Shakespeare in Jenfeld

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Das Ensemble von „Searching for Equalia“.Fotos: Glitz

Bewerbungstraining mit Theaterprojekt

Von Rainer Glitz
Jenfeld. Die Bühne im Jenfeldhaus ist mit schwarzen Vorhängen drapiert, ein Laufsteg führt in den Saal. Dunkel gekleidete Schauspieler treten nacheinander auf, jeder hat einen Stuhl dabei, alle sind ständig in Bewegung. Rezitiert werden Sonette von William Shakespeare und eigene Texte. „Es ist nur die Probe!“, beruhigt die Theaterpädagogin Karina Behrendt die jungen Amateurschauspieler und gibt ihre Anweisungen. „Searching for Equalia“ lautet der Titel des selbstentwickelten Stückes. Selbst entwickelt von 17 arbeitslosen jungen Leuten aus dem Bezirk Wandsbek. In dem gut einstündigen Stück geht es um die Flucht aus der Realität und die Begegnung mit Gleichgesinnten. Doch eigentlich ist das Theaterprojekt „JobAct“ ein Bewerbungstraining für Hartz IV-Empfänger. Eine Mischung aus theaterpädagogischen Methoden und klassischem Bewerbungsmanagement, finanziert vom Jobcenter. „Erst einmal geht es um die eigene Präsentation und ein Erfolgserlebnis“, erläutert Projektleiter Oliver Ronning von der „Projektfabrik“.
Teamarbeit
Die Rolle schaffe Distanz zur eigenen Biographie. Es geht um Teamarbeit, persönliches Auftreten, Stimme und Körperhaltung. Neben der Stärkung der Persönlichkeit werden auch soziale Kompetenzen wie Pünktlichkeit, Verbindlichkeit und das Einhalten von Regeln geübt. Alles Dinge, die für die Bewerbungssituation und auch im Beruf wichtig sind.
Das Projekt hat zwei Phasen. In den ersten fünf Monaten wird das Theaterstück von der Idee bis zur Premiere entwickelt, die Teilnehmer kümmern sich auch um Bühnenbild, Maske und Kostüme. Parallel bekommt jeder Teilnehmer ein individuelles Bewerbungstraining für die zweite Phase: Ein fünfmonatiges Betriebspraktikum in allen Bereichen. „Die Hälfte der Projektteilnehmer hat bereits Zusagen bekommen, bei den anderen läuft die Bewerbung“, sagt Jürgen Rossnagel, Geschäftsführer der KOM. Die gemeinnützige Gesellschaft kümmert sich seit 10 Jahren um die Aus- und Weiterbildung von jungen Arbeitslosen in Hamburg. Die Vermittlungsquote in Arbeit oder berufliche Weiterbildung liegt laut Roßnagel bei 60 Prozent.
Die Projektteilnehmer seien hoch motiviert, heißt es bei den Verantwortlichen. Und es bleibt bei jedem etwas hängen. „Ich habe vor allem Geduld gelernt“, sagte ein junger Schauspieler. „Ich bin selbstbewusster und kann unbewusst viel präsenter sein“, sagt ein anderer. „Wir haben den normalen Rhythmus von Aufstehen, Arbeit und wieder nach Hause gehen wieder gelernt“, erklärt eine junge Frau. Mit dem Praktikum habe es sofort geklappt, freut sie sich.

Aufführung im Jenfeldhaus Charlotttenburger Straße 1, Donnerstag, 28. März, 20 Uhr
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