Streit um Namen

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Grünen-Politikerin Cornelia Stoye kämpft seit Jahren für eine Umbenennung von Straßennamen, die an Untaten in ehemaligen deutschen Kolonien erinnern.Foto: Bätz

Wandsbeker Koalition will „Kolonial“-Straßen umbenennen

Von Hubert Bätz
Jenfeld. Straßennamen sind häufig mit der deutschen Historie verknüpft. Oftmals zeigt ihre Namensgebung, wie Geschichte interpretiert wird. Und diese Interpretationen wechseln im Laufe der Geschichte. Was gestern unter bestimmten politischen Vorzeichen noch positiv galt, kann zu anderer Zeit negativ gewertet werden. So ist es heute mit Straßen, die nach Personen der deutschen Kolonialzeit benannt sind.
Aus diesem Grund wurden und werden häufig in Deutschland in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, besonders aber seit dem Jahr 2000, „Kolonial-Straßen“, die nach Lettow-Vorbeck, Hans Dominik, Carl Peters, Lothar von Trotha oder Hermann von Wißmann, umbenannt.

Ein brisanter
Vorschlag

Nicht immer geht eine Umbenennung ohne Streit in der Bevölkerung und in der Politik ab.
Daher ist der kürzlich in der Wandsbeker Bezirksversammlung eingebrachte Vorschlag der Wandsbeker Koalition aus Sozialdemokraten und Grünen, die Jenfelder Straßen Dominikweg und Wißmannstraße umzubenennen, nicht ohne Brisanz.
Auch wenn beide Parteien die Bewohner beider Straßen einbeziehen und mit ihnen gemeinsam dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte aufarbeiten wollen. Cornelia Stoye (Grüne): „Es wird eine Informationsveranstaltung mit einem externen Moderator und Vertretern aller Fraktionen geben.“

Anwohner sollen
mitreden

In der Bezirksversammlung selbst gab es keinen Streit, der interfraktionelle Antrag von SPD und Grüne wurde ohne Gegenstimmen angenommen. Zurück zu führen ist das wohl auch darauf, dass es bereits in den letzten Jahren vor dem Wechsel zur heutigen Regierungskoalition in Wandsbek intensive Diskussionen um die deutsche Kolonialgeschichte und um Straßennamen, Denkmäler im Bezirk Wandsbek, insbesondere in Jenfeld mit seiner Lettow-Vorbeck-Bundeswehrkaserne oder dem Wandsbeker Schimmelmann-Denkmal gegeben hatte. An diese Auseinandersetzungen erinnerte Dr. Klaus Fischer (FDP) in seinem Redebeitrag: „Weil wir heute ein differenzierteres Geschichtsbild zur Kolonialgeschichte haben, können wir mit dieser geplanten Umbenennung besser umgehen.“ Eckhard Graage (CDU) sagte: „Wir haben nichts gegen eine solche Umbenennung, allerdings sollte eine solche Namensgebung schon einen Bezug, wenn vielleicht auch anderen, an die früheren Straßenschilder, haben.“

Zynische Erinnerung

Cornelia Stoye freute sich über das Ergebnis der Abstimmung, sie erklärte allerdings nochmals deutlich, warum Grüne und SPD für eine Umbenennung eintreten: „Durch diese Namen werden in Hamburg lebende Afrikaner täglich auf zynische Weise an das Leid ihrer Vorfahren erinnert. Das ist eine Tatsache, die besonders in einer Zeit der Städtepartnerschaften und der Zuwanderung von Afrikanern nicht akzeptabel ist. Schon gar nicht im Jahr 2012 und zu einer Zeit in der Hamburg mit dem tansaniaischem Daressalam eine Städtepartnerschaft pflegt“. (hbz)
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