Steilshoop: Debatte wegen EKZ-Leerstand

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Der Vorplatz des EKZ Steilshoop (Gründgensstraße) macht zu jeder Tageszeit einen verödeten Eindruck Foto: tel

Ist die Grundversorgung gefährdet? Bezirksversammlung Wandsbek diskutiert

Von Michael Hertel
Steilshoop
Auf Antrag der Linken befasst sich die Bezirksversammlung Wandsbek in dieser Woche mit der nach wie vor unbefriedigenden Situation um das Einkaufszentrum Steilshoop. Wie das Wochenblatt bereits mehrfach berichtete, wird die Einkaufspassage zwischen Gründgensstraße und Schreyerring durch den Wegzug von (Fach-)Geschäften immer unattraktiver. Die Linke fordert nun von „Politik und Verwaltung, sich der unhaltbaren Zustände anzunehmen“. „Solange das Einkaufzentrum ein Zentrum des Leerstands bleibt, werden auch diverse Maßnahmen zur Aufwertung des Stadtteils nicht den gewünschten Erfolg bringen“, sagt Julian Georg, Fraktionsvorsitzender der Linken. Seine These: Seit den 1980iger-Jahren sind Millionen an Fördermitteln in den Stadtteil geflossen. Doch der jüngste Sozialindex sieht Steilshoop weiterhin auf dem absteigenden Ast. Georg: „Senat und Bezirksamt müssen sich fragen lassen, ob dieses Geld sinnvoll investiert wurde.“ Er sieht im Ankauf des EKZ durch die Stadt eher eine sinnvolle Investition. Hinter dem EKZ steht der dänische Kaufmann Henrik Nygaard Johansen (73). Dessen überhöhte Mietforderungen tragen laut Georg die Hauptschuld an dem EKZ-Desaster: „Ein ganzer Stadtteil leidet unter der Vernachlässigung durch den Eigentümer.“ Geschätzt stehen mindestens 60 Prozent der Einzelhandelsfläche auf drei Stockwerken leer. Der Kopenhagener Eigentümer, der sich gelegentlich in Steilshoop sehen lässt, hat bislang alle Interview-Anfragen des Wochenblatts mit Schweigen beantwortet. Die Wandsbeker CDU-Bezirksabgeordnete Philipp Hentschel: „Die schlimme Situation um das EKZ führt dazu, dass die Nahversorgung Steilshoops nicht mehr funktioniert, was besonders für ältere Kunden ein Problem ist. Das EKZ konterkariert damit alle Fördermaßnahmen für den Stadtteil.“ Hentschel vermutet hinter dem Geschäftsgebahren Johansens ein Steuersparmodell, sieht jedoch die Politik nur bedingt in Zugzwang: „Hier handelt es sich um Privatrecht. Solange die Sicherheit der Kunden gewährleistet ist, sehe ich kaum Einflussmöglichkeiten.“ Der Steilshooper SPD-Vorsitzende Carsten Heeder zeigt sich verärgert darüber, „wie man ein so komplexes Thema wie die Rise-Förderung derart holzschnittartig und unfair abqualifizieren“ könne: „Mit dieser Förderung kann man Stadtteile sanieren, aber nicht das Gehaltsgefüge vor Ort heben. Außerdem ist es viel zu früh für ein endgültiges Urteil.“ Konkret zum EKZ meint Heeder: „Die Immobilie gilt seit Langem als komplette Fehlplanung. Wir sind offen für Verbesserungsvorschläge. Aber man kann Herrn Johansen zu nichts zwingen.“ Heeder selbst bietet an, zum Thema EKZ Steilshoop eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe zu bilden oder gar ein entsprechendes Gremium auf Verwaltungsebene zu fordern.

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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 16.10.2016 | 11:29  
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