Stadtteilpolizist mit Herz: Hilfe nach Drama

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Andreas Rieck (50) ist Stadtteilpolizist mit Leidenschaft. Ein Leser machte das WochenBlatt auf den „Alltagshelden“ aufmerksam Foto: Kuchenbecker
Barmbek. „Wenn es für jemanden niemanden mehr gibt, wer soll sich denn um denjenigen kümmern, wenn nicht der Stadtteilpolizist?“, sagt Polizeioberkommissar Andreas Rieck (50). Er hat seit einigen Wochen einen besonderen „Schützling“: Henry verlor seinen Bruder, der im Juli beim Angeln in den Isebekkanal gefallen war und ertrank.
Henry ist 55 Jahre alt und lebte bis zum Unfall seines Bruders Thomas mit ihm in einer Wohnung in Barmbek. Werner kümmerte sich um alles, denn Henry gilt als geistig behindert. Der Mann ist hilflos und der Verlust seiner Bezugsperson rief kurzerhand Stadtteilpolizist Andreas Rieck auf den Plan.
Seit gut vier Wochen besucht der Polizeibeamte den Mann täglich in seiner Wohnung. Für Rieck ist diese Aufgabe mittlerweile mehr als nur ein Job. „Ich kannte ihn vom Sehen“, sagt der Polizeibeamte, „doch die beiden Männer haben relativ zurückgezogen gelebt.“ Riecks Engagement ist groß, denn Henry benötigt schnelle, unkonventionelle Hilfe. „Er hatte die Post seit Wochen nicht aufgemacht“, erzählt er, „Henry kann auch nicht lesen und schreiben.“ Neben den sich türmenden Poststapeln war die Wohnung, in der der 55-Jährige lebt, in keinem guten Zustand. Die Toilette funktionierte zwar noch, doch gab es seit längerer Zeit kein warmes Wasser. Der Polizist packte an und half kurzerhand: Er bestellte den Klempner, der den Boiler reparierte; er kümmerte sich um das Mietkonto, damit Henry nicht auch noch die Wohnung verliert. Zudem kaufte er eine Waschmaschine und einen neuen Kühlschrank. Rieck: „Im Kühlschrank befand sich verschimmeltes Essen. Hier musste schnell geholfen werden.“
Zweiter Bruder gefunden
Mittlerweile ist die Wohnung in einem „einigermaßen“ sauberen Zustand. Ein Pflegedienst unterstützt Henry bei seinem Alltag; ein gerichtlich bestellter Betreuer wird derzeit eingesetzt. Das Verfahren läuft. Doch bis es soweit ist, wird sich Rieck um Henry auch weiterhin kümmern. Täglich, mehrere Stunden, wenn es sein muss.
Obwohl Henry seinen älteren Bruder verloren hat, konnte Rieck ihm seinen jüngeren wiedergeben. Der Bürgernahe Beamte: „Es ist uns gelungen den Bruder zu ermitteln. Sie hatten seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zueinander. Nun kümmert auch er sich zusammen mit seiner Frau um Henry.“
Nur eines konnte Andreas Rieck am Ende doch nicht verhindern – Henry wurde jetzt die Wohnung gekündigt. (nk/wb)
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