Unmut über Post in Jenfeld

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Blick auf das Jenfelder Einkaufszentrum Foto: Thiele
 
Der neue Postbriefkasten steht am Einkaufszentrum Foto: Thiele

Neuer Briefkasten am JEN. Senioren fordern Filiale im Einkaufszentrum

Von Ulrich Thiele
Jenfeld
In Jenfeld geht die Post ab: Seit der Schließung der Postfiliale am Öjendorfer Damm (das Wochenblatt berichtete) macht sich immer mehr Unmut über fehlende Postdienstleistungen in kundenfreundlicher Lage breit. Zur Situation: Bis vor einigen Jahren gab es eine Postfiliale im Jenfelder Einkaufszentrum an der Rodigallee (JEN) mit Servicedienstleistungen und Geldautomat. Als diese geschlossen wurde, konnten sich die Jenfelder an die Filiale im Erdgeschoss des Ärztehauses am Öjendorfer Damm direkt gegenüber des JEN wenden. Als aber auch diese kleine Filiale geschlossen wurde und mit ihr auch der Postbriefkasten verschwand, standen Kunden und Anwohner plötzlich vor dem Nichts. Die nächste Filiale, an die sich die meisten Kunden nun wenden, befindet sich zwei Kilometer entfernt am Berliner Platz. Besonders für die in den Hochhäusern neben dem JEN ansässigen Senioren, denen weite Fußmärsche schwerfallen, sind die Veränderungen mit Strapazen verbunden. Zudem befürchten Geschäftsinhaber im JEN Kundenverluste. Diese würden sich an ein anderes Einkaufszentrum richten, das eine Postfiliale zu bieten hat, und dort ihre Postangelegenheiten mit ihren Einkäufen verknüpfen. Zumindest ein Postbriefkasten ist nun seit dem 11. Mai wieder in Nähe des EKZ angebracht. Dieser befindet sich an der Kreuzung Rodigallee/Öjendorfer Damm an der Haltestelle „Jenfeld-Zentrum“. Grund dafür sind allerdings nicht die vielen Beschwerden: „Es gab schon vorher einen Briefkasten in unmittelbarer Nähe. Der stand aber auf privatem Grund und der Eigentümer wollte das nicht mehr. Deswegen haben wir den Briefkasten an die neue Stelle verlegt“, heißt aus der Post-Pressestelle Nord. Center Managerin Heidrun Quilitzsch kann die allgemeine Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Lage nur teilen. Eine Postfiliale würde den vorhandenen Mieter- und Branchenmix in einem EKZ wie jenem in Jenfeld absolut komplettieren, findet sie. Zahlreiche Bemühungen, einen Postservice im Center anzubieten, blieben trotz vorhandener Geschäftsräume vergeblich. Wenn die Post-Zentrale in Bonn die Anfrage prüft, sieht sie Jenfeld bereits mit einer Filiale besetzt und reagiert folglich mit einer Absage. Für Heidrun Quilitzsch unverständlich, zumal eine Postfiliale im EKZ mit seinen vielen Parkplätzen wesentlich kundenfreundlicher als andere wäre. „Die Post beachtet nur die Luftlinie oder die Postleitzahlen, aber nicht das Einzugsgebiet. Wir haben hier ganz andere Besucher als am Berliner Platz und zwar von überall her. Eine Ablehnung mit solch einer Begründung ist völlig in Verkennung des Jenfelder Lebens getroffen worden“, so die Center-Managerin überzeugt. Nun will Quilitzsch sich an die Politik wenden. Ihre Forderung: Das EKZ braucht Post-Servicedienstleistungen, weil die Kunden das fordern und erwarten.

Das sagen die Bürger


Das Wochenblatt befragte dazu Kunden im EKZ, um sich einen Eindruck von der Sicht der Bürger zu verschaffen. Vor allem von Seiten der Senioren kam dabei die Unzufriedenheit zum Vorschein. „Selbstverständlich brauchen wir eine Filiale, wir Rentner legen höchsten Wert darauf. Hier sind die Einkaufsmöglichkeiten, hier im EKZ ist auch mein Arzt und mein Orthopäde, ich finde es wünschenswert, meine Einkäufe und Arztbesuche mit Postangelegenheiten zu verknüpfen“, sagt Vita Möller, 71 Jahre, aus Barsbüttel. Besonders jene Leute, die in unmittelbarer Nähe des EKZ wohnen, zeigen sich verärgert angesichts der fehlenden Postfiliale. So auch Hannelore Friedrich: „Es ist toll, dass der Briefkasten wieder da ist, aber den Weg zur nächsten Postfiliale kann ich nicht mehr laufen!“, beklagt die 81-jährige Jenfelderin. Priska Waizenhefer, 79, ebenfalls aus Jenfeld, kann nur bestätigen: „Eine Filiale im EKZ wäre notwendig, allein wegen der vielen Kunden, die hier einkaufen.“ Auch die Ladenbesitzer und Mitarbeiter des EKZ fordern eine Filiale. Ilona Schmager, 68 Jahre, ist seit 35 Jahren Besitzerin der Modeboutique „Berger Moden“. Sie ist sicher: „Wir brauchen hier auf jeden Fall eine Postfiliale, weil hier viele alte Leute einkaufen. Die hängen momentan in der Luft. Ich glaube auch, dass wir dadurch weniger Kunden haben, weil die Leute sich in Richtung Berliner Platz umorientieren könnten“, befürchtet die Ladenbetreiberin. Ingrid Guthke aus Jenfeld bestätigt: „Ich arbeite hier im EKZ und höre oft, dass sich vor allem ältere Leute darüber beschweren, dass es hier keine Filiale gibt.“

Genervte Kunden


Doch nicht nur Jenfelder, sondern auch Kunden, die von außerhalb kommen, vermissen eine Filiale im EKZ. „Ich finde es schade, dass es hier keine Filiale gibt. Junge Leute können laufen, ältere nicht mehr so. Ich bin oft hier und kriege auch mit, dass es Bekannte nervt, dass sie das nicht mit dem Einkaufen verknüpfen können“, erzählt Klaus R. aus Fuhlsbüttel. Auch viele Barsbütteler wie Dr. Claudius Fehlandt kaufen häufig im EKZ ein. „Wir haben zwar eine Filiale in Barsbüttel, aber wenn ich hier einkaufen gehe, fehlt das. Eine Postfiliale in einem Einkaufszentrum ist ein Muss“, findet der 57-Jährige.
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