Schluss mit Leerstand!

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Solche leerstehenden Ladenräume bereiten Leonhard Baumert (64, li.) von den Stadtteilgesprächen und Uwe Becker (56) vom Verein Einkaufsmeile Eilbek große Sorgen Foto: Jenssen
 
Juwelier Peter Krack (65) deutet auf eine tiefe Absenkung im Asphalt vor seinem Geschäft Foto: Jenssen

Planungsgruppe soll Konzept für Eilbek entwickeln

Von Martin Jenssen
Wandsbek. Noch vor 40 Jahren war die Eilbeker Einkausmeile absolut „in“. Aus allen Stadtteilen strömten einkaufsfreudige Hamburger an die Wandsbeker Chaussee, um dort Kleider, Anzüge, Schuhe und Luxuswaren zu erwerben. Doch der „Eilbeker Chic“ gehört der Vergangenheit an. Im Moment ist die Einkaufsmeile für den Bezirk ein Sorgenkind. Von Monat zu Monat stehen mehr Geschäfte leer.
125 Betriebe sind weg
In den vergangenen fünf Jahren hat sich viel verändert. Allein 125 Betriebe haben den Stadtteil verlassen. Gab es im Jahre 2008 noch 667 Betriebe in Eilbek, sind es jetzt nur noch 542. Im gleichen Zeitraum hat der Stadtteil 50 Einzelhandelsgeschäfte verloren. Ein Rückgang von 240 auf 190. Wichtige Läden sind verschwunden – Schlachtereien, Gemüse- und Modegeschäfte. Die Kunden lassen Eilbek links liegen und stürmen in die großen Einkaufszentren, das „Wandsbek Quarree“ und die „Hamburger Meile“. Auch die Gastro-Szene Eilbeks hat gelitten. Die Anzahl der Restaurants ist von 70 auf 55 gesunken.
Wer durch die Einkaufsmeile bummelt, sieht deutlich, dass Eilbek an Glanz verloren hat. Fast jedes vierte Geschäft steht leer. Es gibt wenig Grün. Wer in einem der Cafés am Straßenrand sitzt, muss fast brüllen, wenn er sich mit seinem Nachbarn unterhalten will, um den Straßenärm zu übertönen. Einige der neuen Läden, die sich ansiedeln, sind den seriösen Kaufleuten ein Dorn im Auge. Shisha-Lounges und Wettbüros ziehen nicht die Kundschaft an, die man in sich in Eilbek wünscht. Gewünscht sind schicke Boutiquen oder Feinkostgeschäft.
Was ist zu tun? „Es gibt viele Ansätze“, sagt Leonhard Baumert, Leiter der Eilbeker Stadtteilgespräche. „Eine Planungsgruppe ist installiert, die sich darüber Gedanken machen soll, wie die Meile attraktiver werden kann.“ 50.000 Euro hat der Bezirk dafür zur Verfügung gestellt.
Rat bei „Unternehmen ohne Grenzen“
Auf alle Fälle sollen weiterhin junge Migranten und Migrantinnen für die Einkaufs-
meile gewonnen werden. Um ihr Konzept zum Erfolg zu führen, können sich die Existenzgründer Rat bei dem Verein „Unternehmer ohne Grenzen“ holen. Das hat sich in den
Vergangenheit bewährt.
Asiatische Läden haben sich angesiedelt, und ein aus der Türkei stammender Metzger, bei dem immer mehr deutsche Kunden einkaufen.
Interessenten für die leerstehenden Geschäfte gibt es genug, denn die Lage der rund zwei Kilometer langen Einkaufsstraße ist großartig. Mitten in Hamburg gelegen können die Kunden sie über die U-Bahnhöfe Wartenau, Ritterstraße und Wandsbeker Chaussee erreichen.
Eine Hausverwalterin, die derzeit einen leerstehenden Laden anbietet, zum WochenBlatt: „Viele Leute rufen an und möchten den Laden mieten. Trotzdem ist es schwierig, einen solventen Mieter zu bekommen. Die meisten Interessenten haben mehr Schulden als Vaterlandsliebe.“
Der Traum von der
Flaniermeile
Viele Verbesserungsideen haben natürlich auch die Geschäftsleute, die sich im Verein „Einkaufs-Meile-Eilbek“ zusammengeschlossen haben. Zum Beispiel wurden Bänke aufgestellt, auf denen sich Kunden ausruhen können. Richtig beschaulich ist das noch nicht. Uwe Becker, erster Vorsitzender des Vereins, möchte vor allem den Straßenlärm reduzieren und mehr Grün an die Straße bringen. Hinter Bäumen und Hecken lässt es sich gemütlicher ausruhen und schmausen.


„In unserem Stadtteil
wohnen viele ältere Leute,
die gerne ein bisschen
aus ihrem Leben erzählen, und die manchmal
einen Rat suchen.
Wir nehmen uns die Zeit,
hören zu und helfen,
wenn wir können.“
Peter Krack

Bis sich der große Traum der Geschäftsleute erfüllt, der vorsieht, die Wandsbeker Chaussee auf vier Fahrspuren zu reduzieren, dürften jedoch noch einige Jahre ins Land gehen. Dann soll die Flaniermeile für Fußgänger noch grüner und großzügiger gestaltet werden.
So beginnt der Weg, die Einkaufsmeile zu beleben, mit kleinen Schritten. „Auch Freundlichkeit kann einiges Ausgleichen“, sagt Peter Krack, Finanzvorstand des Vereins „Einkaufs-Meile
Eilbek“. Mit seiner Frau Renate betreibt er ein Juweliergeschäft auf der Meile.
Der Juwelier möchte die alteingesessenen Bewohner von Eilbek wieder ins Viertel
locken.
„Wir nehmen uns Zeit und hören zu“
„In unserem Stadtteil wohnen viele ältere Leute, die gerne ein bisschen aus ihrem Leben erzählen, und die manchmal einen Rat suchen. Wir nehmen uns die Zeit, hören zu und helfen, wenn wir können“, sagt Peter Krack. Das ist der neue
Eilbeker Charme, ein Service, den die großen Einkaufszentren nicht so leicht bieten
können. (je)
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