Rahlstedter Schulleiter rettet Dorfkirche

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Schulleiter Volker Wolter (r.) bei der Ordensverleihung mit Senator Ties Rabe Foto: privat
 
Ein Bild der Wanderausstellung zur Propaganda der Wehrmacht Foto: Copyright Bundesarchiv Koblenz

Volker Wolter und seine Schüler sanieren Kirche in Müsselmow bei Schwerin. Leistung wird mit Bundesverdienstkreuz gewürdigt

Von Reinhard Meyer
Rahlstedt
„In Anerkennung der besonderen Verdienste um Volk und Staat“ – mit dieser Formel des Bundespräsidenten überreichte Senator Ties Rabe dem Leiter des Gymnasiums Rahlstedt, Volker Wolter, das Bundesverdienstkreuz. In seiner Laudatio würdigte Rabe die großen Verdienste Wolters beim Wiederaufbau der Kirche in Müsselmow bei Schwerin, den Schüleraustausch mit Norwegen und bei der Rückkehr des Arbeitszimmers des Dichters Detlev von Liliencorn (1844-1909), der seine letzten Lebensjahre in Alt-Rahlstedt verbrachte. Die etwa 500 Jahre alte verfallene Kirche in Müsselmow – sie strahlt jetzt in neuem Glanz: Die Mecklenburgisch-Vorpommersche Kirchenzeitung nennt sie „Wolters Lebenswerk“. 1996 kehrte Volker Wolter von einer Toscanareise zurück – tief beeindruckt von Restaurierungsarbeiten italienischer Schüler an alten Gebäuden. Er bat die Landeskirche in Schwerin um Benennung einer der 158 aufgegebenen Kirche aus der DDR-Zeit – zwecks Restaurierung. Sie nannte ihm das „Naturbiotop“ Kirche in Müsselmow (Landkreis Ludwigslust-Parchim). Volker Wolter (61) begann schrittweise, aber beharrlich durch die vielen Jahre hindurch Schüler seiner Schule, benachbarter Gymnasien und Berufsschulen in den Projektwochen zur Mitwirkung an den anstrengenden Säuberungs-, Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten an der kleinen Backsteinkirche zu überzeugen. Stiftungen, Firmen und viele private Spender schufen die finanziellen Voraussetzungen. Volker Wolters „Vision“: Die Dorfkirche zu einer Jugendbegegnungsstätte zu machen. Nach dem Umbau des nahen Turmspeichers wird die Kirche Treffpunkt von deutschen und internationalen Jugendgruppen werden. Auch den Schüleraustausch mit Norwegen leitet Wolter. Und auch hier überzeugte er seine Schüler, sich auf eine besondere Art mit der Geschichte auseinanderzusetzen. In einem Workshop in Honningsvag gestalteten Rahlstedter und norwegische Schüler eine Ausstellung – „Zwei Gesichter“: Die Kriegswirklichkeit der Norweger und die Propaganda-Wirklichkeit der Wehrmacht. Die Ausstellung wurde in Norwegen, Hamburg und Mecklenburg gezeigt.

Liliencrons Arbeitszimmer


Auch für Rahlstedt schaffte Volker Wolter etwas Einmaliges: Nach 40-jähriger Odyssee holte er 2011 das Arbeitszimmer des Dichters Detlev von Liliencorn zurück. Im Forum „seines“ Gymnasiums wurde es originalgetreu aufgebaut. 2007 hatte Volker Wolter den Investmentbanker Claus Grossner überzeugen können, ihm das Mobiliar zur fachgerechten Restaurierung mit seinem Freund Harald Sprengel und zur zeitweiligen Ausstellung in seiner Schule zu überlassen. Nach dem unerwarteten Tod Claus Grossners 2010 rang Wolter den Erben die Zustimmung zur endgültigen Aufstellung in seiner Schule ab. Es ging ihm darum, die Erinnerung an das bedeutende literarische Erbe Liliencrons wachzuhalten. Und er wollte den Wünschen der Rahlstedter Kulturszene nachkommen, für die Liliencron einen unverzichtbaren Platz in der Rahlstedter Kulturgeschichte einnimmt. Was macht die Persönlichkeit Volker Wolters aus, dass er so viele Schule, Kultur und Gesellschaft fördernde Projekte initiierte? Volker Wolter lebt aus einer tiefen Begeisterung für Kultur, Literatur, Geschichte, Restaurierungsarbeiten. Aber er sieht sich als „...einfach ... nur ein Schulmann“, der die Schüler nicht nur abholt, wo sie sind, sondern auch dahin bringt „...wo sie nie hinwollten“. Er überzeugte Generationen von Schülern davon, ihren Beitrag im Projekt zu leisten und vermittelte ihnen die Erfahrung, die sie in keinem Klassenzimmer lernen: etwas Sinnerfüllendes für das Gemeinwohl zu tun.
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