Tee als Kulturvermittler

Anzeige
Sami Khokhar ist Initiator des Teemobils Foto: Christa Möller

Mobiles Ausschank-Team sorgt für Wärme, Abwechslung und Kontakte

Von Christa Möller
Wandsbek
In schwierigen Zeiten ist ein Becher Tee ein probates Beruhigungsmittel. Das weiß auch Sami Khokhar aus Tonndorf, der im Herbst vergangenen Jahres ein ganz besonderes Projekt ins Leben gerufen hat: Das Teemobil. Der durch Spenden finanzierte Kleinbus kommt voll beladen mit Tee und Kaffeepulver, Zucker, Obst und Süßigkeiten zur Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber an der Oktaviostraße in Wandsbek. Dort schenken Ehrenamtliche zweimal wöchentlich von 20 bis 21 Uhr Tee an die Bewohner aus und bringen so ein bisschen Wärme und Abwechslung in ihren Alltag Der 32-jährige Hamburger, dessen Frau ebenfalls in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, spricht Deutsch und Urdu. Er hat einen pakistanischen Vater, der vor vielen Jahren aus religiösen Gründen fliehen musste, seine Mutter stammt aus Oberschlesien.

An 17 Standorten in Hamburg vertreten


Seit Juli vergangenen Jahres hilft der IT-Dienstleister Flüchtlingen, war unter anderem am Jenfelder Moorpark, in Harburg und am Hauptbahnhof im Einsatz. Dort sah der Vater dreier Kinder viele Menschen, die auf sich allein gestellt waren. So kam er auf die Idee mit dem Teemobil. Über die islamische Ahmadiyya-Gemeinde organisierte er ein Helferteam, das zunächst Ein-Liter-Kannen im Einsatz hatte, mittlerweile aber große 30-Liter-Kocher nutzt. Was klein begann, hat sich gut entwickelt: „Wir sind aktuell an 17 Standorten in Hamburg“, sagt der Ideengeber, der sein Projekt koordiniert und noch weiter ausbauen möchte. Natürlich erfolgt der Einsatz immer in Absprache mit den Unterkünften. Wer dort die Essenszeiten verpasst, hat Pech gehabt, weiß Sami Khokhar. Da sind ein heißes Getränk und ein paar Kekse willkommen, und eine gute Kontaktmöglichkeit bietet das Teemobil außerdem. „Es hat sich so entwickelt, dass es gar nicht mehr der Tee ist, der im Mittelpunkt steht, sondern das Kommunikative, Integrative. Die Menschen wollen sich mit uns auf Deutsch unterhalten.“ Serviert wird mittlerweile nicht mehr vor der Unterkunft, sondern in der Cafeteria, wo es für die Kinder übrigens die Möglichkeit zum Malen gibt. Das Fahrzeug dient nur noch dem Transport. Die Helfer, die sein Projekt unterstützen, kommen teilweise auch aus der Nachbarschaft der Einrichtungen aber auch aus ganz Hamburg. Manche fahren von Barmbek nach Bergedorf oder von Halstenbek nach Hamm, um zu helfen. Das Teemobil ist auf weitere Helfer und auch Spenden angewiesen. Es ist ein perfekter Einstieg, um mit Flüchtlingen in Kontakt zu kommen. Wer sich an einer der Ausgabestellen engagieren möchte, sollte für Vorbereitung und Ausschank rund zwei Stunden einplanen. Tee ist mittlerweile in ausreichender Menge vorhanden. Sami Khokhar und seine Unterstützer freuen sich jedoch über Kaffeepulver, Instantkakao, Zucker, Honig, Kekse, Schokolade, Obst, Salzstangen und Pistazien. „Wir haben auch Lagermöglichkeiten für größere Spenden“, bittet er um weitere Unterstützung. „Wir suchen Bäckereien, die uns abends ihre Backwaren übergeben“, so Khokhar, der jeden Tag 60 Helfer aus verschiedenstern Nationen im Einsatz hat.

Vereinsgründung geplant


In Hamburg gibt es insgesamt 39 Notunterkünfte, es besteht also durchaus noch mehr Bedarf für den Einsatz des Teemobils. „Wir geben Gas“, sagt Sami Khokhar, der die Gründung eines Vereins plant und nicht nur die Lage der Flüchtlinge im Blick hat: „Was nicht verteilt werden kann, wird an die Obdachlosenhilfe weitergegeben.“

Weitere Infos: www.teemobil.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige