Streit um das „Kriegerdenkmal“

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Das Bramfelder Kriegerdenkmal wurde 1935 errichtet. Heute wird der Platz davor im Sommer auch gern zum Picknicken benutzt Foto: tel
 
Der Bramfelder Granit-Soldat: die Nase wurde vermutlich abgebrochen Foto: tel

Vor dem Volkstrauertag eskaliert Debatte um Schild

Bramfeld Zum diesjährigen Volkstrauertag am Sonntag, 15. November, treffen sich Vertreter des Regionalausschusses zu Feierstunde und Kranzniederlegung am kleinen Bramfelder See. Die Gästeliste „steht“, aber in welcher Form sich der Veranstaltungsort rund um das „Kriegerdenkmal“ präsentieren wird, ist noch unklar. Denn der Streit zwischen dem Heimatverein „up ewig ungedeelt“ von 1895 und dem Arbeitskreis „Denk-mal“ um den Rentner Detlef Hartmann eskaliert.
Es geht um ein etwa zwei mal zwei Meter großes weißes Schild aus witterungsbeständigem Plastik, das dem Gedenken an Opfer der nationalsozialistischen- und Wehrmachts-Justiz gewidmet ist und provokativ vor dem martialischen Granit-Soldaten in seinem Feldstein-Rund aufgestellt wurde. Der CDU-Bezirksabgeordnete und zweite Vorsitzende des Heimatvereins, Olaf Böttger, fordert die Entfernung des Schildes vor der Gedenkfeier. „Wir denken nicht daran“, gab Hartmann auf der letzten Regionalausschusssitzung bekannt.
Die Vorgeschichte: Das 1935 in der Nazizeit am kleinen Bramfelder See errichtete Denkmal des Bildhauers Karl Schurig war noch vor Jahren Treffpunkt von Neonazis. Um diesen Spuk zu vertreiben, beschlossen die demokratischen Parteien im Regionalausschuss, zum Volkstrauertag ein eigenes Gedenken zu veranstalten. Daneben setzte sich der private Arbeitskreis um Detlef Hartmann (67) das Ziel, einen „Platz zur Trauer um die Opfer des Faschismus, für Frieden und Völkerverständigung“ zu schaffen. Dem sollte das beschriebene weiße Schild dienen, das – so Hartmann – mit Billigung des Denkmalschutzes aufgestellt wurde. Inzwischen hat der Regionalausschuss per Vertrag den Bramfelder Heimatverein mit der „Pflegschaft“ des Denkmals betraut. Die „Ungedeelten“ sollen sich um die Sauberkeit des Platzes, aber auch die Erhaltung des Denkmals verdient machen, freilich immer in Rücksprache mit dem Regionalausschuss und einem vom Bezirksamt gebildeten Arbeitskreis Denkmal, die Ideen zu einer dauerhaften Gestaltung der Gedenkstätte ausarbeiten sollen. „Das von der Hartmann-Gruppe aufgestellte Schild ist nur ein Vorschlag. Man kann nicht einfach vollendete Tatsachen schaffen. Ich habe deshalb beim Vorsitzenden des Regionalausschusses beantragt, das Schild zur Feier zu entfernen“, erklärt Böttger. Der Ausschussvorsitzende Dennis Paustian-Döscher (Grüne) weiß von einem solchen schriftlichen Antrag nichts und will jetzt auch keine „Provokation gegenüber der Hartmann-Gruppe“ zulassen: „Ich muss erst mal rechtlich prüfen, ob das Schild entfernt werden kann“, sagt Paustian-Döscher dem Wochenblatt und hofft auf eine befriedigende Gesamtlösung. Am 12. November (18 Uhr, Schule Surenland) trifft sich der Regionalausschuss noch einmal vor dem Volkstrauertag. Es könnte eine turbulente Sitzung werden. (tel)

Kommentar: Gedenken nicht entwerten
Irgendwo haben beide Seiten Recht. Der überlebensgroße martialische Bramfelder Granitsoldat von 1935 erinnert an das sogenannte 76-er Denkmal vom Stephansplatz (1936) mit seiner fatalen Inschrift „Deutschland muss leben und wenn wir sterben müssen“. Aber „Nazi-Kunst“ einfach zu schleifen oder hinter einem großen provisorisch anmutenden Schild zu verstecken, wäre wirklich zu einfach. Hier muss eine sensible, politisch wie künstlerisch überzeugende Lösung her. Und das braucht Zeit. Derweil sollten zum Volkstrauertag die Kontrahenten auf die Durchsetzung von Maximalforderungen („Das Schild muss weg!“; „Das Schild bleibt!“) verzichten. Das Gedenken darf nicht durch bitteren Streit unter Demokraten entwertet werden. Ein Vorschlag: Der Heimatverein zieht seine Forderung nach Beseitigung des Schildes zurück. Dafür entfernt die Hartmann-Gruppe – aus eigenem Willen und nur während der Feier – ihre Hinweistafel. (Michael Hertel)
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2 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 28.10.2015 | 15:58  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 30.10.2015 | 11:42  
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