Sport als Weg zur Inklusion

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Christian Schirrmacher (li.) hat von Bundespräsident Joachim Gauck das Bundesverdienstkreuz erhalten Foto: Meyer

Lehrer Christian Schirrmacher erhält Bundesverdienstkreuz

Hamburg. Anlässlich des Tages der Deutschen Einheit hat Bundespräsident Joachim Gauck dem Rahlstedter Sonderschullehrer Christian Schirrmacher das Bundesverdienstkreuz verliehen. Schirrmacher engagiert sich seit 26 Jahren im Bereich des Inklusionssports. Das WochenBlatt hat ihn interviewt.

WB: Wie hat Sie die Nachricht von der Ordensverleihung durch den Bundespräsidenten erreicht? Wie haben Sie diese Nachricht aufgenommen?
Schirrmacher: Ich erhielt einen Brief vom Bundespräsidialamt. Auch nach der Brieföffnung hielt ich das Ganze für einen Adress-irrtum. Als ich begriff, dass ich gemeint war, war die Freude riesengroß.

WB: Erklären Sie die Chancen des Sports als Weg zu Inklusion.
Schirrmacher: Menschen mit unterschiedlichen geistigen und körperlichen Voraussetzungen treiben gemeinsam Sport. Der Sport macht ihnen bedürfnisgemäße Angebote.
WB: Aus welchen Einsichten, Erfahrungen haben Sie ein schon 1987 Sport als erfolgversprechenden Weg zur Inklusion im Hoisbütteler Sportverein initiiert?
Schirrmacher: Ich musste Anfang der 80ziger Jahre als Gymnasial-sportlehrer an Berufsschulen für Schüler mit Behinderungen eingesetzt werden. So befasste ich mich mit Psychomotorik, um mit diesen Schülern erfolgreich arbeiten zu können. Ein Schlüsselerlebnis war die Begegnung mit einem schwerst behinderten Rollstuhlfahrer. Ich begriff, dass man diesen Menschen helfen muss, aus der gesellschaftlichen Isolation herauszukommen. Meine Initiative in meinem Verein setzte sich durch.

WB: Wie haben Sie den Integrationssport in Hoisbüttel entwickelt?
Schirrmacher: Am Anfang gab es stark besuchte Sporttage von Behinderten und Nichtbehinderten. Heute haben wir dort gebundene Angebote wie Fussball, Boccia, Tischtennis mit Wettbewerben und freie Angebote mit Geräte-landschaft und tänzerischen Übungen.

WB: Sie sind Sportlehrer an der Paracelsusschule in Rahlstedt für Schüler mit geistiger Behinderung. Seit wann? Was motiviert Sie, dort Lehrer zu sein.
Schirrmacher: Seit 1998. Ich begleite meine Schüler dabei, erwachsen zu werden. Der Sport, insbesondere die Wettbewerbe mit Special Olympics, die Olympischen Spiele für geistig Behinderte, bieten niveaugemäße Leistungserfolge, die ihnen helfen Selbstvertrauen zu entwickeln.

WB: Ab wann und wie haben Sie an der Paracelsusschule Sport als Weg zur Inklusion gestaltet?
Schirrmacher: Seit 2001 nehmen unsere Schüler an Wettbewerben „Special Olympics“ teil und erfahren dabei Öffentlichkeit. Es gibt Lauf- und Walkingfeste mit Behinderten und Nichtbehinderten und jährlich Unified Floorballfeste. Der Walddörfer Sportverein hat Unified Schwimmgruppen.

WB: Welche Unterstützung hat der Inklusionsport an der Paracelsusschule von außen erfahren?
Schirrmacher: Die Hamburger Schulbehörde hat der Paracelsusschule das Prädikat „Bewegte Schule“ zuerkannt. Der Verband „Special Olympics“ unterstützt uns. Wir haben den Bildungspreis des Hamburger Abendblatts gewonnen. Es gibt erste Formen der Zusammenarbeit mit der Grundschule Neurahl-stedt. Edeka Bankert fördert uns materiell.

WB: Welche Ziele haben Sie für die Inklusion im Sportverein Hoisbüttel und an der Paracelsusschule?
Schirrmacher: In Hoisbüttel ist Wesentliches erreicht. In Hamburg sollten sich Schulen und Vereine noch mehr dem Sport-Inklusionsgedanken öffnen. Das positive Medienecho auf die Verleihung hin wird für unsere Arbeit sehr hilfreich sein.
Interview: Reinhard Meyer
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