Offensive in der Einbruchs-Saison

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Regina Egolf aus Ohlsdorf, 64: „Ich habe schon zweimal die Polizei wegen Autoaufbrüchen in meiner Nachbarschaft gerufen. Einmal haben sie die Täter gefasst. Ich habe nur wenig Wertgegenstände im Haus und versuche nur wenig Anreize für Einbrecher zu geben.“
Die Hamburger Polizei geht im Kampf gegen Einbrecher in die Offensive. Mit einer neuen Kampagne wollen die Ermittler zu Beginn der Einbruchs-Saison Hausbesitzer aufklären und Anwohner sensibilisieren. „Die Einbruchszahlen steigen bereits seit Oktober“, sagt Jörg Schröder, Sprecher der Polizei Hamburg. Mit einem Mix aus Aufklärung, Prävention, finanzieller Förderung und neuen Ermittlungsmethoden wollen die Ermittler im ungleichen Kampf gegen Einbrecherbanden wieder Boden gutmachen. Vor allem in Hamburgs Randgebieten im Osten und Norden gibt es viel zu tun. Seit Jahren steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche von Rahlstedt über die Walddörfer bis nach Langenhorn, die Aufklärungsquote dagegen sinkt in vielen Gebieten. In einigen Stadtteilen fiel sie im Juni zuletzt auf Null. Keiner der 26 Einbrüche in Lehmsaal-Mellingstedt von Januar bis Juni wurde aufgeklärt. Trotz höherer Aufklärungsquote in Rahlstedt und Langenhorn, bleibt auch hier das Gros der Einbrüche unaufgeklärt. Von 261 Einbrüchen wurden 2014 in Rahlstedt 23 aufgeklärt, das entspricht einer Quote von 8,8 Prozent. Langenhorn kommt auf neun Prozent.

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Früher 110 wählen

Ziel der neuen Kampagne ist, dass Anwohner wachsamer werden und schneller den Notruf der Polizei (110) wählen, wenn sie etwas Verdächtiges sehen. So kann es helfen, sich das Kennzeichen eines fremden Pkw zu notieren, wenn dieser schon dreimal die Straße hoch und runter gefahren ist. Auch fremde Personen in Nachbarsgärten sind ungewöhnlich. Die Hemmschwelle in solchen Fällen den Notruf zu wählen ist laut Polizei jedoch noch viel zu hoch. Dabei ist ein Fehlalarm kein Missbrauch und wird nicht bestraft. „Wir kommen lieber einmal zu viel als einmal zu wenig“, sagt Jörg Schröder. Zur neuen Strategie gehört auch, wachsame Zeugen auszeichnen. So ein „Polizei-Oscar“ könnte nicht nur an Menschen gehen, die einen Einbruch verhindert haben, sondern auch an Zeugen, die beispielsweise einen fremden Fußabdruck mit einem Eimer schützen bis die Polizei kommt oder den Tatort absperren.

Selbstschutz meist effektiver

Trotz der neuen Offensive wollen sich Hausbesitzer oft lieber selbst schützen. Bei Befragungen in Rahlstedt, Volksdorf und Langenhorn haben Anwohner von versuchten Einbrüchen bei sich oder in der Nachbarschaft erzählt. Häufig scheiterten die Täter an einer gut gesicherten Eingangs- oder Terrassentür. Das bestätigt auch die Polizei. In rund 40 Prozent der Fälle bleibt es bei einem Einbruchsversuch. Als Faustregel in der Branche gilt: Wer nach fünf Minuten nicht drin ist, gibt auf. Die Bundesregierung will den Einbau von Einbruchschutzmaßnahmen in Zukunft fördern. Der Haushaltsausschuss hat im Mai dafür 30 Millionen Euro bewilligt. Aus Berlin heißt es: "Die geförderten Maßnahmen werden weitestgehend mit den bereits jetzt im KfW Programm „Altersgerecht Umbauen“ geförderten Maßnahmen identisch sein. Der Einbau muss stets mindestens von einem Fachunternehmen durchgeführt werden, damit die Wirksamkeit der einbruchhemmenden Maßnahme sichergestellt ist."
Neben stabilen Riegeln in Türen und Fenstern ist auch das eigene Verhalten wichtig. Ein gekipptes Fenster wirkt beispielsweise wie eine Einladung auf Einbrecher. Auch Haustüren sollten nie einfach nur zugezogen, sondern immer abgeschlossen werden. Die Polizei klärt an der Caffamacherreihe Privatpersonen zum Thema Einbruch auf. Dabei wird Besuchern auch eindrucksvoll gezeigt wie leicht es Einbrechern oft gemacht wird. Termine unter 040-428 67 07 77.
Von eigenen Bürgerwehren wie sie kürzlich in Wentorf, nahe Hamburg, nach einem Einbruch gegründet wurde, hält man in Hamburgs Nordosten eher wenig. Zwar sollten Anwohner untereinander in Kontakt bleiben und sich gegenseitig warnen, eigene Streifendienste wollen sie aber nicht. Davon rät auch die Polizei ab. Die Kriminalität würde sich nur verschieben, zudem sei jede Konfrontation mit Tätern sehr gefährlich und daher zu vermeiden.

Soko mit neuen Ermittlungsmethoden

Neue Wege im Kampf gegen Einbrecher geht auch die Hamburger Sonderkommission (Soko) „Castle“. Die Ermittler nehmen seit August die Profis unter den Einbrechern ins Visier – und können dabei auch ungewöhnliche Erfolge vorweisen. So wurde im Oktober ein Einbrecher-Duo in Hamburg auf frischer Tat ertappt, nachdem Ermittler der Soko den Tatort vorausgesagt hatten. Das „Castle“-Team besteht aus Analysten, die zuvor bei der Mordkommission oder bei der Fahndung von Sexualstraftätern eingesetzt waren. Sie untersuchen die Tatorte und stellen anhand der Spuren Thesen über künftige Verbrechen auf. Und Durchgreifen kann „Castle“ auch: Erst in der vergangenen Woche wurden bei einer Groß-Razzia acht einschlägig bekannte Treffpunkte von Einbrecherbanden in ganz Hamburg durchsucht, zwei Personen wurden festgenommen.
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