Undurchsichtige Geschäfte mitten in Jenfeld

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Der Markt ist über und über mit Graffiti versehen Foto: Frank Berno Timm
 
Hier wird geparkt, Müll abgeladen. Aber eigentlich will jemand bauen Foto: fbt

Nachbarn vermuten Dealer auf Grundstück. Behörden gehen gegen Müll vor

Von Frank Berno Timm
Jenfeld
Mitten im Stadtteil hat sich das Grundstück eines früheren Lebensmittelmarkts möglicherweise zu einem Treffpunkt für Dealer entwickelt – eine Bestätigung der Behörden gibt es allerdings dafür nicht. Für das Gelände gibt es nach Auskunft des Bezirksamts eine Bauvoranfrage. Außerdem wird etwas gegen die Vermüllung unternommen. Zwei Jungs stehen an der Bushaltestelle. Der eine schaut auf sein Handy, der andere wirkt irgendwie teilnahmslos. Nur wenige Augenblicke später sind sie auf dem Grundstück Charlottenburger Straße 10 verschwunden. Am früheren Markt für polnische und russische Spezialitäten hat sich nicht nur Müll angesammelt, es laufen auch, wie Heinz Müller und seine Frau Eva (Namen geändert) erzählen, jeden Tag Drogengeschäfte ab. „Geld gegen Plastiktütchen“, sagt Müller, das habe er gesehen. Spreche man die Leute an, werde man nur ausgelacht: „Jeder macht da, was er will“. Die „Kunden“ der illegalen Geschäfte kämen aus der Nachbarschaft – von erwachsenen Dealern und Jugendlichen ist die Rede. Unbekannte haben, obwohl sie zunächst von der Polizei daran gehindert wurden, eine Scheibe an dem früheren Markt eingeschlagen, nun kann man hinein. Dass Leute auf dem verlassenen Grundstück immer wieder ihre Notdurft verrichten, ist noch vergleichsweise harmlos: Ärgerlicher ist schon, dass laut Müller schon mal ein Ölwechsel erledigt wird. Grundschüler, erzählen die Nachbarn, haben hier den Müll aufgeräumt, „das müsste mal lobend erwähnt werden“. Die Müllers erzählen weiter, dass der Markt seit „zwei, drei Jahren“ aufgegeben ist. Früher habe dort jemand nach dem rechten gesehen, das müssen die Jenfelder nun selbst erledigen. Das Gebäude ist über und über mit Graffiti verziert, es macht einen verfallenen und ungepflegten Eindruck. Manches von den Beobachtungen der Nachbarn scheint sich zu bestätigen, die Erhellung der Hintergründe, warum es hier so aussieht, stellt sich als ziemlich schwierig heraus. Aus dem Stadtteilbüro ist zu hören, benachbarte Vermieter seien über die Zustände alles andere als erfreut. Es gebe regelmäßige Streifen, aber seit sechs Monaten keinen Kontakt zum Eigentümer. Über Drogen sei nichts bekannt. Auch das Bezirksamt Wandsbek weiß nichts von Rauschgiftgeschäften. Allerdings habe man ein Verfahren nach Paragraph 76 der Hamburgischen Bauordnung eingeleitet. Man wolle so erreichen, dass der „Unrat im Bereich der vorderen Stellplatzanlage“ entfernt wird. Dazu sei eine Anhörung versandt worden, die Reaktion des Besitzers „bleibt abzuwarten“. Außerdem liege für das Grundstück eine Bauvoranfrage vor, über deren Inhalt sich das Bezirksamt erst äußern will, wenn darüber entschieden wurde. Eine Ortsbegehung nach Beschwerden der Nachbarn habe ergeben, dass eine „Gefährdung der Schutzgüter nicht feststellbar sei“, dies habe man den Nachbarn mitgeteilt.
Und die Polizei? Die zuständige Wache versuche, eine Regelung zu finden, die beiden bürgernahen Beamten seien damit beschäftigt, teilt Heike Uhde aus der Polizeipressestelle mit. Auch die Ermittler können bislang sogenannte BTM-Geschäfte, also den Handel mit Rauschgift, nicht bestätigen.
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