Prozessbeginn: Tödlicher Unfall in Tonndorf

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Der angeklagte Feuerwehrmann vor dem Landgericht. Foto: dpa

Busfahrer belastet Feuerwehrmann

Von Marco Thielcke
Tonndorf. Zweiter Verhandlungstag am Landgericht Hamburg gegen Feuerwehrmann und Unfallfahrer Andre K. (28). Auf einer Einsatzfahrt Richtung Steilshoop am 6. Juli vergangenes Jahr rammte das Löschfahrzeug der Feuerwehr einen Linienbus als es mit Sirene und Martinshorn bei Rot über eine Kreuzung fuhr. Bei dem schweren Verkehrsunfall starben zwei Businsassen, 23 wurden zum Teil schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-jährigen Angeklagten fahrlässige Tötung in zwei Fällen und fahrlässige Körperverletzung in 23 Fällen vor. Zentrale Fragen des Verfahrens sind, wann Andre K. der am Steuer des Einsatzfahrzeuges saß das Martinshorn zuschaltete und mit welcher Geschwindigkeit er in den Kreuzungsbereich an der Stein-Hardener-Straße einfuhr. Verletzte Andre K. seine Sorgfaltspflicht?

Die Aussage des Fahrers des, am Unfall beteiligten Linienbusses unterstützt nun die Vorwürfe der Anklage. Der 37-Jährige Busfahrer gab an, das Martinshorn erst kurz vor der Kollision wahrgenommen zu haben. "Tatütata, und Krach. Die Zeit war zu kurz", beschreiben Businsassen die Sekunden vor der Kollision. Die Anklage hatte anfangs auch den Busfahrer im Visier. Das Verfahren wurde allerdings nur gegen den Feuwehrmann eröffnet, da ein neues Gutachten zur Hörbarkeit des Martinshorns den Busfahrer entlastete. An den kommenden Verhandlungstagen sollen noch weitere Zeugen gehört werden. Unter ihnen sind vor allem Insassen des Buses in dem die meisten der Verletzten saßen.

Diese Fragen sollen an zehn Verhandlungstagen bis zum 12. September geklärt werden. Der junge Feuerwehrmann schweigt zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. „Ihn belastet das derart stark, dass ihm eine Aussage nicht empfohlen werden kann“, erklärt sein Verteidiger. Außerdem kann er sich an die Zeit kurz vor dem Unfall nur sehr wenig erinnern. Erinnerungslücken die direkt mit der Kollision im Zusammenhang stehen, so sein Anwalt weiter.
Klar ist, die Kreuzung ist kein Unfallschwerpunkt, stellt ein Beamter vom Verkehrsunfalldienst klar. Die Sicht wird in der nahen Umgebung auch nicht eingeschränkt.
Unter den Verletzten waren auch die Feuerwehrmänner, die in dem Unfallfahrzeug mitfuhren und nun als Zeugen vor Gericht auftraten. Viele von ihnen waren für Wochen dienstunfähig und mussten nun die Fragen der Staatsanwaltschaft beantworten. Ein Feuerwehrmann erklärt die Vorgehensweise: „Fährt man bei Rot auf eine Kreuzung zu, muss man die Geschwindigkeit so anpassen, dass man im Notfall vor der Kreuzung zum Stehen kommt.“ Auch diese Frage muss bis zum Urteil geklärt werden.
Andre K. will gefasst wirken, doch die Belastung ist nicht zu übersehen. Er schaut oft zu Boden. Sein Verteidiger zeigt auf Unfallaufnahmen seinen Mandanten, der trotz eigener Verletzung sofort die Erstversorgung von Businsassen durchführt. Auch am zweiten Verhandlungstag ist der Saal wieder voll von Feuerwehrkollegen. (mt)
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