der Dankeskirche, sagt: „Das ist ein tolles Projekt. Wir wollen es umsetzen und sind bereit, die Mittel dafür zur Verfügung zu stellen.“ Allerdings sei das Ganze ein langer Prozess, denn das bestehende Ensemble ist als anerkanntes Denkmal klassifiziert. Im Moment laufen Abstimmungen mit dem Denkmalschutzamt. Das eingeschossige Gebäude ist mit 470 Quadratmetern Wohnfläche geplant. Bezüglich der zeitlichen Perspektive erklärt der Pastor: „Wir können noch überhaupt keinen Baubeginn absehen. Wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr auf jeden Fall noch der Bauantrag eingereicht wird und hoffen auf den Baustart gegen Ende des Jahres oder im Frühjahr nächsten Jahres.“ Die Kosten liegen bei etwa 1,3 Millionen Euro. Das Rauhe Haus werde das Gebäude dann für zunächst zehn Jahre zu einem festen Preis mieten. Die räumliche Nähe zur Kirchengemeinde macht gemeinschaftliche Projekte einfacher: Das Rauhe Haus plant Kooperationen bezüglich der Kirchensozialarbeit. Aber auch mit anderen Trägern ist eine Vernetzung geplant. „Die Erfahrung in der Lohkampstraße hat gezeigt, dass auch die Mütter gern etwas mit den Kindern unternehmen“, sagt Ortrud Freitag. „Wir möchten das Gemeindeleben mit gestalten.“ Weitere Möglichkeiten sieht Pastor Calliebe-Winter: „Wir haben unsere Kita. Wenn nebenan Frauen mit kleinen Kindern wohnen, können diese dort betreut werden.“ Von der gemeindlichen Jugendarbeit könnten die älteren Kinder profitieren. „Es würde mich wirklich sehr freuen, wenn es in Rahlstedt Menschen gäbe, die sich neben den vorhandenen Institutionen engagieren möchten. Die Kinder sind ja mit sechs Jahren noch sehr klein. Jeder Termin muss begleitet werden“, so Freitag. Sie versucht schon seit längerem ein vorhandenes Haus für das HueD-Projekt in der entsprechenden Größe in Wandsbek zu finden. Doch die Suche gestaltet sich schwierig: Benötigt würden dort neben zehn Schlafzimmern für Kinder und Betreuer auch fünf Bäder, eine große Küche und ein Wohnzimmer. Ein Neubau ist anscheinend die Ideallösung.

Verbesserung der Eltern-Kind-Bindung

Außerdem sind fünf Mutter-Kind-Wohnungen (MuKi) mit jeweils zwei Zimmern für junge Mütter bis 21 Jahren geplant. „Häufig sind es junge Mütter, die nicht aus einem stabilen Elternhaus kommen. Oftmals haben sie ein sehr geringes Netzwerk. Die eigene Familie steht nicht zur Verfügung, um etwas zu kompensieren.“ Die jungen Frauen haben oft Gewalt am eigenen Körper erfahren. Die Verweildauer der jungen Mütter kann nur wenige Wochen, aber auch einige Jahre betragen. „Ziel ist es, dass sie fit für den Alltag mit dem Kind gemacht werden“, sagt Ortrud Freitag. So werde unter anderem an der Eltern-Kind-Bindung gearbeitet, aber auch an der Tagesstruktur. Gegebenenfalls besteht die Möglichkeit einer Anschlussbetreuung durch die sozialpädagogische Familienhilfe. Außerdem wird es auf dem Gelände ein so genanntes Verselbstständigungs-Appartement geben. Hier können sowohl die jungen Mütter, als auch Kinder aus den Wohngruppen, ab 16 Jahren, das Leben auf eigenen Füßen erproben. Die Kombination von MuKi und HueD setzt das Rauhe Haus erstmalig im Bezirk Wandsbek um.
Die Kinder kommen aus schwierigen Familienverhältnissen und finden in dem Wohnprojekt Schutz und Sicherheit, aber auch intensive Förderung und Begleitung in ihrer Entwicklung. „Wenn die Kinder später die Wohngruppe verlassen und in die Selbständigkeit gehen, in eine eigene Wohnung oder eine Wohnung eines Trägers, sollen sie keinen Betreuerabbruch hinnehmen müssen. Unsere Wohngruppenbetreuer arbeiten deshalb auch ambulant“, erläutert Ortrud Freitag.
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