Spiekermanns 48 Kinder

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Heike und Gerd Spiekermann vor ihrem Haus in Eilbek Foto: kg

Der Plattdeutsch-Experte und seine Frau sind Pflegeeltern

Von Karen Grell
Wandsbek. Gerd Spiekermann kennt man aus Funk und Fernsehen. Mit seinen hintersinnigen und ganz alltäglichen Geschichte, die er auf Plattdeutsch „vertellt“ („Hör mal‘n beten to“) hat er sich in die Herzen einer großen Fangemeinde gesprochen und geschrieben. Dass Gerd Spiekermann, 61, und seine Frau Heike seit knapp zwei Jahrzehnten in ihrem Haus in Eilbek Pflegekindern eine vorübergehende Zuflucht bieten, wissen jedoch wohl die wenigsten.
Pflegeeltern sind Eltern auf Zeit und springen immer dann ein, wenn die eigenen Eltern aus unterschiedlichsten Gründen für einen bestimmten Zeitraum ausfallen. „Die Situationen der leiblichen Mütter und Väter, die dazu führen, dass ihre Kinder zu Eltern gebracht werden, die sich für eine Bereitschaftspflege zur Verfügung gestellt haben, sind ganz verschieden“, weiß Ralf Portugall von PFiFF (Pflege- und Patenschaften Fachdienst für Familien). Manche müssen ins Krankenhaus oder zu einer Reha-Maßnahme und haben keine Verwandtschaft vor Ort, auf die sie im Notfall zählen können, andere liegen untereinander im Streit, den sie zunächst ohne die Kinder klären müssen oder sind für eine Zeit lang aufgrund von Überlastung nicht in der Lage die Kinder nach ihren Bedürfnissen zu versorgen.
Sowie ein betroffenes Kind vermittelt werden soll und bei der Familie Spiekermann gerade einer der zwei Pflegeplätze frei ist, kommt neuer Wind ins Haus. „Manches Mal bleibt das Kind nur ein paar Tage, oft aber auch mehrere Monate“, erzählt Heike Spiekermann. Vier eigene Kinder haben Gerd und sie groß gezogen. Platz für zwei weitere Kinder war trotzdem immer. „Wir sind hier eine Gemeinschaft wie in einem Dorf“, beschreiben die beiden die ruhige Seitenstraße in Wandsbek. Das hatte auch stets seine guten Seiten, denn schnell waren sie als Großfamilie bekannt und wurde stets von den Nachbarn unterstützt. 48 Pflegekinder haben bis heute ein vorübergehendes Zuhause bei Spiekermanns gefunden. „Wir wollten einfach Glück weitergeben“, sagt der Familienvater, der sogar schon Opa von drei Enkeln ist.
Bei der Betreuung der Pflegekinder setzt das Ehepaar auf ganz praktische Konzepte. Wichtig seien Zuverlässigkeit und der tägliche Rhythmus, mit dem sie dem Kind Ruhe und Geborgenheit anbieten wollen. Um Eltern auf Zeit zu werden, dafür müsse man vor allem stressresistent sein. Auch nach 48 Pflegekindern bleibe bei jedem Abschied immer ein bisschen Wehmut zurück, “gerade dann, wenn die Kinder viele Monate bei uns verbracht haben, fiel es uns schwer, sie gehen zu lassen“, aber auch das gehöre bei der Bereitschaftspflege dazu. Ziel ist es in erster Linie, dass die Kinder möglichst schnell in die eigene Familie zurückkehren können. „Stärke und Geborgenheit für zusätzliche Kinder, die muss man unbedingt mitbringen“, so Heike Spiekermann, „um Eltern auf Zeit zu werden.“
u Infoabend am 24. September, 19.30 Uhr bei PFIFF Brauhausstieg 15-17. t 410984-60 oder www.pfiff-hamburg.de
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