So soll das neue Ohlsdorfer Bad aussehen

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Die Liegewiese und die Außenansicht des neuen Bades (Foto: Bäderland Hamburg/Czerner Göttsch Architekten/Bloomimages)
 
Die Innenansicht des geplanten Bades in Ohlsdorf (Foto: Bäderland Hamburg/Czerner Göttsch Architekten/Bloomimages)

Bäderland präsentiert 25-Millionen-Euro-Projekt. Senatskommission hat Bezirk bereits angewiesen, Pläne umzusetzen

Nach langem Ringen liegen die Pläne für die Zukunft des Ohlsdorfer Bades auf dem Tisch: Anstelle des alten Kombibades, für das sich auch zahlreiche Nutzer aus dem Stadtteil stark machten, soll ein Neubau entstehen. Ein Drittel des bisherigen Bad-Areals wird veräußert, dort entstehen 120 Wohnungen.

Vorgesehen ist ein 50-Meter-Becken, das zum einen doppelt so viele Bahnen haben wird wie das ursprüngliche Bad. Zum anderen lässt es sich durch eine Wand in der Mitte in zwei 25-Meter-Becken teilen: auf der einen Seite für den Schwimmbetrieb, auf der anderen Seite für Spielen und Toben. Rund ein Drittel der Fläche des Bad-Areals wird verkauft, dort entstehen Wohnungen. Der Erlös - Bäderland-Sprecher Michael Dietel schätzt ihn heute auf zehn Millionen Euro - wird für das 25-Millionen-Euro-Projekt benötigt. Bäderland hat den Bauantrag für das neue Bad jetzt eingereicht - nach zehn Jahre intensiver Planung inklusive Bürgerbeteiligung, wie es in einer Mitteilung vom Freitag (19. Juni) hieß. Wie das Wochenblatt erfuhr, soll die Senatskommission den Bezirk bereits mündlich angewiesen haben, das Projekt umzusetzen.
Noch bis Anfang 2014 wurde ein „Allwetterbad“ mit Cabriodach (das an Sonnentagen geöffnet werden sollte) von Bäderland favorisiert, für die Pläne wurde auch online geworben. Diese Lösung wurde jedoch letztlich als zu teuer verworfen.

Bezirksamtsleiter Harald Rösler und der Schwimm-Club von 1879 e.V. begrüßten die aktuellen Bäderland-Pläne. Die Eckpunkte der Pläne aus Sicht von Bäderland in Kürze:
- Weiterbetrieb der aktuellen Schwimmhalle bis Fertigstellung des Neubaus –
demzufolge keine Einschränkungen im Schwimm, Bade- und Trainingsbetrieb während
der Bauphase,
- deutliche Aufwertung ganzjährig nutzbarer Freizeitmöglichkeiten,
- 50 m Becken und Verdoppelung ständig nutzbarer Wasserfläche zum Vorteil für
alle Nutzergruppen,
- flexibel verwendbares Kursusbecken dank Hubboden-Technik
- neue Indoor- Kinderspiellandschaft,
- rd. 220qm neuer Outdoor- Wasserspielplatz u.a. mit schwenkbaren Wasserkanonen,
Boden-Geysir, kaskadierenden mehrstrahligen Wassereffekten und individueller
Steuerungsmöglichkeit durch die NutzerInnen
- über 6.000qm attraktive Spiel- und Liegewiese mit Beachvolleyballfeld,
- freibadähnliches Schwimmen und Baden von Frühjahr bis Herbst durch flexible
Öffnung der Südfassade,
- Stabile Eintrittspreise auf dem Niveau der Regionalbäder

Thomas Schmidt, 1. Vorsitzender des in Ohlsdorf beheimateten Hamburger Schwimm-Club r.V. von 1879, sprach von einer positiven Entwicklung: "Der Neubau erfüllt den dringenden Bedarf an mehr Ganzjahreswasserfläche - für uns als Verein eine großartige Nachricht! Wir freuen uns darauf endlich mehr Trainingszeiten nutzen zu können. Die weitere Entwicklung des Schwimmbades wird der HSC sehr eng begleiten.“

Dagegen sieht die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) den Verkauf des Freibades kritisch. Lorenz Teschner, Technischer Leiter: "Ziel muss es sein, Schwimm-Angebote zu erhalten und zu fördern - erst recht im Rahmen der Olympiabewerbung Hamburgs." Der hohe Freizeitwert des Ohlsdorf-Bades dürfe nicht leichtfertig aufgegeben werden.

Bezirksamtsleiter Harald Rösler begrüßte die Pläne als "großen Gewinn" für Hamburg-Nord: „Mit dieser Entscheidung ist das in die Jahre gekommene Ohlsdorf Bad endlich auf Dauer gerettet. Eine Schließung dieses Standortes hätte eine gravierende Verschlechterung des Freizeit- und Sportangebotes für die ganze Region zur Folge gehabt."


Bäderland-Geschäftsführer Dirk Schumaier sagte: „Unser jahrelanges Engagement in Ohlsdorf, zahlreiche alternative Planungsvarianten und unzählige Gespräche und Diskussionen auf allen Ebenen haben sich ausgezahlt. Mit dem ganzjährig zur Verfügung stehenden 50 m Becken und doppelt so vielen Bahnen wie bisher wird ein sportliches und familiäres Schwimmbad entstehen, das für die nächsten Jahrzehnte der Anziehungspunkt für den gesamten Stadtteil sein wird.“

Der Verein "Rettet das Freibaden und Sportschwimmen in Ohlsdorf" kämpft allerdings weiter für den Erhalt des bisherigen Kombibades. Seine Mitglieder hatten im Jahr 2009 - damals noch als eine Bürgerinitiative - durch einen Bürgerentscheid die Baupläne verhindert. Die SPD hatte die BI gegen die Pläne des damals schwarz-grünen Senats unterstützt. Mittlerweile unterstützen SPD und Grüne die Bebauung des Freibades. Gegen eine Senatsanweisung ist ein Bürgerentscheid nicht möglich. "Die vorgelegte Planung ist der Versuch, alten Wein in neuen Schläuchen zu verkaufen! Wir wollen, dass der Charakter des Freibades erhalten bleibt! Die Finanzmittel dafür sind da. ", teilt der Verein auf Wochenblatt-Anfrage mit. Die Koalition aus SPD und Grünen, Bezirksamtsleiter Rösler und Bäderland wählten den Weg der Ignoranz und Konfrontation.

Kritik gegen die Senatsanweisung hagelt es auch vonseiten der CDU: „Während wir versuchen, die Positionen der beteiligten Akteure in einem demokratischen Prozess zusammenzuführen, wird jetzt jede Art der Bürgerbeteiligung per 'Senatsanweisung' ausgehebelt!“, so die Sprecherin für Stadtentwicklung, Elisabeth Voet van Vormizeele. "Das Bezirksparlament in Hamburg-Nord wird nach dem Pergolenviertel nun schon zum zweiten Mal per Senatsanweisung entmachtet und ihm damit jeder Handlungsspielraum genommen, sich für eine verträgliche Bebauung einzusetzen."

Pikanterie am Rande: In seiner Pressemitteilung hatte Bäderland das zu bauende 50-m-Becken als "wettkampftauglich" bezeichnet. Auf Nachfrage des Wochenblatts räumte Bäderland-Sprecher Michael Dietel allerdings ein, dass damit nur schul- oder vereinsinterne Wettkämpfe gemeint seien. Die Wassertiefe beginne bei 1,35 m und falle dann im Verlauf der 50m auf bis zu 3,80 m unterhalb der Sprungtürme ab. Die Schwimmverbände schreiben allerdings bereits für Breitensport-Wettkämpfe 1,80 m und für Spitzensport 2,0 m durchgängige Wassertiefe vor.

Dazu Martin Fischer, sportpolitischer Sprecher der CDU-Bezirksfraktion:
„Da Bäderland auch weiterhin ein Schwimmbad für alle anbieten möchte, sollte nicht am falschen Ende gespart werden. Gesundheitskurse, Schwimmschule, Vereinsarbeit und Badespaß müssen auch in Zukunft möglich sein und in Einklang mit gängigen Sicherheitsvorschriften stehen. Besonders sinnvoll wäre ein Außenbecken, das sich die Bevölkerung ausdrücklich wünscht. Die Bürger sollten dringend mit einbezogen werden, um diesen unausgegorenen Schnellschuss zu verhindern!“ (sta/bcb/ba)







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3 Kommentare
393
Michael Kahnt aus Barmbek | 23.06.2015 | 07:41  
393
Michael Kahnt aus Barmbek | 03.07.2015 | 12:55  
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