„Öko“ ist schwierig

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Die Kapelle des Rahlstedter Friedhofes hat Solarzellen auf dem Dach Foto: Glitz

Klimaprojekt am Friedhof stottert – aber geht weiter

Von Rainer Glitz
Rahlstedt
„In der Form würde ich es nicht wieder machen“, sagt Friedhofsverwalter Matthias Habel. Gemeint ist das „Zuhausekraftwerk“ des Anbieters Lichtblick im Keller des Gebäudekomplexes aus Kapelle und Büros. Es liefert Wärme und Strom – wenn es funktioniert. Seit vier Wochen ist das leider nicht so. Kühlmittel lief aus, die Abgasanlage ging kaputt, die Ersatzteile fehlen. Mit elektrischen Heizpatronen werden die Warmwasserspeicher im Keller derzeit betrieben. „Da wird der Ökogedanke natürlich ad absurdum geführt“, sagt Habel. Statt „Rundum-sorglos-Paket“ habe die Anlage immer wieder Probleme gebracht und er viel mit Lichtblick telefonieren müssen. Immerhin: Die Kosten für die Techniker übernimmt der Anbieter. Und: „Wir haben nicht gefroren“, so der Verwalter. Immerhin sei die Anlage deutlich leiser als die alte Heizung.

Gärtnerei mit Ökogas


„Wenn man es nicht wagt, dann macht es keiner“, ist Matthias Habel vom Öko-Engagement des Friedhofes überzeugt. Der Vertrag in Sachen Kraft-Wärme-Kopplung laufe zehn Jahre, und er werde ihn nicht kündigen. Problemlos funktioniert dagegen die Produktion von Solarstrom auf dem Kapellendach. Ebenfalls gut für die direkte Klimabilanz: Gärtnerei und Sozialräume des Friedhofes werden seit Kurzem mit Ökogas betrieben. „Es war gar nicht so leicht, einen Anbieter zu finden“, sagt der Friedhofsverwalter. Bei dem Münchener Anbieter Polarstrom wurde er fündig: 100 Prozent Ökogas, erzeugt aus Ernteresten. Das Gebäude mit den Sozialräumen platze allerdings bei mittlerweile 30 Mitarbeitern aus allen Nähten, der Energiestandard des alten Flachbaus sei schlecht.
Ziel ist deshalb der Abriss in den kommenden Jahren und die Errichtung eine Passivhauses, Kostenpunkt: Rund 600.000 Euro. Bis dahin könnte auch das letzte der insgesamt 14 Fahrzeuge auf dem 8,5 Hektar großen Gelände elektrisch betrieben sein. Derzeit fahren noch drei mit Benzin. Weiterer Vorteil: Die Fahrzeuge sind leise – „und unterm Strich sogar günstiger“, erklärt Mattias Habel. Einen elektrischen Friedhofsbagger aber gebe es schlicht und einfach noch nicht. Wohl aber einen Elektro-Laubbläser, und der ist, nahezu geräuschlos, schon im Herbsteinsatz. „Der Weg zum klimaneutralen Friedhof ist schwieriger als gedacht, aber wir geben nicht auf“, so Habels trotzige Ansage. Die letzten Prozentpunkte bis zum Ziel seien kniffliger als der Anfang, aber die Grundeinstellung bei den Mitarbeitern sei vorhanden. Künftig müssten dann auch die Lieferanten in Sachen Ökologie nachziehen.
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