Nichts ist mehr wie es mal war

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Das Leben von Bianka Nielsen hat sich mit dem Schlaganfall verändert. Heute schöpft sie Kraft und Mut i, indem sie anderen Betroffenen hilft.

Bianka Nielsen: Leben nach dem Schlaganfall

Von Nicole Kuchenbecker
Rahlstedt. Rund 270 000 Menschen erleiden jährlich einen Schlaganfall in Deutschland. Die Rahlstedterin Bianka Nielsen ist eine von ihnen. Eine gesunde Lebensweise, die Früherkennung und Kontrolle von Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Vorhofflimmern können das Risiko an einem Schlaganfall zu erkranken, minimieren. Der Tag des Schlaganfalls am 10. Mai steht daher in diesem Jahr ganz im Zeichen der Vorsorge. So hatte sich Bianka Nielsen ihr Leben nicht vorgestellt. Die Leiterin einer Bäckerei fuhr mit ihrem Auto von ihrer Arbeitsstelle nach Hause. Schon auf dem Weg war ihr übel gewesen.
Sie verlor das
soziale Umfeld
Aber sie schob alles darauf, dass sie an dem Tag nichts oder nur wenig gegessen hatte. Im Badezimmer versagten dann plötzlich ihre Beine. Sie fiel um, schlug mit dem Hinterkopf auf die Badewanne. Was dann passierte, weiß die heute 65-jährige Rahlstedterin nicht mehr. Nur, dass sie im Krankenhaus erwachte und sich nicht mehr bewegen konnte. Die Diagnose: Schlaganfall mit einer halbseitigen Lähmung in Arm und Bein. „Ich sollte im Krankenhaus aufstehen“, erinnert sich Bianka Nielsen, „aber ich konnte nicht. Ich konnte auch nicht richtig sprechen. Ich wusste nicht, was mit mir passiert war.“ Das war 1997. Sie erlitt erst einen „kleinen“ Schlaganfall; ein Jahr später einen „großen“. Seit dieser Zeit ist nichts mehr so wie es mal im Leben der Powerfrau war.
Sie verlor ihren Mann, den Job, das soziale Umfeld. „Freunde haben sich distanziert“, sagt sie heute, „ich könnte ja Hilfe brauchen.“ Das schreckte ab. Bianka Nielsen ist auf den Rollstuhl angewiesen, mit Hilfe kann sie ein paar Schritte gehen. Ihr Sprachvermögen ist zurück; nur die Aussprache von einigen Wörtern ist ihr nicht mehr möglich. Und sie vergisst Dinge. An das Jahr ihrer Erkrankung erinnert sie sich nur verschwommen.
Bianka Nielsen hat nie aufgegeben. Sich und auch andere vom Schlaganfall Betroffene nicht. 2003 schloss sie sich einer Selbsthilfegruppe in Farmsen an; 2004 rief sie ihre eigene Gruppe in Rahlstedt ins Leben. Ihre Schlaganfall-Selbst-Hilfe-Gruppe „Lange Aktiv Bleiben“ hat heute 32 Mitglieder im Alter zwischen 53 und 77 Jahren. „Wir sind sehr aktiv“, sagt sie. Einmal im Monat treffen sie sich bei Kaffee und Kuchen, machen Gedächtnistraining oder spielen Gesellschaftsspiele miteinander. Gemeinsam unternehmen sie auch Ausflüge ins Kino oder Theater; gehen auf Hafenrundtour oder schippern über die Alster. „Das ist sehr schön“, sagt die Selbsthilfegruppen-Leiterin – und es gibt ihrem Leben einen Sinn. Nielsen: „Wenn man mich braucht, bin ich da.“
Ob sie den Schlaganfall hätte verhindern können? Bianka Nielsen weiß es nicht. Zu viele Zigaretten, beruflicher Stress und sieben Jahre lang keinen Urlaub zu haben, seien zumindest eine Menge Risikofaktoren, so Nielsen. Heute nimmt sie mehr Rücksicht auf ihre Gesundheit.

Informationen rund um das Thema Schlaganfall gibt es bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Hier gibt es auch den Kontakt zu Bianka Nielsens Selbsthilfegruppe in Rahlstedt. www.schlaganfall-hilfe.de
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