Sanierung kostet extra

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Die Pastoren Karl Grieser und Jil Becker hoffen auf viele Unterstützer für die Sanierung Foto: cm
 
Die 1910 geweihte Kreuzkirche an der Kedenburgstraße Foto: cm

Kreuzkirche: Arbeiten für 755.000 Euro starten im Frühjahr. Spender gesucht

Von Christa Möller
Hinschenfelde
Die alte Dame ist ein bisschen in die Jahre gekommen und braucht nun ein etwas mehr Zuwendung: Die von 1908 bis 1910 im Eichtalpark erbaute Kreuzkirche muss saniert werden – und das wird teuer. „Die Statik hat sich signifikant verändert“, berichtet Pastor Karl Grieser, denn noch vor drei Jahren hatte der Kirchenkreisarchitekt die Kosten mit insgesamt 100.000 Euro veranschlagt. Allerdings war damals noch unklar, „wie kriegen wir den Schimmel in den Griff?“ Mittlerweile werden die Gesamtkosten derzeit mit 755.000 Euro beziffert. Pastorin Jil Becker und Kollege Karl Grieser tragen das mit Fassung: „Das schlägt uns nicht nieder, das spornt uns eher an.“ Mehr als die Hälfte der Investitionen trägt die Kreuz-Kirchengemeinde selbst, für die Restsumme allerdings müssen Unterstützer gefunden werden. Die Pastoren hoffen auf Spenden, Stiftungsmittel, öffentliche Förderungen und die Unterstützung von Unternehmen.
Die Ersten haben bereits grünes Licht gegeben: Die „Günter und Lieselotte Powalla Stiftung“ unterstützt das Projekt mit 50.000 Euro, und auch die „ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius“ hilft, sie hat 20.000 Euro bereitgestellt. Damit bescheren sie der Gemeinde schon mal einen Grundstock für den ersten Bauabschnitt, das Dach. Die Balken sind feucht und reißen, die Dämmwolle schimmelt, auch die Holzpfeifen der Orgel haben schon gelitten. „Einige Register klingen wie Enten“, stellt Karl Grieser fest. Zur Rettung von Wandsbeks ältester Kirche haben die beiden Pastoren gemeinsam mit vier weiteren Engagierten ein Fundraising-Team gebildet, das derzeit noch Ideen sammelt. Möglich wäre beispielsweise ein Benefiz-Konzert. Fest steht: Im Frühjahr sollen die Bauarbeiten beginnen, der zeitliche Rahmen ist mit drei Jahren veranschlagt.

Folge des Schimmels


„Wir müssen etwas tun für die Besucher, für die Orgel und für den Organisten“, so der Pastor mit Blick auf den Schimmel. Eine Automatik soll dafür sorgen, dass sich die Fenster öffnen, wenn die Luftfeuchtigkeit draußen gering ist und Strahlungsheizkörper sollen zukünftig das Raumklima ebenfalls verbessern. Immerhin ist der Heizkessel noch in Ordnung, wie Pastorin Becker sagt. Der Nadelfilzteppich hat durch die Feuchtigkeit gelitten und soll entfernt werden. Im Zuge des Umbaus wird außerdem die Haustechnik erneuert und auch die Empore erlebt eine Umgestaltung: „Wir machen aus Hörplätzen Sehplätze“, beschreibt Jil Becker die Pläne, das Gestühl höher zu setzen. Einbauschränke für Stühle sollen den Eingangsbereich des Kirchraumes aufgeräumter wirken lassen.

Besondere Uhr


Viele Menschen aus der Kirchengemeinde wissen, wie eng die Geschichte des Dorfes Hinschenfelde einst mit der Kirche an der Kedenburgstraße verbunden war und manch einer erinnert Legenden, die sich um die Uhr ranken. Denn die Kirchturmuhr hat eine Besonderheit zu bieten: Nur auf drei Turmseiten ist ein vergoldetes Ziffernblatt zu finden. Angeblich wollte ein Bauer aus der Nachbarschaft nicht, dass seine Arbeiter auf den Feldern die Uhr sehen können... „Damit Geschichten weiterleben“ startet jetzt in der Adventszeit eine Spendenkampagne zur Sanierung des Innenraumes. Der eigens gestaltete Flyer wurde in einer Auflage von 10.000 Stück gedruckt und wird an die Gemeindemitglieder direkt versandt, soll aber auch an verschiedenen Stellen ausliegen. Neun Gemeindemitglieder zeigen Gesicht, sie erzählen ihre Geschichte der Kirche und werben so um Unterstützung. Einer von ihnen ist Gerd Spiekermann, 63, der durch einen Diskussionsabend mit dem Theologen Drewermann vor 30 Jahren erstmals in die Kreuzkirche kam, die für ihn der „Leuchtturm des Eichtalparks“ ist. Für Klaus Schuldt, 85, ist die Kirche „ein Stück Heimat“. Er ist ein Urgestein in der Kirchengemeinde und hat die Kirchen-Chronik aufgeschrieben. Charlotte Först, 29, ist ein neues Mitglied, sie sagt: „Die Kreuzkirche ist ein unglaublich schönes Gebäude. Ein Gebäude, das ich Zeit meines Lebens nicht vergessen werde, weil ich hier als Erwachsene getauft wurde. Es beeindruckt mich, dass die Kirche beide Weltkriege fast unbeschadet überstanden hat.“ Pastorin Becker betont: „Für mich ist das ein Stück Tradition, ich fühle mich auch durch die Geschichten, die die Menschen erzählen, sehr verbunden mit der Kirche. Pastor Grieser ergänzt: „Es ist spannend, den Bogen zu schlagen, was ist Kirche von heute und morgen in dieser Kirche von gestern - und wie kann diese Kirche Beheimatung bieten.“
Wer das Projekt finanziell unterstützt, soll – ab einer gewissen Summe – in der Kreuzkirche namentlich verewigt werden. „Schon damals haben große und kleine Firmen die gesamte Innenausstattung gestiftet“, erinnern die Pastoren an die Geschichte der Kreuzkirche. Orgel, Turmuhr, Taufbecken, Kanzel und sogar der Altar wurden so finanziert. Jil Becker und Karl Grieser würden sich sehr freuen, wenn auch heute Unternehmen im Stadtteil bereit wären, ihre Kirche zu fördern, damit das Bauwerk in neuem Glanz erstrahlen kann.

Weitere Infos: www.kreuzkirche-wandsbek.de

Spendenkonto:
Kreuzkirche Wandsbek, IBAN DE40 2005 0550 1340 1276 44, BIC HASPDEHH , Hamburger Sparkasse, Verwendungszweck: „Kirchensanierung“. Namen und Anschrift für die Spendenbescheinigung nicht vergessen
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