Räder in Hamburg: Reparieren statt entsorgen

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Nicht mehr genutzte und defekte Räder werden markiert und später von der Stadtreinigung entsorgt Foto: kg
Hamburg: Helbingstraße 63 |

Stadtreinigung will brauchbare Fahrräder reparieren und wieder verkaufen

Von Karen Grell
Hamburg
Fahrräder, die ganz offensichtlich seit langer Zeit in der Stadt abgestellt und nicht mehr genutzt werden, erhalten von der Stadtreinigung immer erst einmal einen grellen, orangefarbenen Aufkleber mit dem Hinweis, dass dieses Fahrrad demnächst entsorgt wird, bevor dann die Mitarbeiter mit kleinen Lkw anrollen, um die Räder einzusammeln.

Brauchbare Räder reparieren


Bisher wurden die verlassenen Fahrräder, die man meist an den platten Reifen, Roststellen am Rahmen und Fahrradkörben voller Müll erkennt, einfach nur entsorgt. Schade, meinten viele Hamburger, denn oft fehlen bei diesen verwaisten Rädern gerade einmal der Sattel oder ein Lenker, um sie wieder fahrtüchtig zu machen. Mit einer kleinen Reparatur wären viele der kaputten Fahrräder wieder in einem Top-Zustand. Deshalb hat sich die Stadtreinigung jetzt dazu entschieden, die noch brauchbaren Exemplare zu reparieren und wieder zu verkaufen.

Wiederverkauf im Stilbruch


Mehr als eintausend Stück werden in den nächsten Tagen in ganz Hamburg eingesammelt und sollen nun erstmals in der Fahrradwerkstatt der Stadtreinigung auf dem Recyclinghof in Osdorf wieder einsatzbereit gemacht werden. In den Gebrauchtkaufhäusern „Stilbruch“ in Altona und Wandsbek können die reparierten Räder anschließend für wenig Geld gekauft werden. In der Stadt ist dadurch wieder Platz für das Abstellen von Fahrrädern entstanden, die wirklich einen Metall-Bügel zum Anschließen brauchen, und alle, die nicht so viel Geld für ein neues Fahrrad ausgeben wollen, profitieren ebenfalls von der Aktion. Warum die Stadt überhaupt so überfüllt ist mit verlassenen Rädern, können sich die Anwohner in den Stadtteilen auch nicht erklären. „Ob die Leute einfach vergessen, dass sie ein Fahrrad haben oder zu faul sind, es abzuholen“, fragt sich auch Etienne (9), der immer besonders gut auf sein Fahrrad aufgepasst hat, das jetzt trotzdem gestohlen wurde. „Mir sind jetzt bereits drei Räder geklaut worden“, ärgert sich der Grundschüler, der bis heute in den umliegenden Straßen nach seinem geliebten Fahrrad sucht. Das nächste wird er dann vielleicht auch lieber gleich gebraucht kaufen.

Startschuss für Fahrrad-Aktion gestartet


Umweltsenator Jens Kerstan und der Geschäftsführer der Stadtreinigung Holger Lange haben in dieser Woche den Startschuss für das neue Projekt gegeben und sowie die ersten Räder in Ordnung gebracht wurden, können alle, die gerade dringend ein Fahrrad brauchen, bei Stilbruch vorbeikommen. „Ich finde die Idee toll“, meint auch Etienne, der nun hofft unter den reparierten Rädern auch eins für sich zu finden.

Weitere Infos: Stilbruch
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