Protest gegen Hegholt-Plan

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Anwohner: Schon vor 13 Jahren gegen Neubauten gewehrt. SPD beschwichtigt

Von Tanja Sobersko
Wandsbek / Bramfeld. In der Siedlung Hegholt ist noch Platz für weitere 300 Wohneinheiten. Dies hatte das Gutachterteam im Bezirksamt Wandsbek Anfang August unter dem Stichwort Nachverdichtungspotenzial für verschiedene Siedlungsareale der fünfziger und sechziger Jahre ausgeguckt. Jetzt formiert sich der Widerstand unter Anwohnern, auch CDU, FDP und Linke, üben Kritik. Die SPD versucht zu beruhigen.

Anwohner alarmiert


Wie viele Wohneinheiten am Hegholt genau entstehen könnten, ist noch nicht klar. „Das ist abhängig von der angestrebten Wohnungsgröße, aber auch davon, wie viele der möglichen Potenziale später wirklich umgesetzt werden“, so Janine Schneider vom Bezirksamt Wandsbek. Auch wenn noch nicht klar ist, wann und wieviel gebaut wird, sind die Anwohner hochgradig alarmiert. Unter ihnen Heinz Gentzen, der bereits seit über 30 Jahren in der Siedlung Hegholt wohnt. „Vor 13 Jahren war schon mal so eine Nachverdichtung angedacht“, empört sich der ehemalige Handwerker. „Da habe ich den damaligen Stadtentwicklungssenator Mirow persönlich in meine Wohnung gebeten und habe ihm beim Blick aus dem Fenster gezeigt, dass wir hier weder die Sonne noch den Himmel wieder zu sehen kriegen, wenn vor unserer Tür Neubauten hinzukommen.“ Der streitbare Anwohner ist fest zu neuem Protest entschlossen, sollte eine Nachverdichtung ernsthaft geplant werden. Olaf Böttger, CDU, Bezirksabgeordneter im Regionalausschuss Bramfeld, Steilshoop, Farmsen und Berne dazu: „Ich halte Bürgerproteste grundsätzlich für sehr wichtig. Und ich bin grundsätzlich der Auffassung, dass man nicht jedes erkannte Baufeld im Bezirk bebauen sollte“. Ungewohnte Einigkeit herrscht in diesem Fall mit der Linken. Anke Ehlers von der Partei Die Linke hält in Bramfeld eine Nachverdichtung am Hegholt nicht für vertretbar: „Dies bestätigen Gespräche mit Anwohnerinnen und Anwohnern. Eine entsprechende Infrastruktur ist dafür so nicht vorhanden. Mehr Wohnungen bedeuten mehr Verkehr, der Parkdruck ist jedoch bereits jetzt schon hoch“.

Alternative für Bauten?
FDP bringt Gewerbegebiet ins Gespräch


Jürgen Scheffer, FDP, Fachsprecher seiner Partei im Regionalausschuss Bramfeld-Farmsen-Berne-Steilshoop geht konform: „Eine Nachverdichtung im Inneren des Hegholts lehnt die FDP ab, sie würde dem harmonischen Charakter des Quartiers sehr abträglich sein. Am Rande mag es die eine oder andere kleine Fläche geben, auf der klein und in Akzeptanz durch die Anwohner gebaut werden könnte, aber bitte keine Nachverdichtung mit der Brechstange“.

Gewerbegebiet bebauen?


Einen gewissen Raum sieht der liberale Politiker im Bereich der Bannwarthstraße und Haldesdorfer Straße. Hier handele es sich allerdings um ein Gewerbegebiet, größtenteils auf dem Gebiet des Otto-Versands. Jürgen Scheffer hat schon konkrete Vorstellungen: „Hier könnte eine Sondierung des Oberbaudirektors nützlich sein. Der Bebauungsplan, zur Zeit Gewerbegebiet, müsste auf jeden Fall geändert werden.“
Die SPD bezieht ebenfalls sehr konkret Stellung. Dazu Rainer Schünemann, Stadtplanungsexperte der Wandsbeker SPD-Fraktion: „Wichtig dabei: Die im Gutachten des Bezirks dargestellten Vorschläge stellen theoretische Bebauungsmöglichkeiten der Einzelflächen dar. Bei einer konkreten Planung wird natürlich auch die gesamte Siedlung betrachtet. Dabei werden wir nicht zulassen, dass die Bewohner durch plötzliche Baugenehmigungen in ihrem Wohnumfeld überrascht werden. Die Eigentümer, in erster Linie die SAGA GWG, werden mit ihren Mietern sprechen müssen, um sie zu informieren und sie an der Umsetzung zu beteiligen.“ Bisher gingen keine Informationen an die Mieter, die aus dem WochenBlatt erfuhren, dass erneut laut über eine Nachverdichtung am Hegholt nachgedacht wird. (ts)
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