„Türkisch-Unterricht in Hamburg ausbauen“

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Schulsenator Ties Rabe (2.v.r.) und der türkische Erziehungsminister Nabi Avci (3.v.l.) mit Schülern der Stadtteilschule am Hafen in Hamburg-Altona Fotos: Wulf
 
Bilge Yörenc, Vorsitzende des türkischen Lehrervereins Hamburg, kritisiert die Abschaffung des Türkisch-Studiengangs

Schulsenator lobt deutsch-türkische Klassen an 33 Schulen. Aber: Uni will Studiengang einstellen

Von Mai-Britt Wulf

In Hamburg wird Türkisch erfolgreich an vielen Schulen unterrichtet. Jetzt unterzeichneten der Hamburger Schulsenator und der türkische Erziehungsminister in der bilingualen Grundschule Lämmersieth ein Kooperationsprotokoll, um die bilingualen deutsch-türkischen Klassen fortzuführen. Gleichzeitig gibt es in Hamburg Protest gegen die geplante Einstellung des Studiengangs Lehramt
Türkisch.

Kooperationsvertrag

„Ohne Zuwanderung wäre unsere Stadt arm und leer“, sagte Schulsenator Ties Rabe. Etwa 45 Prozent aller Hamburger Grundschüler haben einen Migrationshintergrund. Am häufigsten einen türkischen und so sprechen circa 15.000 Schüler Türkisch. Zudem gilt Türkisch als zweit meist gesprochene Sprache in Deutschland.
Rabe unterzeichnete gemeinsam mit dem türkischen Erziehungsminister Nabi Avci ein Kooperationsprotokoll, das die Fortsetzung der bilingualen deutsch-türkischen Schulzüge in Hamburg garantiert. In Hamburg wird Türkisch an 25 Grundschulen, sieben Stadtteilschulen und einem Gymnasium angeboten. „Wir sind auf einem guten Weg und wollen ihn weiter ausbauen“, so Ties Rabe.

Türkisch am Lämmersieth

In der Grundschule Lämmersieth wird Türkisch seit 2003 angeboten. Aynur Öztürk ist Klassenlehrerin einer 2. Klasse des deutsch-türkischen Zweigs. „An unserer Schule wird Vielfalt gelebt“, sagt sie. Ihre Klasse besteht je zur Hälfte aus deutsch- und türkischsprachigen Kindern. Gemeinsam mit einer Lehrerin aus der Türkei unterrichtet Öztürk ihre Klasse. Beide Lehrkräfte sprechen sowohl Deutsch als auch Türkisch. Ein Klassenlehrer wird von der Stadt Hamburg angestellt, der andere vom türkischen Erziehungsministerium. Türkisch wird als zusätzliches Fach mit vier Wochenstunden unterrichtet. Im Sachunterricht werden beispielsweise beide Sprachen gesprochen. „Am Ende der Klasse 4 beherrschen die deutschen Kinder meist einen kleinen Wortschatz und können einfach Sätze bilden“, berichtet Öztürk. Die Schule Lämmersieth hat einen Schüleraustausch nach
Antalya.

Hochschule: Zu wenig Geld, geringe Nachfrage

Am Tag der Protokollunterzeichnung gab es in der Hamburger Bürgerschaft Protest gegen die geplante Einstellung des Türkisch-Studiengangs. Der Präsident der Universität Hamburg hatte entschieden, dass vom kommenden Wintersemester an keine neuen Studenten für das Fach aufgenommen werden. Gleichzeitig forderte er die zuständige Fakultät auf, ein Verfahren zur Einstellung des Studiengangs einzuleiten. Die Hochschule begründet diesen Schritt mit mangelnden personellen und finanziellen Ressourcen sowie geringer Nachfrage von Seiten der Studenten und der Schulbehörde. In Hamburg werden seit 20 Jahren Türkischlehrer ausgebildet. Derzeit ist die Hansestadt bundesweit die einzige Hochschule, die sowohl Bachelor- als auch Master- Teilstudiengänge Türkisch anbietet. Im Juni 2014 gab es 128 Türkisch-Lehramtsstudenten in der Hansestadt. Grünen-Schulexpertin Stefanie von Berg sagte, dass es unverständlich sei, dass die Universität ein Alleinstellungsmerkmal aufgebe und wörtlich: „Ich halte die Einstellung für einen gesellschaftspolitischen Skandal.“ In der türkischen Gemeinschaft regt sich Protest gegen diese Entscheidung. Bilge Yörenc, Vorsitzende des türkischen Lehrervereins, sagte, die türkischen Vereine und Gemeinden in Hamburg seien mit der Einstellung nicht einverstanden. „Das ist eine tolle Ausbildung und der Bedarf an Türkischlehrern ist da.“
Schulsenator Ties Rabe und der türkische Erziehungsminister betonten, dass sie sich für den Erhalt der Türkisch-Ausbildung werden.
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