Sie suchen eine Herberge

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Auch wenn sie hier lachen: Ana Genao de Büchert mit vier ihrer fünf Kinder und Lebensgefährte Juan suchen händeringend eine neue Wohnung Foto: Schlichtmann
 
Für die insgesamt fünf Kinder gibt es die Etagenbetten-Lösung Foto: ks

Großfamilie lebt auf 72 Quadratmetern. Mutter Ana sorgt sich um ihre Kinder

Von Klaus Schlichtmann
Steilshoop
Das einzig Positive vorweg: 571 Euro monatliche Warmmiete - das ist erschwinglich. Das war’s aber auch schon an guten Nachrichten. Die Wohnung hat drei Zimmer auf 72 Quadratmetern, liegt in einem tristen Block in Steilshoop, ist gut 40 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Schimmel hat man festgestellt, der Maler hat vor einigen Monaten mal drüber gepinselt. Die Fenster sind zum Teil undicht, Wasser sammelt sich auf den Fensterbänken. Der Keller wurde im Sommer durch ein Feuer vernichtet und mit ihm ein großer Teil der Winter-Kleidung und Spielzeug von Familie Genao de Büchert. Ana Genao de Büchert (37) lebt hier mit ihren fünf Kindern zwischen einem und 14 Jahren sowie ihrem Lebensgefährten Juan (41) auf engstem Raum. Ana wohnt seit fünf Jahren hier, seit neun Jahren ist sie in Deutschland, sie ist Friseur-meisterin und stammt aus der Dominikanischen Republik. Ana und ihre Kinder haben seit Juni diesen Jahres die deutsche Staatsbürgerschaft. Vor neun Jahren war es auch, als ihr deutscher Ehemann bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, nur eine Woche nach ihrer Ankunft. Es folgte eine schlimme Zeit der Depressionen - bis sie ihren heutigen Partner Juan kennen lernte.
Ana hat nur einen großen Wunsch. Weil es in die Zeit passt, könnte man es auch Weihnachts-Wunsch nennen: „Wir möchten endlich raus aus dieser viel zu engen und feuchten Wohnung! Wir möchten in eine größere Wohnung umziehen und in eine ,gesunde‘, sie kann auch in einem anderen Stadtteil liegen“, sagt Ana in ziemlich gutem Deutsch. Auf der Fensterbank steht ein Spray für die Atemwege, es gehört Emil (14), dem ältesten Sohn. Ana sagt: „Das schlechte Klima in der Wohnung haben ihn krank gemacht, er hat Asthma.“ Der Kinderarzt hat dies attestiert. Emil geht in die 8. Klasse der Stadtteilschule Barmbek, er spielt Klavier und er ist ein guter Schüler.
Emils Traumberuf: Fußballspieler. Talent hat er, das bestätigen seine Vereinsfreunde vom Bramfelder SV, in dem auch der jüngere Bruder Juan (11) in der D-Jugend spielt. Emil macht seine Hausaufgaben nach dem Unterricht meistens in der Schule - zu Hause sei es zu laut, zu unruhig und er könne sich dort nicht konzentrieren.
Oft schon in den zurückliegenden Jahren hat Ana auch mit der Unterstützung des SPD-Vorsitzenden für Steilshoop, Carsten Heeder, Kontakt aufgenommen zur Gagfah, dem Eigentümer ihrer Wohnung. Dieser Immobilien-Gesellschaft mit Sitz in Essen gehören sehr viele Wohneinheiten in Steilshoop, einige werden gerade saniert (das Wochenblatt berichtete). „Doch die Gagfah kann mir trotz Dringlichkeitsschein nicht helfen, sie hätte keine entsprechende Wohnung für uns“, klagt Ana. Und wegen der feuchten Wände habe sie auch schon zu hören bekommen, sie müsse nur vernünftig lüften ... 
Dabei ist die Familie finanziell nicht schlecht gestellt. „Bis zu 1.200 Euro Monatsmiete könnten wir für eine größere Wohnung bezahlen“, erklärt Ana. Nach eigenen Angaben stehen ihnen durch Witwen- und Waisenrente, durch Kindergeld und einem geringen Nebenverdienst 3.600 Euro im Monat zur Verfügung. Außerdem will Lebensgefährte Juan demnächst seinen Lkw-Führerschein machen und Ana wieder in ihrem Beruf arbeiten.
Auf Nachfrage durch das Wochenblatt will die Gagfah nun noch einmal prüfen, ob sie für Ana und ihre große Familie nicht doch ausreichenden Wohnraum zur Verfügung stellen kann. Und auch die Saga, Deutschlands größtes kommunales Wohnungs-Unternehmen, macht ein wenig Hoffnung: „Wir schauen, ob wir eine ausreichend große und freie Wohnung im Bestand haben“, erklärt Sprecherin Kerstin Matzen. Vielleicht klappt‘s ja schon zu Weihnachten ...? (ks)
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