Thomaskirche in Meiendorf weiter besetzt

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Der Kirchturm mit dem vom Sturm zerzausten Banner der Jugendkirche Foto: rdm
 
Text auf dem Banner: Es gibt keine Freiheit, wenn wir sie uns nicht nehmen Foto: rdm
Hamburg: Meiendorfer Straße |

Kirchenkreis Hamburg Ost duldet die Aktivisten bis 31. Juli. Dann müssen sie Konzept liefern

Reinhard Meyer
Meiendorf
Am ersten Juniwochenende wurde die Jugendkirche Rahlstedt an der Meiendorfer Straße von Jugendlichen und jungen Erwachsenen besetzt (das Wochenblatt berichtete). Propst Buhl verabredete mit den jugendlichen Besetzern einerseits den Verzicht auf Polizei und andererseits zügige gemeinsame Gespräche. Am 7. Juni wurde zwischen dem Kirchenkreis Hamburg Ost und Vertretern der Besetzergruppe das Ende der Besetzung und eine geduldete Nutzung der Jugendkirche bis zum 31. Juli vereinbart. Die Initiativgruppe kann Jugendlichen aus dem räumlichem Umfeld bis zu diesem Datum nicht kommerzielle Angebote machen. Sie muss aber auch bis dann eine rechtlich verbindliche Basis für einen Mietvertrag und die geklärte Frage der Finanzierung vorlegen – dann ist eine temporäre Verlängerung der Nutzung möglich.

Öffentliche Sitzung ohne Ergebnis

Am Freitag, dem 9. Juni, lud das Plenum der Initiative zu einer öffentlichen Sitzung in der Kirche ein. Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ekkehard Wysokki nahm daran teil. Das Plenum versuchte Grundsatzfragen zu klären wie Aufgabenverteilung und Programmatik – allerdings ergebnislos. Dazu Ekkehard Wysokki: „Ich habe die Möglichkeit genutzt, im ‚offenen Plenum‘ mit den Jugendlichen vor Ort über ihr Anliegen zu diskutieren. Ich hoffe, dass sie in der Lage sind, bis Ende Juli ein Konzept zu entwickeln, mit dem eine weitere Nutzung besprochen werden kann.“ Das Plenum tagt wieder am 12. Juni, in einer nichtöffentlicher Sitzung.

Raum für politische Bildung und Selbstfindung

In einer Presseerklärung formuieren die Aktivisten ihr Ziel so: „Errichtung eines selbstverwalteten sozialen Zentrums, das jeder/m Interessierten altersunabhängig offensteht. Dabei setzen wir eine gewisse Achtsamkeit gegenüber den Mitmenschen und unserem Selbstverständnis voraus“. Dieses Selbstverständnis werde gerade auf den Hausplena ausformuliert. Das Projekt möchte unkommerziell sein, auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Gentrifizierung und der steigenden Mieten in Hamburg und dem Großteil der Städte weltweit. „Gerade im Nordosten Hamburgs fehlte bisher ein Raum für politische Bildung und Selbstfindung“, betont Aktivistin Steffi.

Umsonstladen, Bibliothek, Gewächshaus

Eine kurze Besichtigung des Kirchgeländes am Sonntagabend verlief überraschend. Eine junge Frau lud sehr freundlich – offensichtlich mit Zustimmung von Mitstreitern – zur Führung über das Gelände und in die Kirche ein. Inzwischen gibt es einen kleinen Umsonstladen und einen Infotisch im Flur. Über zwei Treppen gelangt man in die Freiraum-Bibliothek, für die jederzeit Bücherspenden angenommen werden. „Wir arbeiten derzeit an einem Leihsystem, damit die Bücher nicht einfach verschwinden und wir immer einen Überblick über den Bestand haben“, erzählt Emma, die an der Bibliothek mitarbeitet. In einem Gewächshaus wachsen Erdbeeren, Tomaten, Kapuzinerkresse, in den Beeten Kartoffeln und Radieschen. Dahinter ein Zelt als Übernachtungsmöglichkeit – im Gebäude selbst darf nicht übernachtet werden. Die meisten der etwa 30 Unterstützer übernachten zuhause. Die jungen Leute in der Jugendkirche waren aufgeschlossen und auskunftsbereit, allerdings weniger bei Auskünften über Personen. Die Initiative hat sich über das Internet zusammengefunden.

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