Streit in der Josephstraße

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Die Terrassenhäuser an der Josephstraße stammen aus der Zeit um 1900. Als „Terrassenhäuser“ werden in Hamburg bestimmte Parallel-Bauwerke bezeichnet, die quer zum Straßenverlauf stehen Foto: Glitz

Terrassenhäuser: SPD/Grüne für Erhalt, Genossenschaft für Abriss

Von Rainer Glitz
Wandsbek
Der Bauzaun steht, seit Beginn der Woche ist ein Halteverbot vor den leeren Wohnungen in der Josephstraße 10-18 eingerichtet. Hier will die Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek von 1897 (WHW) ein energieeffizientes Haus mit Klinkerfassade bauen. 66 Wohnungen mit insgesamt 5.000 Quadratmetern Fläche sollen entstehen, 22 davon Sozialwohnungen. Doch eine Baugenehmigung liegt laut Bezirksamtssprecherin Lena Voß noch nicht vor. Hintergrund: Die Wandsbeker Koalition aus SPD und Grünen will die quer zur Straße liegenden Josephterrassen mit ihren Gründerzeitfassaden unbedingt erhalten und deren Abriss verhindern. Die Gebäude stammen aus der Zeit um 1900. „Diese Häuser sind ein städtebauliches Kleinod, von denen uns in Wandsbek nach den Bombardierungen während des Zweiten Weltkrieges nicht viele geblieben sind“, erklärte Rainer Schünemann, Fachsprecher für Stadtplanung der SPD-Fraktion.

Kein Denkmalschutz


Die Josephterrassen prägten das Ortsbild und seien von großer städtebaulicher und geschichtlicher Bedeutung. SPD und Grüne hätten sich bereits 2012 für den Erhalt des Ensembles eingesetzt, die Genossenschaft versuche aber weiterhin, sich durchzusetzen. „Wir bedauern, dass die Genossenschaft die vergangenen drei Jahre nicht genutzt hat, um die Planung zu überarbeiten“, sagte Dennis Paustian-Döscher, Fraktionschef der Wandsbeker Grünen. Die Koalition sei nicht gegen das Gesamtprojekt, da die Terrassenhäuser nur auf einem Teilstück des Baugrundstückes lägen. Eine städtebauliche Erhaltungssatzung soll sie nun schützen.
Die Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek hält eine solche Erhaltungssatzung für unzulässig. Denn für die Häuser in der Josephstraße bestehe kein Denkmalschutz. Es seien einfache Putzbauten, deren Bausubstanz weder Umbauten noch Modernisierungen rechtfertige, erklärte die Genossenschaft auf Nachfrage. Dies belege auch ein Gutachten. Die Gebäude in der kleinen Nebenstraße prägten nicht das Ortsbild und seien auch nicht von städtebaulicher oder künstlerischer Bedeutung.
Im Übrigen habe sich die Bezirksverwaltung für einen Abriss ausgesprochen. Die WHW habe 2014 die meisten Sozialwohnungen aller Hamburger Genossenschaften gebaut, heißt es weiter. Hochwertiger Wohnungsbau mit einem Drittel Sozialwohnungen und darüber hinaus der Erhalt der alten Häuser sei aber finanziell nicht zumutbar. Im Quartier hat sich laut WHW eine Anwohnerinitiative gegründet, die einen zügigen Baubeginn fordert. Die WHW sei an einer gemeinsamen Lösung interessiert. Auch SPD und Grüne suchen das Gespräch.
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