Tödliches Drama beim Wandsbeker Oktoberfest

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GHB wirkt dosisabhängig und individuell sehr verschieden Foto: Anja Wichmann, bearbeitet Gerd Altmann/pixelio.de

Besucher starb nach Konsum von Bier mit K.O.-Tropfen / Richter verurteilt Freundin zu einer Geldstrafe

Von Martin Jenssen
Wandsbek. Das Zeug ist absolut ekelhaft. Es nennt sich Gamma-Butyrolacton (GBL), schmeckt seifenartig und salzig. Es ist eine extrem ätzende Flüssigkeit. GBL dient als Reinigungsmittel. Trotzdem schlucken es viele junge Leute, weil das eklige Zeug auch noch eine andere Wirkung hat: Es dient als Sex- und Partydroge. Im Körper verwandelt es sich zu Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB),
besser bekannt als „Liquid
Ecstasy“ oder Ko-Tropfen.
Es sollte ein „Kick“ sein
Während einer Feier am 30. September auf dem Wandsbeker Oktoberfest suchten Stefan R. (39), seine Freundin Karina K. (33) und der Metallbauer Dennis D. (41) den besonderen „Kick“. Sie kippten sich einige Tropfen des Rauschmittels in die Maß Bier. Die Feier wurde immer ausgelassener. Gegen 24 Uhr wurden die Pforten des Bayerischen Festzeltes auf dem Wandsbeker Markt geschlossen. Für Stefan R., Karina K. und Dennis D. ging die Party in der Wohnung des Metallbauers weiter. Karina K. soll dabei erneut Rauschmittel in die Getränke geträufelt haben. Möglicherweise ein paar Tropfen zu viel. Dennis D. fand seinen Freund Stefan am Vormittag des 1. Oktober tot in seiner Küche. Die Gerichtsmediziner stellten fest: Gestorben an einer Überdosis GBL.
Vor dem Wandsbeker Amtsgericht musste sich jetzt Karina K. verantworten. Die Staatsanwaltschaft warf ihr einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz vor. Die arbeitslose Bürokauffrau schwieg zu diesen Vorwürfen. Belastet wurde sie von Dennis D., der als Zeuge berichtete, dass sein Freund Stefan häufiger Liquid Ecstasy von der Angeklagten bezogen habe.

Angeklagte schweigt zu den Ereignissen

Während der Feier in seiner Wohnung, so Dennis D., habe er sich gegen 2.00 Uhr in sein Schlafzimmer verzogen, während Stefan R. und Karina K weiter feierten,. Das Rauschgift habe ihn nicht begeistert. Der Zeuge: „Außerdem wollte ich am nächsten Tag fit sein. Die Hochzeit meiner Schwester stand bevor.“ Der Metallbauer weiter: „Doch der nächste Tag war überhaupt nicht prickelnd. Stefan lag tot in meiner Wohnung. Das hat mich aus der Bahn geschmissen.“
Auch Philipp S. (33), einer der besten Freunde von Stefan R., belastet die Angeklagte. Der Textilkaufmann: „Stefan hatte mir gesagt, dass Karina zum Oktoberfest Drogen mitbringen würde, um allen ein bisschen mehr Spaß zu bereiten. Ich selbst habe keine Drogen genommen. Meine Freunde habe ich davor gewarnt. Es hat sie nicht beeindruckt. Sie wussten, um was es geht, ahnten aber nicht, was das für Folgen haben könnte.“
Philipp S. bestätigte, dass Stefan R. begeistert von Liquid Ecstasy war. Der Zeuge: „Er hatte über diesen Stoff gejubelt und gesagt: Das ist endlich mal ein Rauschgift, das ich nehmen kann, ohne meinen Führerschein zu riskieren.“
Tatsächlich ist der Besitz von GBL nicht strafbar. Das Rauschgift bewirkt unter anderem, dass man Hemmungen verliert oder die Konsumenten neben sich stehen, sich selbst von außen beim Feiern oder beim Sex zusehen. Andere Symptome sind Brechreiz und Bewusstseinsverlust.
Karina K. verriet nicht, was sich nachts in der Wohnung von
Dennis D. zugetragen hat. Für den Tod von Stefan R. konnte das Gericht die Angeklagte nicht haftbar machen. Bestraft wurde sie für die „unerlaubte Anwendung von Arzneimitteln bei anderen“ und wegen Rauschgiftbesitz. Bei einer Hausdurchsuchung hatte die Polizei eine minimale Menge von Kokain in ihrem Zimmer gefunden. Das Gericht verurteilte Karina K. für die Vergehen zu einer Geldstrafe von 1100 Euro. Amtsrichter Paschke in der Urteilsbegründung: „Für den Tod des Opfers können Sie nicht verantwortlich gemacht werden. Es war eine Verknüpfung unglücklicher Umstände.“
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