Sag’ es kurz und einfach

Anzeige

Büro für leichte Sprache übersetzt Texte für Menschen mit geistiger Behinderung

Von Elke Grewe
Wandsbek
„Zusammen fahren wir in den Urlaub“. Halt! Diese Formulierung sollten Sie nicht benutzen. Besser ist der schlichte Satz-Bau „Wir fahren zusammen in den Urlaub“. Wer die Regeln der Leichten Sprache kennt, macht es Menschen mit geistiger Behinderung einfacher, den Alltag zu verstehen. Eine, die sich seit längerem mit dem Thema Leichte Sprache beschäftigt, ist Susanne Zornow, Leiterin des neuen Büros für Leichte Sprache des Landesverbandes Lebenshilfe in Hamburg an der Rantzaustraße 74c.
Was viele sich nicht vorzustellen mögen: Die normalen Texte, die wir zum Beispiel täglich in der Zeitung lesen, sind für Menschen mit geistiger Behinderung, aber auch Migranten unverständlich. Diese Texte sind in der sogenannten schweren Sprache formuliert: Sie enthalten oft Fremdworte, Fachwörter und komplizierte Redewendungen, die diese Menschen nicht verstehen. Sie haben deshalb keinen Zugang zu Informationen, können am gesellschaftlichen Leben nicht teilhaben. Das Büro für Leichte Sprache setzt sich dafür ein, die Nutzung und Verbreitung Leichter Sprache in allen Lebensbereichen voran zu treiben. Eine Idee, die übrigens schon in den 70erJahren in den USA realisiert wurde, seit zirka 15 Jahren in Deutschland. Jetzt auch im Stadtteil Wandsbek. „Es gibt insgesamt 51 Regeln, die das Netzwerk Leichte Sprache in Zusammenarbeit mit dem Bundessozialministerium f heraus gebracht hat“, so Susanne Zornow. Etwa vier bis zehn Stunden braucht sie, um eine DINA-4-Seite von Schwerer in Leichte Sprache zu übersetzten. „Das Wesentlichen herauszufinden ist die entscheidende Voraussetzung für das Umformulieren. Und das kann je nach Sachverhalt unterschiedlich lange dauern“, so Zornow. Weiter sind folgende Regeln zu beachten: Es müssen einfache Wörter, die etwas genau beschreiben, gewählt werden. Zum Beispiel: Statt „öffentlicher Nahverkehr“ „Bus und Bahn“. Gut verständlich sind auch aktive Wörter wie die Formulierung „Morgen wählen wir den Heim-Beirat“, schlecht dagegen: „Morgen wird der Heim-Beirat gewählt“. Auch bei den Zahlen ist einiges zu beachten: Ziffern sind meisten leichter zu verstehen als Worte (schlecht: fünf Frauen, gut: 5 Frauen).
Ganz wichtig für die Verständlichkeit eines Textes ist die Schriftart: Je größer desto besser. Das A und O ist die Gestaltung des Textes mit einem passendem Bild, das hilft den Text noch leichter zu verstehen. Zum Beispiel zu der Aussage „Ich fahre mit dem Zug“ das entsprechende Bild eines Zuges.
Für welche Bereiche kommt ein Umsetzen von schweren Sätzen in leichte Texte in Frage? Dazu Lebenshilfe-Geschäftsführer Axel Graßmann: „Eigentlich für viele Einrichtungen wie Behörden, die Menschen mit kognitiven Schwächen oft schwer verständliche Texte zumuten. Aber auch im Gesundheitsbereich, Tourismus, und Seniorenheimen, wo für demenzkranke Menschen Texte in Leichter Sprache eine große Hilfe sind. Insgesamt gibt es einen steigenden Bedarf, was auch an den vielen Menschen mit Migrationshintergrund liegt, die diese Texte besser verstehen.“
Übrigens: Es gibt auch schon eine leicht lesbare Zeitung: „Klar & Deutlich“ erscheint sechs Mal pro Jahr in Münster. Von politischen Themen, Service bis Kochrezepten wird alles nach den Regeln der Leichten Sprachen gut lesbar für die Zielgruppe mit kognitiven Defizienten aufbereitet.

Susanne Zornow (Leitung Büro für Leichte Sprache Hamburg), 689 433-12; Email: s.zornow@lebenshilfe-hamburg.de; Weitere Infos: www.lebenshilfe-hamburg.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige