Proteste gegen Bettelampeln in Hamburg

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Viele Ampeln an Kreuzungen verfügen zwar über einen Anforderungstaster, sind aber auf Dauerbetrieb geschaltet. Eine Berührung ist nicht notwendig Foto: Menzel

In Wandsbek kommen die Ampeln, die nur auf Knopfdruck reagieren, auf den Prüfstand

Von Siegmund Menzel
Wandsbek
Sogenannte „Bettelampeln“, an denen Fußgänger und Radfahrer nur „Grün“ erhalten, wenn sie den Taster am Ampelmast berühren, stehen in Wandsbek auf dem Prüfstand. Zu den Gegnern gehört zum Beispiel Horst Palzer aus dem Max-Herz-Ring, der sich in einer Eingabe vom 30. Juni 2016 für die Demontage aller „Bettelampeln“ an Kreuzungen in Hamburg ausspricht. Sie würden den nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer benachteiligen. Es gehe um die Gleichbehandlung, Radfahrer möchten auch zügig vorankommen. Hamburg wolle immerhin Fahrradstadt werden, betonte der 80-Jährige kürzlich während einer Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses der Bezirksversammlung Wandsbek.

Bürger-Beschwerden häufen sich


Immer mehr Bürger beschweren sich. Die Linksfraktion der Bezirksversammlung fordert die umgehende Abschaffung, weil „Bettelampeln“ Fußgänger und Radfahrer „zu Verkehrsteilnehmern zweiter Klasse machen“. Die SPD und die Grünen haben beim jüngsten Regionalausschuss Bramfeld-Farmsen-Berne eine Änderung beantragt. Die CDU-Bezirksfraktion stellte bei der Sitzung des Wirtschafts- und Verkehrsausschusses den Antrag, die tatsächlichen Zeitgewinne des Autoverkehrs und die Nachteile abzuwägen, um über das weitere Vorgehen diskutieren zu können. So sollte ein Referent der zuständigen Behörde die Vor- und Nachteile von „Bettelampeln“ darlegen. Lars Kocherscheid-Dahm (SPD) unterstützte den Antrag, forderte jedoch, dass bei der Fragestunde auch Themen wie Geschwindigkeitsbegrenzung in der Nacht und Parkverbote für Lastkraftwagen in Wohngebieten erörtert werden. Zugleich verwies er auf den Rückgang von Anforderungsampeln, es werden „nach und nach immer weniger“. Sandro Kappe (CDU) nahm den Faden auf und wundert sich, dass angesichts der kritischen Diskussion eine weitere Ampel auf das Betteln der „Grünphase“ umgestellt werden soll. Dabei handelt es sich um die Kreuzung Tonndorfer Hauptstraße/Jenfelder Allee. Es sind Signalprogramme vorgesehen, an denen der Fuß- und Radverkehr nicht immer automatisch mit dem parallelen Kfz-Verkehr „Grün“ erhält, wie die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) auf Anfrage der CDU-Fraktion mitteilte.

Behörde verweist auf Busbeschleunigung

Die Behörde nahm auch Stellung zur Eingabe von Horst Palzer: Nach Angaben der BWVI dienen viele der derzeitigen Schaltungen in den Bereichen des Bezirks Wandsbek auch der Busbeschleunigung. Bei geringen Fußgängerzahlen könnten nicht erforderliche Grün-Zeiten anderen Verkehrsteilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Jede Kreuzung habe andere Bedarfe und sei als Einzelfall zu betrachten.
Die Behörde wäge die Belange aller Verkehrsteilnehmer ab, so dass eine grundsätzliche Aussage zur Reduzierung der Anzahl von Anforderungsschaltungen nicht getroffen werden kann.
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2 Kommentare
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Klaus Sebaldt aus Barmbek | 07.09.2016 | 20:46  
96
Thea Bangen aus Dulsberg | 08.09.2016 | 13:26  
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