Sorge nach Insolvenz in Hamburg

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Das Haus Elisabeth in Farmsen ist eine Einrichtung der „Caritas Hamburg - Wohnen und soziale Dienstleistungen“ Fotos: Schlichtmann
 
Betroffene Seniorin: Gertrud L. (92) aus dem Elisabeth-Haus

Caritas-Pleite trifft 290 Mitarbeiter sowie 665 Mieter und Patienten

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Seit über sechs Jahren lebt Gertrude L. (92) in einem schönen Apartement im Elisabeth-Haus, einer Einrichtung der „Caritas Hamburg - Wohnen und soziale Dienstleistungen“. Die Seniorin ist zufrieden: Rund 500 Euro Warmmiete zahlt sie für ihre 35 Quadratmeter große Einzimmer-Wohnung mit Bad, Balkon und kleiner Küche. Jetzt aber macht sie sich Gedanken über ihre Zukunft. Sie ist, wie viele der Bewohner des Wohn- und Pflegeheimes in Farmsen verunsichert, seit vergangene Woche bekannt wurde, dass die „Caritas - Wohnen und soziale Dienste“ Insolvenz angemeldet hat. Gleich sieben Einrichtungen des katholischen Verbandes sind betroffen, darunter allein fünf Wohn- und Pflegeheime in Hamburg. Neben dem Elisabeth-Haus in Farmsen sind das Haus St. Hildegard in Rothenburgsort, das Haus Johannes XXIII. in Lohbrügge, das Bischof-Ketteler-Haus in Schnelsen sowie das Haus St. Theresien in Altona. „Insgesamt sind 290 Mitarbeiter sowie 445 Pflegepatienten und 220 Mieter in den Service-Wohnbereichen von der Insolvenz mittelbar betroffen, also ingesamt 955 Männer und Frauen“, erklärt Caritas-Sprecher Timo Spiewak. „Trotz großer Anstrengungen hat die Caritas den Verdrängungs-Wettbewerb von Pflegeeinrichtungen nicht auffangen können“, sagt die Hamburger Caritas-Direktorin Maria-Theresia Gräfin von Spee. Mit über 17.000 Pflegebetten gäbe es in Hamburg in diesem Bereich ein Überangebot, so die Direktorin weiter. Die Caritas Pflegen und soziale Dienstleistungen hat in den vergangenen Jahren keine ausreichenden Erträge erzielen können, um die Kosten zu decken. Gräfin von Spee sagt den betroffenen Mitarbeitern sowie den Bewohnern der Pflegeeinrichtungen eine möglichst schnelle Sanierung zu. Zusammen mit Insolvenzverwalter Dr. Sven-Holger Undritz soll nun eine umfassende Bestandsaufnahme vorgenommen werden. Wichtig sei vor allem, den weiteren Betrieb der Einrichtungen zunächst sicher zu stellen. Wie drastisch die negative Kosten-Entwicklung im Caritas-Pflegebereich in den vergangenen Jahren verlaufen ist, unterstreicht diese Aussage: Allein in den Jahren 2010 bis 2013 ist dort ein Defizit von 3,8 Millionen Euro aufgelaufen. Sprecher Timo Spiewak: „Die Kosten entstehen nicht in den Wohnheimen, da sind wir komplett profitabel. Das Problem ist der stationäre Bereich. Dort reichen die Pflegesätze kaum oder gar nicht zur Deckung aus.“
Die stationären Kostensätze sind seit August vergangenen Jahres unverändert. So muss ein Patient im Farmsener Elisabeth-Haus monatlich knapp 1.930 Euro zahlen (ohne Pflegestufe). Mit Pflegestufe 1 reduziert sich der Eigenanteil auf knapp 1.500 Euro, der zusätzliche Anteil der Pflegekasse beträgt in diesem Fall 1.023 Euro. Timo Spiewak: „Problematisch und teuer wird es, wenn Pflegestationen nicht ausgelastet sind - bei uns trifft das leider auf zwei von fünf Häusern zu.“ Bereits Ende letzten Jahres hatte sich die finanzielle Situation bei der Caritas GmbH derart zugespitzt, dass das Erzbistum Hamburg als Sofortmaßnahme ein Darlehen von einer Million Euro gewährte. Ein überzeugendes Sanierungskonzept konnten die Verantwortlichen aber bis Anfang März nicht präsentieren - mit der Insolvenz als Konsequenz.
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