Perspektive für Lackfabrik

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Rund 50 Personen sind in der Bürgerinitiative organisiert, die sich hier mit Buschhüter versammelt haben.Foto: Bätz

Wohnungen sollen auf dem Gelände entstehen

Von Hubert Bätz
Rahlstedt. Seit Jahren vergammelt die ehemalige Lackfabrik „Arostatal, Norddeutsche Lackfabrik Max Lichtenberg & Co. (GmbH & Co.) zwischen den Straßen Altrahlstedter Kamp und Wandseredder, direkt an der Wandse. Jetzt endlich soll es nach Angaben des Rahlstedter SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Ole Thorben Buschhüter für das Gift verseuchte Grundstück und Gemäuer eine Perspektive geben. Hier sollen nach einen kürzlich genehmigten Bauvorbescheid nach einer Bodensanierung drei Einzelhäusern mit je fünf Wohnungen gebaut werden. Dies erfuhr der Bürgerschaftsabgeordnete durch eine „Kleine Anfrage“ an den Senat. Buschhüter: „Seit über sieben Jahren steht die Fabrik nach einem Konkurs und einem Brand leer, ich freue mich, dass die Bodensanierung hier endlich greifbar wird“. Mit dem Abgeordneten freuen sich viele Nachbarn des Geländes, die seit Jahren in der Bürgerinitiative „Interessengemeinschaft Arostal-Lackfabrik“ organisiert sind. Buschhüter hatte diese Initiative von Anfang an unterstützt, seit zweieinhalb Jahren beschäftigt er sich mit der Lackfabrik und der Bodenverseuchung (wir berichteten). Bitte lesen Sie weiter auf Seite 3.
Er recherchierte und brachte Nachbarn und die Vertreter der Grundeigentümer , eine Erbengemeinschaft, der Lackfabrik zusammen. Zehn „Kleine Anfragen“ Buschhüters in der Hamburger Bürgerschaft förderten bis heute Unbekanntes über hier schlummernde Altlasten zu Tage. So kam heraus, dass das ehemalige Betriebsgelände mit aromatischen und Mineralöl-Kohlenwasserstoffen,- darunter das Krebs erregende Benzol -, sowie mit Schwermetallen belastet ist. Anwohner Ralph Miller wies das Wochenblatt auf mehrere Krebsfälle in unmittelbarer Nachbarschaft der früheren Lackfabrik hin . Bereits 2006 hatte die Umweltbehörde die Sanierung des Grundstücks angeordnet, rückte aber kurze Zeit später wieder davon ab. Zwei Gründe dafür waren wohl maßgeblich: Zum Einen, dass nach dem Konkurs der Lackfabrik unklar war, wer finanziell für die Sanierung des Geländes aufkommen sollte, die Erbengemeinschaft, oder Stadt und Steuerzahler, zum Anderen bestand laut der Behörde damals, trotz der bereits festgestellten Verunreinigung (Gutachten), solange kein Handlungsbedarf, wie die vorhandene alte Bebauung „als ausreichender Sicherungseffekt einen wasserlöslichen Austrag der Schadstoffe verhindert“. Dies galt, solange es keine Nutzungsänderung des Grundstückes gab. Dies ändert sich jetzt mit dem Bauantrag. Nun hat die Umweltbehörde Forderungen zur Sanierung des Grundstücks gestellt. Eine Bodensanierung des Grundstückes ist durch das Bauvorhaben, z.B durch den Aushub von Erde für eine Tiefgarage, etc., notwendig, überdies auch deshalb, weil erneute Messungen 2010 deutlich erhöhte Messwerte von Giftstoffen im „Stauwasser auf dem Grundstück ergaben“ .In der Nähe der Wandse waren sie damals sogar leicht erhöht. Im Gewässer selbst, im Grundwasser und auch in einem Brunnen, konnten allerdings damals keine Schadstoffe ermittelt werden. Die Kosten einer Sanierung betragen nach Schätzung der Umweltbehörde jetzt rund 100.000 Euro. Buschhüter gegenüber dem Wochenblatt: „Eine Schätzung der endgültigen Gesamtkosten einer Bodensanierung auf dem Gelände der früheren Lackfabrik ist allerdings derzeit nicht möglich, weil das Gesamtausmaß der Bodenverunreinigung noch nicht völlig bekannt ist. Weitere Bodenuntersuchungen müssen die Grundeigentümer im Rahmen des geplanten künftigen Abrisses leisten“. Das Betriebsgelände der früheren Lackfabrik wird im Altlastenhinweiskataster Hamburgs als Altlast geführt. Die Lackfabrik wurde zwischen 1909 und Ende 2004 betrieben. Zuvor befand sich dort die nach neuesten Erkenntnissen des Arbeitkreises Geschichte des Rahlstedter Kulturvereins e.V. eine, sogar schon 1309 erstmals urkundlich erwähnte Wassermühle an dieser Stelle. Aufgrund der historischen Bedeutung signalisierte deshalb auch die archäologische Denkmalpflege ein grundsätzliches Interesse an dem Grundstück. Buschhüter allerdings meint, dass angesichts der dort schlummernden Gifte das Grundstück mit seinen Gebäuden kaum in seiner jetzigen Form Bestand haben kann.
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