Schüleraustausch mit Russland

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Die deutschen und die russischen Gymnasiasten entdeckten viele Gemeinsamkeiten. Foto: privat
 
Die Schüler hatten in Nowosibirsk Gelegenheit zu gemeinsamen naturwissenschaftlichen Experimenten. Foto: privat

Eine absolute Bereicherung, meinen die Schüler der Gyula Trebitsch Schule

Von Christa Möller
Tonndorf. Ab nach Sibirien – wer kann dazu schon nein sagen? Sarah Rumstig, Jan-Hendrik Behrendsen und der erst zwölfjährige Alexander Troitzky von der Gyula Trebitsch Schule in Hamburg jedenfalls fanden die Idee verlockend. Im September besuchten sie mit den Lehrern Mathias Burghardt und Regine Bunde sowie 13 Schülern von vier weiteren Hamburger Schulen die russische Stadt Nowosibirsk. Mit dem dortigen Gymnasium Nummer 6 schloss die Gyula Trebitsch Schule jetzt beim Gegenbesuch der Russen in Hamburg einen Partnerschaftsvertrag: „Ziele der Kooperation sind die Stärkung der interkulturellen Kompetenz der Lehrkräfte und der Schüler und die gemeinsame Beschäftigung mit Themen aus Umwelt, Wissenschaft, Berufsorientierung und Gesellschaft, um die Notwendigkeit von nachhaltigem, globalem Denken und lokalem Handeln im 21. Jahrhundert bewusst zu machen.“
Mathias Burghardt hatte die russische Schule durch die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch 2008 kennengelernt. Er unterrichtet Russisch und Physik und ist Vorsitzender des Hamburger Russischlehrer-Verbandes mit 110 Mitgliedern, die überwiegend im Schuldienst tätig sind, aber auch Hochschullehrer und Volkshochschullehrer gehören dazu. Der Russisch-Lehrer möchte die Partnerschaft nutzen für individuelle Gastschulprojekte oder Lehreraustausch.

Viele Gemeinsamkeiten

Mathias Burghardt hatte als Schüler der Gyula-Trebisch-Schule Russisch als 2. Fremdsprache gewählt und in der 10. Klasse die damalige Sowjetunion besucht. Seither geht es ihm wie seiner Kollegin, der Russischlehrerin Regine Bunde, die das Austausch-Projekt in ihrer Russisch-Arbeitsgemeinschaft vorgestellt hatte: „Wenn man erstmal dagewesen ist, ist man richtig infiziert und kommt von dieser russischen Seele nicht mehr los.“ Sie schätzt die Herzlichkeit, Gastfreundlichkeit und Offenheit der Russen. „Man kann sehr viel fürs eigene Leben mit nach Hause nehmen, das ist eine absolute Bereicherung“, so Bunde. Mathias Burghardt ergänzt: „Deutsche und Russen haben viele Gemeinsamkeiten, aber vieles ist auch ganz anders.“ Beide bedauern, dass es in Deutschland viele Vorbehalte gegenüber der russischen Sprache und dem Land gebe, während in Sibirien, wo viele deutsch-stämmige Menschen leben, häufig Deutsch als Fremdsprache gewählt werde. „Wir möchten mit solchen Reisen dazu beitragen, dass man ein etwas anderes Russland-Bild bekommt.“ Die unendliche Weite des Landes und die gigantischen Waldflächen beeindruckten die Schüler dabei ebenso wie die Temperaturen: 26 bis 30 Grad – im September…
Sarah Rumstieg besucht wie Jan-Hendrik Behrendsen die 11. Klasse und hat das Profil Geographie und Chemie gewählt. Im Rahmen des Austauschs in Nowosibirsk lernten sie nicht nur Land und Leute kennen, sondern beschäftigten sich gemeinsam mit den sibirischen Gymnasiasten anderem mit Energiewende, Klimawandel und Globalisierung, besuchten unter anderem eine Universität und einen Technopark und hatten Gelegenheit, naturwissenschaftliche Experimente zu machen.
Auch in Hamburg kam der wissenschaftliche Aspekt nicht zu kurz, hier waren die Technische Universität Harburg, aber auch der Wasserstoffbus Ziele der Gruppe, die außerdem den Hamburger Dom besuchte sowie die alle drei Jahre stattfindende Bundesolympiade der russischen Sprache, die vor kurzem in Hamburg ausgetragen wurde und an der sich über 70 Schüler aus 13. Bundesländern beteiligten. Die Verständigung klappt auch ohne Russisch, das die beiden Hamburger Schüler bislang noch nicht gelernt haben. Jan-Hendrik unterhielt sich mit seinem Austauschschüler auf Englisch, Sarah kommunizierte mit ihrer Austauschschülerin auf Deutsch. „Sie konnte sehr gut Deutsch, obwohl sie es erst seit zwei Jahren lernt.“ Der Kontakt blieb bestehen, die Mädchen schreiben sich E-Mails.

Identische Interessen

Deutsche und russische Schüler haben identische Interessen, auch ihr Musikgeschmack ähnelt sich. So empfanden die Schüler den Austausch auch, „als würde ich mich hier mit Freunden treffen. Etwas anders läuft der Unterricht ab. „Die Schüler sollen zuhören und mitschreiben, Fragen werden da kaum gestellt“, fasst Sarah zusammen. Als die Hamburger im September in Nowosibirsk waren, erlebten sie dort den ersten Schultag nach den Sommerferien. “An einem Sonnabend... und es wurde gefeiert und getanzt, die Schule war geschmückt, die Schüler waren gut gekleidet und haben den Lehrern Blumen geschenkt.“ Regine Bunde hofft, demnächst vermehrt Russisch-Unterricht anbieten zu können, „ab Klasse 7 und Klasse 10 als 2. oder 3. Fremdsprache.“ Nach den Sommerferien ist die nächste Sibirienreise angedacht. Sarah und Jan-Hendrik wollen – „wenn es schulisch machbar ist“ - gern wieder mitfahren.
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