Senator und Bischöfin besuchen Schulunterricht

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Konzentriert und hochaufmerksam folgten die Schülerinnen und Schüler Foto: Timm
 
Bischöfin Kirsten Fehrs und Schulsenator Ties Rabe Foto: Timm

Kirsten Fehrs und Ties Rabe sprechen mit Schülern des Gymnasiums Osterbek über Luther

Von Frank Berno Timm
Farmsen
Hoch konzentriert verwickelten am Montag gut zwei Dutzend Gymnasiasten Schulsenator Ties Rabe (SPD) und die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs in Fragen, die sich mit der Aktualität Martin Luthers auseinander setzten. Deutlich wurde, dass Luthers Arbeit weit über das Religiöse hinaus bis heute wirkt. Der Schulsenator erläuterte, dass sich der bislang von evangelischen Religionslehrern verantwortete Unterricht stärker anderen Religionen öffnen wird.
Liane ist nicht gläubig. Ihre Mutter, sagt die 14-Jährige, habe gesagt, sie solle selbst entscheiden. Sie fand es interessant, sich mit Luther zu beschäftigen. Nina (13), selbst katholisch, fand es „erstaunlich, dass er so mutig war“, sich mit 95 Thesen an die Öffentlichkeit zu wenden. Ähnlich äußert sich auch Carolin (13), die die Wittenberger Schlosskirche, an der Luther wirkte, schon selbst gesehen hat. Auch für sie selbst, sagt die Schülerin, sei es wichtig: sie ist evangelisch und besucht gerade den Konfirmandenunterricht. Am Montag waren Schulsenator Ties Rabe (SPD), der auch mal als Religionslehrer gearbeitet hat, und Bischöfin Kirsten Fehrs zu Besuch in dem Projektkursus des Gymnasiums Osterbek, der sich jahrgangsübergreifend (Klassen 7-9) zum Thema „Menschen-Bilder: Das Menschenbild der Reformation + 500 Jahre später“ an einem Wettbewerb der Nordkirche zum Reformationsjubiläum für Schülerinnen und Schüler beteiligt. Dass sich die Stunde offensichtlich an ein Drehbuch mit vorher aufgeschriebenen Fragen hielt, ist kein Untergang, weil Bischöfin und Senator sich nicht nur Zeit nehmen, sondern auf die Fragen der Schüler durchaus ernsthafte Antwort geben. Ties Rabe sagte auf die Frage, ob er genauso wie Luther gehandelt hätte, er fände es bemerkenswert, wie sich jemand über alles hinwegsetze, was für ihn geplant gewesen sei – nach dem Willen des Vaters hätte Luther eigentlich Jurist werden sollen. Ihr Luther-Lieblinsgzitat rede davon, dass der Glaube die Kunst sei, dass der Mensch aus dem Haus in die Sonne springe, so die Bischöfin. Den berühmten Satz Luthers, er würde heute einen Apfelbaum pflanzen, wenn er wüsste, dass morgen die Welt untergehe, nannte Rabe einen „fatalen Optimismus, den ich jedem wünschen würde. Der Reformator habe sich mit seinem Argumentieren gegen den Ablasshandel gegen ein Spiel mit der Angst gestellt, das „war ziemlich mutig, meinte die Bischöfin.

Kommt ein Imam?


„Wann kommt ein Imam im Ramadan in den Religionsunterricht?“, fragte ein Mädchen. Schulsenator Rabe antwortete, die „protestantische Durchformung“ des Religionsunterrichts in evangelischer Verantwortung solle sich ändern: „Wir wollen jetzt sehr wohl dafür sorgen, dass alle Religionen gleichbedeutend zu Wort kommen“, so der Senator. Hintergrund sind die Staatsverträge mit den islamischen und alevitischen Gemeinden, die Hamburg abgeschlossen hat. Glasklar distanzierte sich Kirsten Fehrs von den „antijudaistischen“ Schriften des Reformators Luther, das Kirchenparlament habe das bereits getan und werde es wiederholen, es sei „Ansporn, jeder Form von Rassismus und Fremdenhass zu begegnen“.
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