Streit um Straßennamen

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Anwohner der Wißmannstraße wehren sich gegen die beschlossene Umbenennung Foto: Glitz

Anwohner gegen Umbenennung der Wißmannstraße

Von Rainer Glitz
Jenfeld. Die Kolonialzeit zwischen 1884 und 1918 zählt zu den dunkleren Kapiteln der Deutschen Geschichte. Gleichwohl gibt es nach wie vor Straßen, die nach Militärs oder Geschäftsleuten aus dieser Zeit benannt sind. Besonders häufig sind solche „kolonialen“ Namen in Wandsbek und Jenfeld.
Allein vier Straßen sind nach dem Sklavenhändler Heinrich Carl Schimmelmann benannt. Dazu kommt die Neumann-Reichhardt-Straße, Namensgeber war eine Kakaofirma, die in Kamerun ihre Arbeiter unter üblen Bedingungen schuften ließ. Der Dominikweg ist nach dem Offizier der kaiserlichen Truppen in Kamerun Hans Dominik benannt. Und Namensgeber der Wißmannstraße ist Hermann von Wissmann, der die militärische Machtübernahme im damaligen Deutsch-Ostafrika einleitete. Dominikweg und Wißmannstraße sollen nach einstimmigem Beschluss der Bezirksversammlung Wandsbek umbenannt werden.
Vor einem Jahr fiel das Votum, umgesetzt ist die Umbenennung noch nicht. Und jetzt haben sich die Anwohner der Wißmannstraße mit einem Brief und einer Unterschriftensammlung an die Bezirksversammlung gewandt. „Wir stehen zu unserem Straßennamen!“ heißt es darin. Kein Passant habe sich jemals über den Namen beschwert, Hermann von Wissmann sei wenig bekannt und solle keinesfalls geehrt werden. Er sei schlicht Teil der deutschen Geschichte. Es gebe wichtigere Probleme als eine Umbenennung, schreiben die Anwohner der Wandsbeker Wohnstraße, etwa kaputte Bürgersteige oder fehlende Radwege.
Die Wandsbeker schlagen vor, ein zusätzliches Informationsschild unterhalb des Straßenschildes anzubringen, das Anregungen zur Geschichte gibt. „Eine Umbenennung hingegen sähe ganz nach dem Versuch einer Geschichtsvernichtung aus“, heißt es weiter. Die Anwohner der Wißmannstraße kritisieren außerdem, dass sie nicht vom Bezirk informiert worden seien und eine versprochene öffentliche Anhörung niemals stattgefunden habe. Die Straße hieß übrigens bis 1950 Wrangelstraße, es wäre also bereits die zweite Umbenennung. Auch der Dominikweg beschäftigt die Bezirkspolitiker weiter: Vorletzter Punkt auf der aktuellen Tagesordnung der Bezirksversammlung (Donnerstag, 14. 11., 18 Uhr, Bürgersaal Wandsbek Poststraße) ist die Frage, wer der Namensgeber ist. Es gibt nämlich einen namensgleichen Science-
Fiction-Autoren. (rg)
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1 Kommentar
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Rainer Schünemann aus Marienthal | 14.11.2013 | 10:41  
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