Radfahrer verstärkt auf der Straße

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Mit Piktogrammen am Fahrbahnrand, wie hier am Hofweg, sollen Autofahrer nach Vorschlag der Grünen vor Radfahrern gewarnt werden, die erlaubterweise die Fahrbahn nutzenFoto: Gemeinholzer

Piktogramme sollen Autofahrer vor Radlern warnen / ADFC sieht Grünen-Vorschlag kritisch

Von Anne Gemeinholzer
Hamburg-Nord. Radfahrer auf der Fahrbahn führen noch ein Schattendasein. Viele Autofahrer sind irritiert, oftmals wird auch gehupt, gedrängelt oder überholt. Dabei ist das Fahrbahnradeln von der gesetzlichen Seite her inzwischen der Regelfall. Um das den Kraftfahrern klarzumachen, schlägt die Grünen-Bezirksfraktion Fahrrad-Piktogramme am Fahrbahnrand vor. Der ADFC Hamburg plädiert dagegen für verstärkte Aufklärung.
Obwohl schon seit einigen Jahren auch im Bezirk Nord für immer mehr Radwege die Benutzungspflicht aufgehoben wird, wissen viele Verkehrsteilnehmer darüber offenbar nicht Bescheid. Fakt ist: Radfahrer können, aber müssen seitdem nicht mehr auf Radwegen unterwegs sein, sondern können alternativ die Fahrbahn benutzen. Nur dort, wo blaue Schilder mit dem Fahrradsymbol die Benutzungspflicht anzeigen, muss der Radweg genommen werden. Das ist meist bei vielbefahrenen Hauptverkehrsstraßen der Fall. Doch auch dort zeichnet sich ein Wandel ab: Zu Jahresbeginn wurde in Teilen der Fuhlsbüttler Straße und in der Drosselstraße in Barmbek die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben.
Kein Schilderwald
„Bei solchen Änderungen machen es andere Städte so, dass sie Schilder aufstellen – nach dem Motto ,Achtung Fahrradfahrer, bitte nicht umfahren!‘“, sagt Grünen-Verkehrsexperte Martin Bill. „Wir wollen aber den Schilderwald nicht noch mehr zustellen und schlagen deshalb vor, Piktogramme auf der Fahrbahn aufzubringen.“ – „Dass Fahrradfahrer auch auf der Fahrbahn fahren dürfen, ist weit verbreitet. Das zentrale Problem ist die Unwissenheit der Verkehrsteilnehmer darüber, wie die Dinge liegen – in Zusammenhang mit Rechthaberei“, erklärt Jörg Lewin (SPD). Rüpelhaftes Verhalten gebe es aber nicht nur unter Autofahrern: „Wir haben nicht nur Autofahrer, die schimpfen und hupen, sondern auch Radfahrer, die auf die Motorhauben hauen, wenn sie nicht vorbeikommen.“ Mit Schildern könne man dem Problem wohl kaum beikommen, so Lewin. „Das lehnt die Polizei ja auch ab.“ Aber es habe bereits Signale von der Verkehrsbehörde gegeben, dass die Idee mit den Piktogrammen eine gute Möglichkeit sein könne. Noch offene Fragen bei der Finanzierung sah die FDP-Fraktion. „Die Frage, was uns die Piktogramme kosten, sollte auch beachtet werden“, meinte Jan Tobias Behnke. Der Grünen-Antrag wurde daraufhin zur weiteren Beratung in den Verkehrsausschuss überwiesen.
Besser Aufklärung
Der ADFC Hamburg sieht Piktogramme nicht als die ideale Lösung an. Denn sie würden – im Gegensatz zu Schildern – nicht nur während einer Übergangszeit über Veränderungen aufklären, sondern wären dauerhaft vorhanden. „Eine solche Kennzeichnung entwertet unter Umständen den Normalfall Mischverkehr. Eine gute Kampagne zur Aufklärung der Situation wäre wünschenswerter“, sagt Andrea Kupke vom ADFC. Aus Sicht des ADFC ist das Fahrbahnradeln im Vergleich zur Radwegebenutzung sicherer, schneller und komfortabler. Die aktuelle Novelle der Straßenverkehrsordnung wurde daher begrüßt. „Auf der Fahrbahn sind Radfahrer im Blickfeld des motorisierten Verkehrs und können nicht übersehen werden“, so Andrea Kupke.
An Straßen mit viel Radverkehr, wie der Jarrestraße oder Gertigstraße in Winterhude, zeige sich, dass die Akzeptanz des Mischverkehrs mit steigenden Radfahrerzahlen wachse, so die ADFC-Vertreterin. „Dort haben sich alle aneinander gewöhnt, und es wird nicht gehupt.“ Zur Aufklärung soll auch eine Info-Veranstaltung am heutigen 23. April in Barmbek beitragen. Unter dem Titel „Radfahren auf der Straße?!“ werden ab 19 Uhr im Gemeindesaal, Tieloh 26, Experten vom ADFC, der Straßenverkehrsbehörde und vom Planungsbüro GGR darüber informieren, welche Vorteile das Fahrbahnradeln birgt, wo es überall möglich ist und was es für Autofahrer bedeutet.
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