Schule ehrt Namensgeber

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Gyula Trebitsch, Filmproduzent und Gründer des Studio Hamburg wäre am 3. November 100 Jahre alt geworden Foto: Gyula-Trebitsch-Schule
 
Interessierte Schüler vor der Stellwand mit Infos über den Schulnamensgeber Foto: Ch. Möller

Gyula Trebitsch wäre am 3. November 100 Jahre alt geworden

Von Christa Möller
Tonndorf
Das Jubiläumsjahr 2014 steht an der Stadtteilschule in Tonndorf ganz im Zeichen von Namensgeber Gyula Trebitsch, einem der bedeutendsten Produzenten des deutschen Nachkriegsfilms. Eine Stellwand in der Aula zeigt Fotos mit Filmszenen und Zitate. Eine Innenwand trägt sein Bild und auch an der Außenfassade der Turnhalle begegnet der vielfach Ausgezeichnete den Vorübergehenden. Die Schüler befassten sich unter anderem mit jüdischem Leben in Hamburg früher und heute sowie im Rahmen des Projekts Geschichtomat mit den Stolpersteinen (www.geschichtomat.de).

Seinen Werten verpflichtet


Die „Gyula Trebitsch Schule Tonndorf“ hieß bis 2011 „Kooperative Schule Tonndorf“, entstanden aus dem Gymnasium Tonndorf sowie der Grund- Haupt- und Realschule Sonnenweg. Der geschichtsträchtige Name war bisher längst nicht allen Schülern ein Begriff. Jetzt beschäftigten sie sich auch mit der Namensgebung: Die schulischen Gremien wählten den Namen von Gyula Trebitsch aus, der das benachbarte Studio Hamburg gründete, durch seine Tätigkeit eng mit Hamburg verbunden war und ein beeindruckendes Lebenswerk hinterließ. Seinen Werten und Idealen hat sich die Schule in ihrem Leitbild verpflichtet.
Der Hamburger Filmproduzent und Gründer des Studio Hamburg, Gyula Trebitsch, wurde am 3. November 1914 in Budapest geboren und starb 2005 in Hamburg. Er war jüdischen Glaubens, die Leiden während des Nationalsozialismus prägten sein Leben. „Heimat ist da, wo die Familie ist. Ungarn ist mein Geburtsland, Hamburg meine Heimat. Alles andere gibt es nur in der Operette“, sagte Trebitsch.
Den 100. Geburtstag ihres Namensgebers feierten die 1.450 Schüler und 125 Lehrer am vergangenen Montag auf vielfältige Weise. Die Schulzeitung erschien in einer Sonderausgabe, ausnahmsweise im DIN-A-5-Format statt in A4 und wurde kostenlos verteilt. „Sonst kostet sie einen Euro“, erklärt Oliver Lerch.

Trebitsch-Filme geguckt


Er unterrichtet Deutsch und Geschichte, außerdem ist er Didaktischer Leiter der Schule, an der anlässlich des Geburtstages für drei zehnte und drei elfte Klassen Kino auf dem Stundenplan stand: Sie sahen in der Aula den Film „Des Teufels General“ mit Curd Jürgens von 1955. Trebitschs Filme (Der Hauptmann von Köpenick, Die Zürcher Verlobung und viele andere, aber auch Fernsehserien wie Die Bertinis) entsprechen offenbar nicht mehr den heutigen Sehgewohnheiten: „Die Schüler kennen keine Produktion von Trebitsch“, sagt Lehrer Oliver Lerch. Sie würden aber durchaus Bereitschaft zeigen, sich damit auseinanderzusetzen. So trugen sie ihre Vorstellungen von einem General zusammen, aber auch Eigenschaften des Schulnamensgebers wie Menschlichkeit, Vertrauen in die Demokratie und Tatkraft und Engagement für die Jugend.
Was sie von einem Film aus den 1950er Jahren erwarten? Unter anderem nannten die Schüler: dumpfen Ton, lange Schnitte, wenig Action, viele Dialoge, Schwarz-Weiß, kein Computer-Editing.
Die achten Klassen machten einen Ausflug ins Abaton-Kino, wo sie Vorführungen von Trebitsch-Filmen mit Erläuterung erwarteten. Für die fünften Klassen ging es ins Studio Hamburg. Andere Schüler erstellten Collagen zum Thema.
Für die Lehrer gab es am Geburtstag einen Kaffeenachmittag mit kleinem Rahmenprogramm zur Feier des Tages - und Trebitsch-Tochter Katharina, einer Filmproduzentin, als Ehrengast. Damit ist das Thema aber nicht beendet: „Wir planen, die Projekte in einem Buch zusammenzufügen“, sagt Lerch.
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