Ungewohnte Radler-Ampeln

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Die Kreuzung Bramfelder Chaussee Ecke Steilshooper Allee ist ein Unfallschwerpunkt Foto: mdt
 
Der Rad-Reporter Marco Dittmer Foto: wb

Immer mehr Kreuzungen werden umgebaut. Autofahrer gewöhnen sich nur langsam um

Von Marco Dittmer
Bramfeld
Theoretisch hätten die Unfallzahlen in Bramfeld nach der Neugestaltung zurückgehen müssen. Schließlich wurde alles wie aus dem Lehrbuch umgesetzt: Die Fahrradwege rund um die Kreuzung Bramfelder Chaussee Ecke Steilshooper Allee wurden vor fünf Jahren begradigt und an die Fahrbahn verlegt, die Radler bekamen ihre eigene Ampel.
Alles Maßnahmen, die seit Jahren von Verkehrsexperten als Sicherheitsgewinn herausgestellt werden, auch der ADFC lobte den Umbau der Kreuzung. Soweit die Theorie. Womit die Verkehrsplaner aber wohl nicht gerechnet haben, sind die festen Gewohnheiten und die alltägliche Routine der Autofahrer und Radfahrer. Die lassen sich offenbar nicht einfach abstellen und führen an der Kreuzung seit Jahren zu gefährlichen Situationen und Beinaheunfällen.
Das Problem an der Kreuzung: Die Radler-Ampeln leuchten nahezu synchron mit den Signalen für den Autoverkehr, die Grünphase der Fußgängerampeln ist jedoch deutlich kürzer. Rechtsabbieger nehmen aber eine rote Fußgängerampel oft als Hinweis dafür, dass der Weg frei ist. Dann kreuzen sie den Radweg, ohne über die Schulter zu blicken oder sehen Radfahrer erst spät.

Kreuzung ist Unfallschwerpunkt


Günter Prehn fährt mit dem Rad regelmäßig an der Stelle vorbei. Er war schon oft in brenzligen Situationen. Dem Rad-Reporter des Wochenblatts zeigt er die gefährliche Kreuzung genauer. „Rentner die mit dem Rad fahren überqueren die Kreuzung oft nur noch auf dem Fußgängerweg, der ist für sie sicherer“, sagt Prehn. Auch bei dem Besuch vor Ort kam es stadteinwärts zu einer Beinahekollision zwischen einer Radfahrerin und einem Pkw.
Die Polizei kennt das Problem schon seit Jahren. Auch bei den Planungen wurde darauf geachtet, dass die Radler-Ampeln von Autofahrern gesehen werden können. Doch die sind neu im Straßenbild und werden immer noch wenig beachtet. „Die Lösungen mit eigener Signalisierung werden künftig im Straßenraum von Hamburg vermehrt anzutreffen sein, so dass der Autofahrer sich auch vermehrt auf seine Pflichten nach § 9 (3) Straßenverkehrsordnung (StVO) zurückbesinnt“, sagt Karina Sadowsky, Sprecherin der Hamburger Polizei. Kurz gesagt: Schulterblick machen und Fahrradfahrer durchlassen.

Gefährliche Kreuzung in Bramfeld


Doch nicht nur Fahrradfahrer sind an der Kreuzung gefährdet. Laut Polizei krachte es auf der Hauptverkehrsstraße innerhalb von zwölf Monaten ganze 37-mal, meist zwischen Pkws. Darunter war aber auch jener tödliche Unfall, bei dem am 19. Juli ein Radfahrer verunglückte. Laut einem Vergleich des Hamburger Abendblatts von gefährlichen Kreuzungen in Hamburg liegt die Stelle damit auf dem zweiten Platz.

Der Rad-Reporter Marco Dittmer:
Hamburg soll Fahrrad-Stadt werden, kündigt der rot-grüne Senat an. Doch wie geht das überhaupt? Wie funktioniert das Zusammenleben mit Autofahrern und Fußgängern? Der neue Radreporter vom Wochenblatt, Marco Dittmer, testet nicht nur neue Radwege, auf seinem Rennrad berichtet er über alle Themen, die ihm auf seinen Touren durch Hamburg begegnen. Sie haben Anregungen, Wünsche oder Kritik? Dann mailen Sie ihm unter Radreporter@hamburger-wochenblatt.de
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1 Kommentar
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Klaus Sebaldt aus Barmbek | 05.08.2015 | 13:09  
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