Tschüss denn!

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NDR 90,3-Urgestein Gerd Spiekermann hört Ende des Monats als Redakteur auf Foto: Glitz

NDR-Moderator hört auf. Mit eigenem Programm auf Tour

Von Rainer Glitz
Wandsbek
„In der Ausschreibung stand: Der Kandidat muss die niederdeutsche Sprache in Wort und Schrift beherrschen. Und das tat ich. Das ist jetzt 30 Jahre her“, erzählt Gerd Spiekermann über seine Anfänge beim NDR in Hamburg.
Als Plattdeutsch-Redakteur sollte er sich neue Radiosendungen ausdenken, und das tat er. Mit „Wi snackt platt“ am Sonntag ging es los, es folgten die Comedyserie „Frau Kessler“, „Platt für Anfänger“ und „Knapp op Platt“, das Hafenkonzert und „Sonntakte“, und natürlich „hör mal’n beten to“. Allein für diesen Klassiker schrieb er mehr als 1.000 Folgen. „Ich habe immer einen Kugelschreiber bei mir und ein Stück Papier, auch auf dem Nachtschrank, weil mir kurz vor dem Einschlafen gelegentlich ganz gute Ideen kommen“, erklärt der 63-Jährige seine Arbeitsweise. Die Pointe am Ende einer jeden Folge, das sei die eigentliche Arbeit.
Die Arbeit beim NDR sei sein Traumjob, bekennt Gerd Spiekermann, der in der elterlichen Kneipe in der Wesermarsch aufwuchs. „Im Nachhinein kann ich mir nichts anderes vorstellen, ich konnte beim NDR meine Talente einbringen. Erzählen, auf Leute zugehen, sie zum Sprechen bringen“, sagt er bei einer Tasse Tee auf der Terrasse seines Reihenhauses in Wandsbek. „Insofern fällt es mir nicht ganz leicht, aufzuhören“, gibt er zu.  Aber noch seien er und seine Frau gesund und  hätten noch Einiges vor. „Wir wollen ein halbes Jahr nach Argentinien gehen. Wir lernen schon fleißig Spanisch“, sagt Spiekermann, der zahlreiche Bücher schrieb und seit Jahren mit einem eigenen Programm im ganzen Norden auftritt. Das will er weiterhin machen. Er sei im Herbst schon gut gebucht, sein Schwiegersohn bastle gerade eine eigene Homepage. „Ich bin eine bekennende Rampensau. Ich mag vor Publikum stehen, ich finde es toll, wenn die Leute anfangen zu lachen.“
In seine Programme hat er auch Elemente von Comedy und Kabarett eingebaut. Sein großes Vorbild bleibe der 2005 verstorbene Kabarettist Hanns Dieter Hüsch. Als Missionar für die plattdeutsche Sprache sieht Gerd Spiekermann sich übrigens nicht. „Das ist nicht mein Ding, ich erzähle nur Geschichten. Plattdeutsch kann man nicht durch Radio, Fernsehen oder Lesungen retten“, lautet sein Credo. Die Sprache  könne nur in den Familien gerettet werden, wenn Eltern mit ihren Kindern platt reden. „Wir können nur unterstützen“, gibt er zu bedenken. Auch in der Zeit nach dem NDR gehört für den 63-Jährigen eine gewisse Unruhe zum Leben dazu, wie er sagt. Das liegt auch an den vier Kindern und demnächst vier Enkeln. Und: Bei den Spiekermanns leben weiterhin Pflegekinder. Mittlerweile Nummer 54 und 55.
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