Rahlstedt neu entdecken

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Das alte Häuschen ist von Büschen fast vollkommen zugewachsen Foto: Joanowitsch
 
Katharina Joanowitsch, Vorsitzende des Kulturwerk Foto: wb

Aktion des Kulturwerks läuft noch bis Ende Oktober. Wie die Vorsitzende „reiste“

Hamburg-Rahlstedt Noch bis Ende Oktober läuft die Aktion „Rahl-
stedt neu entdecken - entschleunigt durch den Stadtteil reisen.“ Veranstalter ist der Verein Kulturwerk Rahlstedt. Die Bürger sind aufgerufen, bei einem bewusst langsamen Gang durch den Stadtteil bisher Unbekanntes, Ungesehenes oder wenig Beachtetes zu erleben und zu entdecken und ihre Eindrücke zu dokumentieren - in Form von Fotos, Tonaufnahmen, Zeichnungen, Filmen. Die entstandenen Dokumente werden bis Jahresende ausgestellt.
Pate bei der Aktion stand der englische Reiseschriftsteller, Dan Kieran. Der Experte für Slow Travelling empfiehlt: „Behandle dein Zuhause mit der Geisteshaltung eines Reisenden“ – auch in Rahlstedt.
Katharina Joanowitsch, die Vorsitzende des Kulturwerk Rahlstedt hat es ausprobiert. Hier ihre Erfahrungen:

Entdeckung!

Das Wetter verlockt zu einem Spaziergang, rasch schnüre ich meine Schuhe, werfe mir die Tasche um und los geht‘s. Im Gepäck: Neugier und ein kleines Diktafon. Im Sinn: die Behauptung, dass es hier irgendwo ein Bauwerk, ein altes Klohäuschen geben soll, von dem ich nur weiß, dass es mir in den 21 Jahren, die ich bereits hier lebe, nicht aufgefallen ist. Doch gemach, nicht zu zielstrebig! Schließlich will ich ja „entschleunigt durch den Stadtteil reisen“, wie es das Projekt des KulturWerks Rahlstedt empfiehlt. Zunächst biege ich in die Wilhelm-Grimm-Straße, vorbei am schrägen Dreieck der Neuapostolischen Kirche mit ihrem durchbrochenen Beton-Ornamentgeflecht. Gleich daneben ermuntert Wildwuchs zum neugierigen Blick auf das kleine Backsteinhaus rechts am Eingang zum Liliencron-Park, dessen Sonnengiebel unsere Tochter als Kind in Begeisterung versetzte. Die Sonne ruft „Hallo Kinder“ (mit einem umgekehrten N) und strahlt wie eh und je Gelb auf Hellblau. Braungescheckte Hühner scharren emsig am Fuße der knorrigen Eiche. (die waren mir bisher nie aufgefallen!) Ein Zaun begrenzt links den Weg zum Bach hin, dahinter fallen mir plötzlich Fetzen von Graffiti auf, die aus dem Gebüsch hervorleuchten. Wo Graffiti sind, muss es eine Fläche geben, schließe ich messerscharf – und also betrete ich die Holzbrücke und lasse die Rasenfläche mit dem Liliencron-Denkmal rechts liegen. Lesen Sie weiter auf Seite 3In der träge fließenden Rahlau rostet ein Einkaufswagen vor sich hin. Seiner Bestimmung zum Hohn, frische Waren geschützt und sauber zu transportieren, hat sich allerlei Unrat in seinen Gittern verfangen. Welch treffende Allegorie der Konsumkritik, geht es mir noch durch den Kopf. Im Hintergrund zischt der Verkehr der Rahlstedter Straße vorbei. Jetzt entdecke ich im Gebüsch die Ecke eines Gebäudes. Eindeutig Backstein. Das muss es sein: das alte Klohäuschen. Vor meinem inneren Auge entstehen die freundlichsten Visionen. In saumseliger Stimmung unter hohen Bäumen einen Grauburgunder genießen, ein kleines Kulturcafé – träumen wir nicht schon lange davon?

Gelungene Umwandlung

Und gibt es nicht viele Beispiele in Hamburg von umgewandelten Klohäuschen? Die Alsterperle, ein Bistro, die Malschule im Innocentiapark. Neugierig dränge ich mich durch das Gestrüpp, und es gelingt mir, das Bauwerk zu umrunden. Acht Schritte längsseits, vier Richtung Rahlau. Ein graffitiübersprühter schlichter Block in bemitleidenswertem Zustand. Einzig ein paar rudimentäre Kacheln am Eingang zur Tür lassen auf seine ehemalige Bestimmung schließen. Bäume und Büsche umarmen das Gebäude bedrohlich, und Efeu verbirgt die zugemauerten Fenster.
Nach Erkundigungen beim „Fachamt Management des öffentlichen Raumes“ erfahre ich, dass die Besitzverhältnisse unklar sind, da wichtige Unterlagen durch einen Brand verloren gingen. Ein Drittel des Innenraumes nimmt ein Gasüberdrucktank ein, im anderen Teil sollen bis vor Kurzem noch Musiker geprobt haben.
Noch bis 31. Oktober können Entdeckungen beim KulturWerk Rahlstedt eingereicht werden. www.kulturwerk-rahlstedt.de, oder bis 31.Oktober,12 bis 14 Uhr im OG Rahlstedt Center
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