NS-Opfer: Jenfeld ohne Stolpersteine

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Gernot Ahrens aus Jenfeld „stolpert“ in Wandsbek über die von Astrid Louven erforschte Biografie der Familie Beith Foto: nik
 
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Von Nicole Kuchenbecker
Jenfeld
Sie glänzen und machen damit auf Schicksale aufmerksam, die direkt vor unseren Türen in unmittelbarer Nachbarschaft begannen. Stolpersteine – sie bringen uns nicht zum Stolpern, aber zum Hinsehen. Zum genauen Nachdenken. Doch wo sind die Stolpersteine von Jenfeld?

5.120 Stolpersteine in Hamburg

In Hamburg gibt es insgesamt 5.120 Stolpersteine, davon 212 im Bezirk Wandsbek. Im Stadtteil Wandsbek sind es 39, im angrenzenden Eilbek bereits 102 Namen, die auf den zehn mal zehn mal zehn Zentimeter großen Betonblöcken mit Messingplatte eingraviert sind. In Rahlstedt dagegen nur neun; in Bramfeld gerade mal sechs. Und Jenfeld? Darunter ist nichts im Archiv verzeichnet. Das mag daran liegen, dass es dort keine Juden, keine Verfolgten, keine Opfer der nationalsozialistischen Gewalttaten gab. „Oder aber, es hat sich noch niemand die Zeit genommen und sich die Mühe gemacht, ihre Namen ausfindig zu machen“, sagt Gernot Ahrens. Ahrens ist ein engagierter Bürger, wirkt aktiv an der Stadtteilkonferenz mit und lebt selbst in Jenfeld.

Gedenken an NS-Pogromnacht

Auch er hat bislang nicht in Jenfeld geforscht. Und das, obwohl er sich an der Aktion „Grindel leuchtet“ beteiligt und sie gemeinsam mit anderen initiierte und unterstützt. Seit 2013 leuchtet der Grindel am 9. November jährlich. Anwohner stellen für verschwundene Nachbarn brennende Kerzen zu den Stolpersteinen im Gedenken an ihr Schicksal. Eine Mahnung, die an die Schrecken der Progromnacht von 1938, in der es in Deutschland zu massiven Ausschreitungen gegen jüdische Menschen, Synagogen und jüdische Firmen gekommen war, erinnert.

Jeder kann mithelfen

Mit der hamburgisch-jüdischen Geschichte befasst sich auch Astrid Louven. „Meine Recherchen haben sich überwiegend auf frühere jüdische Bewohnerinnen und Bewohner Wandsbeks und Marienthals bezogen. Das heißt, die Namen müssen mir in den einschlägigen Archiven einmal begegnet sein, zum Beispiel, weil sie Mitglieder der jüdischen Gemeinde Wandsbek waren“, sagt die Lehrerin. Und genau mit so einer Recherche beginnt eine jede Geschichte eines verlegten Stolpersteines. Denn es sind die biografischen Daten, die in die Messingplatten eingraviert werden; die erinnern sollen. Diese Recherchen zu Opfern des Nationalsozialismus führen Geschichtswerkstätten aber auch Initiativen und Einzelpersonen durch. In Hamburg übrigens seit 2002. Ahrens geht auf Spurensuche in Wandsbek und „stolpert“ an der belebten Wandsbeker Marktstraße 20-22 über die Familie Beith. Deren Leben und Schicksal ist auf Astrids Louvens Homepage eindrucksvoll und ausführlich dokumentiert. Sie ist auch auf dem offiziellen Internetauftritt zu „Stolpersteine in Hamburg“ nachzulesen – wie so viele andere auch. Das Nachlesen lohnt sich.

Weitere Infos: Stolpersteine in Hamburg und Recherchen von Astrid Louven

Info und Kontakt

Warum hat Jenfeld keine Stolpersteine? Wissen Sie von einem Schicksal einer jüdischen Familie in Jenfeld, die Opfer des Nationalsozialismus wurde? Das Hamburger Wochenblatt sucht Menschen, die sich zu dieser Thematik in Jenfeld aber auch Rahlstedt, Bramfeld oder auch Farmsen engagieren. Setzen Sie sich mit uns in Verbindung.

Adresse: Curslacker Neuer Deich 50, 21029 Hamburg

E-Mail: wbv.redaktion@hamburger-wochenblatt.de

Telefon: 040/554 47 27 37

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